Eseli Milou kam um 3.15 Uhr auf die Welt

Milou kommt in der Nacht auf Freitag in Herisau auf die Welt
APPENZELLERLAND ⋅ Seit letzter Nacht lebt in Herisau das Eselfohlen Milou. Es erblickte das Licht der Welt auf dem Hof des Herisauer Journalisten Roger Fuchs. Eine persönliche Schilderung inklusive Video.
19. Mai 2017, 14:49
Roger Fuchs
roger.fuchs@appenzellerzeitung.ch


«Das Eseli ist da. Es ist eine Stute und sie ist sooo herzig», werde ich mitten in der Nacht von meiner Frau geweckt. Der Lärm holt auch den Sohn aus dem Schlaf, während die Tochter seelenruhig liegen bleibt. Gemeinsam schleichen wir im Pyjama in den Stall. Und da liegt es tatsächlich. Noch ganz feucht von der Geburt, wird es liebevoll von seiner zehnjährigen Mama Mara abgeleckt. Sofort stellt sie sich so hin, dass dem Kleinen nichts zustossen kann. Wir flüstern und geben der Mamaesel noch etwas Futter.

Ein Jahr Wartezeit ist vorüber. Solange tragen Esel bis zur Geburt. Zu Beginn herrschte jeweils am Familientisch noch Unsicherheit, ob das Tier tatsächlich trächtig ist oder nicht. Dann aber wuchs der Bauch und auch Tritte waren zu spüren. Weil nicht jeder Tag ein Eseli auf die Welt kommt, war die Anspannung entsprechend gross. Als ob es meine Frau geahnt hätte, hatte sie in der letzten Nacht den Wecker gestellt. Sie sei gerade in den Stall gekommen, als die Geburt begonnen habe, erzählt sie später.

Esel sind ein weltweit verbreitetes Haustier, kommen aber deutlich weniger vor als Hunde oder Katzen. Wie beim kantonalen Amt für Landwirtschaft zu erfahren ist, gibt es in Ausserrhoden in der Kategorie «Ponys, Kleinpferde und Esel bis 30 Monate » nur gerade 22 registrierte Tiere. Werden die Hengste, Stuten und Wallache über 30 Monate dazugerechnet, kommt man auf 278 Tiere. Im Vergleich dazu: In Ausserrhoden wurden gemäss jüngster Datenerhebung 3691 Hunde gezählt.

Nächtliche Suche nach dem Namen

Die ganze Aufregung und Freude lässt einem kaum wieder einschlafen. Und so höre ich wie mein Sohn zusammen mit Mama flüstert, wie denn das Fohlen heissen könnte. Es fallen Namen wie Milla, Marisa oder Marina. Am Schluss sind sich beide einig. Der Esel soll auf den Namen Milou hören – der Name beginnt also definitiv mit dem gleichen Buchstaben wie jener seiner Mama. Milou war am Tag nach der Geburt rund 13 Kilogramm schwer und soll uns nun mindestens drei Jahrzehnte lang begleiten. Da Esel in der Regel langlebiger sind als Pferde können sie im besten Fall sogar über 40 Jahre alt werden.

Im Volksmund wird der Esel als stures und dummes Tier beschrieben. «Du dummer Esel», sagen die Menschen denn auch regelmässig zueinander. Wer mit Eseln zu tun hat, weiss aber: Diese Tiere sind alles andere als dumm. Wenn einem Esel etwas nicht geheuer erscheint, kann es sein, dass er sich zuerst verweigert. Das hat nichts mit Dummheit, sondern mit einer Art Vorsicht zu tun. Solche Tiere können einem im Extremfall sogar vor einer drohenden Gefahr bewahren.

Keine zwei Stunden nach der Geburt findet das Neugeborene die Kraft, auf eigenen Beinen zu stehen – wenn auch noch völlig wackelig. Die langen Beine im Vergleich zum Oberkörper lassen das Fohlen staksig aussehen. In den Vormittagsstunden am Tag nach der Geburt schaut schliesslich die Tierärztin vorbei, so dass Mutter und Fohlen untersucht werden können.

Mit der Geburt hat sich nun eine gewisse Spannung gelegt, aber nicht die ganze. Fortan wird zu Hause gerätselt, welcher Farbton dereinst beim Tier dominieren wird: Grau oder braun? Herzig bleibt das Eseli so oder so.

Leserkommentare

Anzeige: