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Tagblatt Online, 9. August 2012, 05:21 Uhr

Velostreifen haben es in sich

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Gefährliche Situationen: Beim Tunnel auf der Mühlestrasse, über die Steblenbachbrücke oder beim Einlenker kurz vor Schönengrund. (Bild: bei)

Das warme Wetter lädt zum Velofahren ein, so auch im Appenzellerland. Doch die vielen Velostreifen bergen Gefahren. Michael Stern, ein ehemaliger Elite-Rennfahrer, warnt vor solchen und wünscht sich von den Behörden mehr Weitsicht.

BRUNO EISENHUT

APPENZELLERLAND. Nicht selten löse bei ihm die Fahrt per Velo durch das Appenzellerland Kopfschütteln aus. Dies sagt der frühere Elite-Rennradfahrer Michael Stern. Grund dafür sind keinesfalls die unzähligen Bikewege, sondern einige, wie er es bezeichnet, «praxisferne» Ausführungen von Radstreifen. Er schiebt einige Beispiele nach: Vom Schwänlikreisel in Herisau Richtung Bahnhof wird der Radstreifen auf dem Trottoir geführt. Unmittelbar vor der engsten Stelle, dem Strassentunnel unter der Gossauerstrasse hindurch, findet der Radweg ein abruptes Ende, den Radfahrern bleibt nur die enge und vielbefahrene Strasse als Alternative.

Engpass beim Steblenbach

Ein ähnliches Bild zeigt sich bei der Brücke über den Steblenbach bei der Grastrocknungsanlage in Waldstatt. Kurz vor der gefährlich engen Stelle endet der Radweg und führt die Benutzer auf die vielbefahrene Hauptstrasse. Bemerkenswert: Rund hundert Meter später, ennet der engsten Stelle, findet der Radweg auf dem Trottoir der Hundwilertobelbrücke seinen Neuanfang.

Unverständnis löst bei Michael Stern auch die Situation auf der Hauptstrasse von Waldstatt Richtung Schönengrund aus. «Kaum ein Radfahrer folgt der unsinnigen Verkehrsführung beim Einlenker von der Schwellbrunner Risi», findet er, «zumal der eingezeichnete Weg zudem auf den Fussgängerstreifen führt.» Anlässlich seiner Kritik sieht Michael Stern nicht nur in der Enge der Fahrbahn Gefahren. Denn: Mit E-Bikes erreichen die Radfahrer hohe Tempi, ein Blick zurück, um die Eingliederung von Radweg in die Strasse abzusichern, wird dabei zur Herausforderung.

Mangelnde Weitsicht

Die Ursache für die aus seiner Sicht teilweise unsinnigen Radwege sieht Michael Stern in der mangelnden Weitsicht der Verantwortlichen. Gar von fehlender Praxisnähe spricht er und meint damit: Die verantwortlichen Personen sind wohl noch nie mit dem Velo auf den eingezeichneten Radwegen gefahren. Ihn begleite das Gefühl, dass die Behörden die Velofahrer als Verkehrshindernis wahrnehmen.

Es gibt auch gute Lösungen

Hobbyvelofahrer Stern übt aber nicht nur Kritik. Auf Appenzellerlands Strassen gebe es durchaus auch vorbildliche Lösungen. So zum Beispiel die Wegführung nach der Gmündertobelbrücke Richtung Stein. «Der Radstreifen führt bei der Haltestelle Rämsen ohne Unterbruch und ohne gefährlichen Absatz auf das Trottoir.» Dies zeigt ihm, dass Verbesserungen möglich sind.

Er ist sich aber auch bewusst, dass es unterschiedliche Ansprüche an die Radwege gibt: Familien mit Kindern, Sonntags-, Alltags-, Hobby- und Rennfahrer hätten unterschiedliche Vorstellungen. Dies vereinfacht die Sache für die Planer nicht.



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Leser-Kommentare:
1 Beitrag
unangan (13. August 2012, 19:11)
da könnte die Schweizer von deutschen Radwegen lernen.

ich kenne die Radwege rund um den Bodensee bis weit in den Schwarzwald... Aber auch die Radwege in der Ostschweiz.
Nirgends im mir bekannten süddeutschen Raum sind gefahrenträchtige Radwegunterbrechungen. Aber auch die Überquerung von viel befahrenen Strassen notwendig wie in der schw. Radwegeführung.

Ich denke, dass im Süddeutschen Raum die Radfahrer auf die Barrikaden steigen, wenn solch unsinnige und sehr gefährliche Radwege geplant und gebaut würden.

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