Nachfrage nach Tageseltern steigt

AUSSERRHODEN ⋅ Der Verein Tagesfamilien Appenzell Ausserrhoden vermittelt ausserfamiliäre Betreuungsplätze bei Tageseltern. Die Nachfrage danach steigt im Kanton kontinuierlich an. Eine Herausforderung ist die Finanzierung des Angebots.
29. März 2016, 07:28
JESKO CALDERARA

AUSSERRHODEN. Eltern, die ausserfamiliäre Betreuungsplätze benötigen, stehen im Kanton Appenzell Ausserrhoden verschiedene Möglichkeiten offen. Viele Kinder werden heute in einer Kindertagesstätte (Kita) oder einer Tagesfamilie betreut. Mit letzterem Thema beschäftigt seit seiner Gründung vor über fünf Jahren der Verein Tagesfamilien Appenzell Ausserrhoden. Dessen Präsident Stefan Jeker sagt: «Unser Angebot hat sich in dieser Zeit etabliert und entspricht nach wie vor einem grossen Bedürfnis.» Tagesfamilien gibt es zurzeit in allen Ausserrhoder Gemeinden.

79 Kinder betreut

Tagesmütter betreuen je nach Bedarf stundenweise bis ganztags die Kinder anderer Familien. Wie hoch die Nachfrage nach Plätzen ist, zeigt ein Blick auf die Zahlen des Vereins. Demnach wurden letztes Jahr 79 Kinder vom Baby- bis zum Oberstufenalter den 28 Tageseltern anvertraut. Die geleisteten Betreuungsstunden beliefen sich 2015 auf 14 929. Ein Jahr zuvor waren es noch 10 517 Stunden. Wöchentlich gingen Anfragen von Eltern ein, die einen Betreuungsplatz für ihr Kind suchten, sagt Stefan Jeker. «Bis jetzt haben wir immer wieder passende Tagesfamilien gefunden.» Der Verein sei aber vor allem im Mittelland noch auf der Suche nach interessierten Tageseltern, sagt er.

Eine Tagesmutter darf inklusive dem eigenen Nachwuchs höchstens fünf Kinder parallel betreuen. Sie absolviert eine Grundausbildung und besucht jährlich eine Weiterbildung, die der Verein anbietet. Bei der Vermittlung werde abgeklärt, ob in einer Familie die physischen und psychischen Kapazitäten vorhanden seien, um weitere Kinder aufzunehmen, erläutert der Präsident.

Ergänzung zu Kitas

Stefan Jeker sieht das Angebot des Vereins als ideale Ergänzung zu den Kindertagesstätten. «Meiner Meinung nach braucht es beide Formen der Kinderbetreuung.» Aus diesem Grund hätten sich auf Bundesebene die Tagesfamilien mit den Kitas zu Kibesuisse (Kinderbetreuung Schweiz) zusammengeschlossen. «Bei individuellen Lösungen, wie sie mit Tageseltern vereinbart werden, kann zu Randzeiten oder in den Ferien ein höheres Mass an Flexibilität geboten werden», betont Jeker. Zudem würden die Kinder in Familien integriert, was oft einem Bedürfnis entspreche.

Verein rechnet direkt ab

Zu den Leistungen des Vereins Tagesfamilien AR gehören die Vermittlung von Betreuungsverhältnissen sowie die Kontaktherstellung zwischen Eltern und Tagesfamilie. Die Tageseltern stellt der Verein an. Gleichzeitig regelt dieser die administrativen, rechtlichen und finanziellen Angelegenheiten. Der Verein kümmere sich beispielsweise um die Abrechnung der geleisteten Stunden und garantiere deren Auszahlung, sagt Jeker. «Wir arbeiten darüber hinaus mit der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (Kesb) zusammen, welche das Kontrollorgan bei der Kinderbetreuung im Kanton ist.»

Immer mehr Gemeinden unterstützen ausserfamiliäre Betreuungen in Tagesfamilien finanziell. Leistungsvereinbarungen und Abkommen bestehen bereits mit Herisau, Heiden, Lutzenberg, Rehetobel, Schönengrund und Urnäsch. Neu konnte auch mit Teufen eine Vereinbarung abgeschossen werden. Eltern, die in einer dieser Gemeinden wohnen, profitieren von einem reduzierten Tarif. «Der Vorstand möchte, dass jede Familie die für sie beste Option zur Betreuung der Kinder wählen kann», sagt Jeker. Deshalb strebe man Leistungsvereinbarungen mit allen Gemeinden an.


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