Unvorsichtige Wanderer: In zwei Tagen sieben Rettungen am Säntis

RETTUNG MIT REGA ⋅ Sieben Personen mussten Anfang Woche am Säntis gerettet werden. Bei der Rega und beim SAC Säntis spricht man von einer aussergewöhnlichen Situation. Ungeübte sollten jetzt nicht zu Fuss auf diesen Berg.
03. November 2017, 17:15
Roger Fuchs

Roger Fuchs

roger.fuchs@appenzellerzeitung.ch

Der Schein trügt: Mag es auf der Schwägalp noch grün sein, so ändert sich dies auf dem Weg zum Säntis. Es liegt so viel Schnee, dass die rot-weissen Wanderzeichen teils verdeckt sind und ungeübte Berggänger schnell von der Route abkommen können. Von Montag- bis Dienstagabend hatten gleich sieben Personen die vorherrschenden Bedingungen falsch eingeschätzt. Alle mussten mit der Rega gerettet werden.

Bei dieser Kumulierung an Vorfällen kann man gemäss Hans Fitzi, Rettungschef beim SAC Säntis, durchaus von einem aussergewöhnlichen Ereignis sprechen. Für ihn ist allerdings völlig klar, wie es im Einzelfall so weit kommen kann: «Folgt unterwegs der erste Schnee, haben die Leute oft das Gefühl, sie könnten doch noch weitergehen», so Fitzi. «Irgendwann merken sie dann, dass nichts mehr geht, weder vorwärts noch rückwärts.»

Zur Rettung der sieben Personen musste die Rega die Seilwinde einsetzen. Das bedeutet, dass stets auch ein Bergretter mit dabei ist. Weil alle lebend geborgen werden konnten, spricht Hans Fitzi von «schönen Einsätzen». Doch diese müssten nicht sein, wenn die Wanderer bereits beim Start auf der Schwägalp die Situation richtig einschätzen würden. Normalerweise wird gemäss Fitzi auch markiert, wenn die Route auf den Säntis zu gefährlich ist. Aufgestellt werde diese Tafel vom Wirt der Tierwis.
 

Rettungen am Säntis führten zu keinem Engpass

Von speziellen 24 Stunden am Säntis wird auch bei der Rega gesprochen. Nicht, weil sie so viele Einsätze fliegen musste, sondern, weil alle am gleichen Berg stattfanden. «Das ist bemerkenswert», sagt Mediensprecher Harald Schreiber. Zu Engpässen hatte diese Häufung an Rettungen am Säntis nicht geführt. Die Helikopterbasen der Rega sind denn auch so über die Schweiz verteilt, dass sie sich untereinander aushelfen können. Bei einem zusätzlichen Notfall in der Region hätten umgehend die Crews der umliegenden Basen Untervaz und Dübendorf übernommen. Jede Basis verfügt über einen Helikopter und ist rund um die Uhr mit je einem Piloten, Rettungssanitäter und Notarzt besetzt.

Auf die Frage, ob es nicht nervig sei, fünfmal hintereinander zum gleichen Berg zu fliegen, antwortet Schreiber, dass solche Gedanken bei der Rega keinen Platz hätten. «Bei jeder Rettung steht die Person im Zentrum, die sich in einer Notsituation befindet.» Über die Kosten von einzelnen Einsätzen gibt die Rega keine Auskunft. Ausserdem unterscheide sich jeder Einsatz vom anderen, sagt Harald Schreiber.

Fakt ist: Wird die Rega aufgeboten, so gehen die Kosten primär zuhanden der geretteten Person respektive deren Versicherungen. Falls diese nicht leistungspflichtig sind oder für die Kosten nur teilweise aufkommen, kann die Rega einem Gönnermitglied die Kosten für die Hilfeleistungen teilweise oder ganz erlassen.


Leserkommentare

Anzeige: