Milchwirtschaft prägt das Bild

BEURTEILUNG ⋅ Milchwirtschaft, Wasserbaugesetz, Raumplanung und Ernährungssicherheit beschäftigen zurzeit die Bauern in Ausserrhoden. Die einheitlichen Strukturen vereinfachen dabei eine gemeinsame Linie.
12. August 2017, 05:17
Martin Brunner

Martin Brunner

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«Für uns Bauern von Appenzell Ausserrhoden ist die Situation im Moment zumindest nicht alarmierend», sagt Ernst Graf, Präsident des Bauernverbandes Appenzell Ausserrhoden (BVAR). «Trotzdem beschäftigen uns die einen und anderen Themen.» Er nennt den Milchpreis, denn immerhin drei Viertel der Ausser­rhoder Bauern sind Milchproduzenten und deshalb abhängig ­davon. «Da gibt es schon einige, die sich durchbeissen müssen.» ­Warum die Appenzeller Milchbauern bei diesem Produktionszweig bleiben, hat verschiedene Gründe. «Zum einen lieben sie ihre Milchkühe», betont der Präsident. «Das erschwert einen Wechsel in einen anderen Produktionszweig enorm.»

Kommt dazu, dass etwa die Hälfte der Bauern über 50 Jahre alt sind. Neue Investitionen kommen deshalb meist nur dann in Frage, wenn ein Nachfolger in Sicht ist. Zufrieden sein können gemäss Graf im Milchbereich die 20 Prozent Bioproduzenten. Sie erhalten einen wesentlich höheren Milchpreis. Durchzogen beurteilt er die Situation bei der Käsereimilch. Fragezeichen setzt er bei der Kurzalpung. Die rund 30 Prozent Reduktion der Beiträge ab 2018 führen zu Diskussionen. Diese Konzentration auf die Milchwirtschaft hat für den BVAR Vorteile. «Weil Futterbau und Milchwirtschaft bei uns vorherrschen, sind die Strukturen grösstenteils ähnlich und dadurch die Sorgen und/oder Freuden vergleichbar.»

Vorhandene Möglichkeiten ausnützen

Trotzdem beschäftigt den BVAR mit der Revision des Wasserbaugesetzes und der Ausscheidung der Gewässerräume auch ein nationales Thema. «Es betrifft uns deshalb nicht so stark, weil unsere Landschaft nur wenige grössere Gewässer aufweist. Zudem fliessen die Bäche oft in einem Tobel.» Trotzdem hofft er, dass der Ausserrhoder Regierungsrat in seiner kantonalen Ausarbeitung den Spielraum ausnützt. Das heisst, dass er bei kleineren ­Bächen auf die 5,5 Meter Abstand zum Gewässer verzichtet, so wie dies möglich ist. «Vom BVAR aus weisen wir auf jeden Fall wo immer möglich darauf hin. Entscheide dürften vorläufig noch keine fallen, denn die politische Diskussion hat erst begonnen.»

Ebenfalls auf die kantonale Ebene strahlt die zweite Etappe des nationalen Raumplanungsgesetzes aus. «Vor allem mit unserem Streusiedlungsgebiet hat dieses Thema in unserem Kanton eine grosse Bedeutung», erklärt Ernst Graf. «Wir werden uns diesen Sommer deshalb intensiv damit beschäftigen und natürlich an der Vernehmlassung teilnehmen.»

Einsatz für Vorlage

Auf kräftige Unterstützung aus der Bevölkerung hofft er bei der Abstimmung vom 24. September. «Der direkte Gegenvorschlag zur Initiative für Ernährungssicherheit enthält die wesentlichen Punkte wie die Stärkung der inländischen Produktion und den Kulturlandschutz. Deshalb können wir vom BVAR problemlos dahinterstehen.» Für die Zukunft steht für den Präsidenten vor ­allem eines im Raum: «Jede einzelne Bauernfamilie muss ihren individuellen Weg finden, auf dem sie bestehen kann.»


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