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Tagblatt Online, 20. August 2012, 11:40 Uhr

Polizei findet Leiche und 100 Kilo Sprengstoff

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Die Behausung im Wald. (Bild: Kapo AI)

BRÜLISAU. Die Appenzell Innerrhoder Polizei hat einen 80-jährigen Mann tot in einer Wellblechhütte in einem Wald bei Brülisau entdeckt. Der Einsiedler hatte seit Jahren illegal in seiner Behausung gewohnt. Als er gefunden wurde, war er bereits seit mehreren Wochen tot.



Der Mann starb eines natürlichen Todes, wie die Polizei am Montag mitteilte. Angehörige hatten am 14. August die Polizei informiert, weil sich der betagte Mann seit längerer Zeit nicht mehr gemeldet hatte.

Als Polizisten noch am gleichen Tag in der Behausung nachschauten, fanden sie in einem der Räume die stark verweste Leiche. Der Tote wurde zur Identifikation und zur Abklärung der Todesursache ins Institut für Rechtsmedizin nach St.Gallen gebracht.

Es handle sich zweifelsfrei um den 80-jährigen Bewohner der Hütte, hiess es. Der Mann war im Dorf als Einsiedler bekannt. Er hatte seine versteckte Behausung in dem privaten Wald über die letzten drei Jahrzehnte eigenhändig in Etappen gebaut - alles ohne Bewilligung.

Gegen 100 Kilo Sprengstoff
Die mit Stacheldraht umgebene Hütte, nebst mehreren Unterständen aus Wellblech, ist von aussen und aus der Luft praktisch nicht sichtbar. Als die Polizei die Räume durchsuchte, fand sie gegen 100 Kilogramm Sprengstoff samt Zündern. Diese wurden von Spezialisten aus Zürich mit Hilfe der Feuerwehr geborgen.
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Sprengmittel in der Behausung.
(Bild: Kapo AI)



Der zivile Sprengstoff «Gamsit» wird fachgerecht entsorgt. Der verstorbene Einsiedler hatte seine Behausung mit einem Dieselaggregat und einem Windrad auf dem Dach mit Strom versorgt. Den Treibstoff lagerte er in Fässern und in einem grossen Heizöltank.

Gefahr für die Umwelt
Die Materialien sind laut Polizei eine akute Gefahr für die Umwelt. Das Innerrhoder Amt für Umwelt kümmert sich, nach Rücksprache mit den Angehörigen des Verstorbenen, um die fachgerechte Entsorgung.

Der 80-Jährige hatte in Brülisau eine Werkstatt gemietet. Die Polizei liess diese Werkstatt ebenfalls von Spezialisten durchsuchen. Dabei kamen mehrere Schusswaffen zum Vorschein und wurden sichergestellt. (sda)


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Leser-Kommentare:
3 Beiträge
deich (21. August 2012, 10:11)
Oberfläche

Es geht hier nicht um eine legale oder illegale Waldhütte, sondern um einen Menschen! Die Frage ist: Warum konnte der geschilderte "ehrenwerte Mann" letztlich nicht besser in die Gesellschaft ein-, an- oder zurückgegliedert werden? Wo war da "die stille soziale Kontrolle"? Im Dorfgasthaus war er ja stets willkommen, heisst es, also gut bekannt. Es gilt einiges aufzuarbeiten, wer da was wusste und eher zum Wegschauen tendierte. Die moderne Gesellschaft (oben auf dem "Hohen Kasten" dreht sich das Berggasthaus!) kommt, wie es wiedermal scheint, da an ihre Grenzen, wo es um Einzelschicksale geht. Leben wir tatsächlich derart an der Oberfläche"? Oder soll man einen "kauzigen Einsiedler" einfach so lassen, bis er stirbt? Hier wurde ein Dorf zur Stadt, wo es ähnliche Schicksale (z.B. im Drogenbereich) leider fast täglich zu registrieren gilt.

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walter.lendi (20. August 2012, 12:51)
Toter in illegaler Behausung

Wie kommt es, dass ein Mensch während dreier Jahre unentdeckt sich eine Behausung in einem Wald, nahe der Zivilisation, aufbauen kann? Wo ist da der Forstdienst, wo sind da die Jäger? Und von der wanderfreudigen Bevölkerung will auch keiner was festgestellt haben? "O sancta justitia, ich möchte rasen", ist man versucht nach "Zar und Zimmermann" von Albert Lortzing zu rezitieren.

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gbichsel (20. August 2012, 16:44)
Toter in illegaler Behausung

Lieber herr Lendi
es ist weit schlimmer als Sie meinen. Wenn Sie den Artikel nochmals lesen, stellen Sie fest, dass diese Behausung über letzten 3 Jahrzente, also in den letzten 30 Jahren erbaut und erweitert wurde. Gemäss Bericht ist da aber fast nichts zu sehen. Wenn ich mir das Bild betrachte, dann steht diese Behausung sehr nahe am Waldrand und die blauen Behälter auf den Dächern tragen auch nicht sicher zur guten Deckung bei. Es scheint tatsächlich so, dass hier nicht nur ein Auge, sondern viele Augenpaare zugedrückt wurden. Meiner Meinung nach wahrscheinlich einfach um Ärger aus dem Weg zu gehen. Ich bin geradezu versucht, auf meinem privaten Grundstück eine Hütte mit Dieselgenerator und Windrad zu erstellen. Einfach nur um sehen, was dann von behördlicher Seite her passiert.

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