Einer mit Sinn für das Gesamte

INDUSTRIE ⋅ Urs Alder ist seit gestern Präsident des Industrievereins Appenzell Ausserrhoden. Er ist einer, der seine beruflichen Anfänge im Dienstleistungssektor gemacht hat und der für konstruktive Zusammenarbeit steht.
19. Mai 2017, 07:50
Bruno Eisenhut

Bruno Eisenhut

bruno.eisenhut@appenzellerzeitung.ch

Während 15 Jahren bewegte sich Urs Alder beruflich in einer «anderen Welt», wie er sie bezeichnet. Nach einer Luftverkehrsausbildung bei der Swissair hatte er dort verschiedene Funktionen im Bereich Luftverkehr und insbesondere auch in der Aus- und Weiterbildung inne. Dieses Thema sollte sich fortan durch seine berufliche Karriere ziehen. Urs Alder durchlief die interne Managementausbildung der Swissair und besuchte unter anderem eine Weiterbildung in Unternehmensführung an der Uni St.Gallen und absolvierte das Human Resour­ces Management an der Harvard Business School in Boston. Zudem war jene Zeit geprägt von längeren Arbeitsaufenthalten im Ausland. «Die Internationalität ist mir sehr wichtig», sagt er. Das ist bis heute so geblieben, auch wenn Urs Alder die Swissair vor gut 25 Jahren verlassen hat und seither in der Industrie arbeitet. Während seiner Zeit bei der Swissair habe er Freude am ­Umgang mit Menschen bekommen, so der 59-Jährige. Als langjähriges Konzernleitungsmitglied und oberster Personalleiter von Huber+Suhner hat er die weltweite Entwicklung der grössten Appenzeller Unternehmung an vorderster Front mitgeprägt.

Industrie und Gewerbe gehören zusammen

In der Industrie fühle er sich am richtigen Ort, so Alder. Diese Branche sei ein Spiegelbild der Gesellschaft. Vom Ar­beiter bis zum Manager seien alle auf ein gemeinsames Ziel ausgerichtet, und aus einer Idee entstehe ein Produkt. Das fasziniere ihn, es bringe aber gleichzeitig Herausforderungen mit sich, analysiert der frisch gewählte Präsident des Industrievereins Appenzell Ausserrhoden. Er legt grossen Wert auf den persönlichen Austausch mit allen Beteiligten. Zuhören und die richtigen Schlüsse ziehen findet er erfolgversprechender als über die Köpfe hinweg zu entscheiden. «Es ist wichtig, die Nähe zu den Mitarbeitenden zu halten», so Alder. Das habe mit Wertschätzung zu tun. Dass es sich hierbei nicht um leere Worte handelt, beweist ein Rundgang mit ihm durch den Betrieb der Firma Huber+Suhner. Man kennt sich beim Namen und grüsst allenthalben. Auch wenn Urs Alder gestern zum neuen ­Präsidenten des Industrievereins gewählt wurde, als Drogistensohn habe er früh auch den Bezug zum Gewerbe bekommen. Er sagt: «Gewerbe und Industrie gehören zusammen, wie ein rechter und ein linker Schuh.» Die konstruktive Zusammenarbeit, auch über die Kantonsgrenze hinaus, ist eines seiner Vorhaben als Industriepräsident. Industrie, Gewerbe und Behörden bilden ein wichtiges Räderwerk innerhalb der Gesellschaft, eine gute Zusammenarbeit sei deshalb unerlässlich.

Als Wirtschaftsvertreter in der Politik

Dank seiner langen Zeit bei der Firma Huber+Suhner kennt Urs Alder deren Firmengeschichte sehr gut. Schon damals, zu Beginn des 20. Jahrhunderts, als sich die Industrialisierung rasant fortbewegt hat, habe sich gezeigt, dass sich immer wieder neue Chancen, aber gleichzeitig auch Herausforderungen ergeben würden. Dasselbe gelte ­heute hinsichtlich Digitalisierung und Industrie 4.0, sagt Urs Alder. Was es brauche, seien Leute, die bereit sind, ihre Ärmel hochzukrempeln und Hand ­anzulegen. Diesen Grundsatz lebt Urs Alder über die berufliche Aufgabe hinaus. So hat er sich nach vielen Jahren Mitarbeit in verschiedenen Kommissionen (hauptsächlich Bildungsthemen) vor zwei Jahren entschie­den, in die Politik einzusteigen. «Auch die Wirtschaft braucht ihre ­Vertreter in der Politik», findet er. Es gehe darum, die politischen Strukturen der Zeit anzupassen und die zunehmende Verstaatlichung zu stoppen. Dazu gehöre, den Unternehmen das Leben möglichst einfach zu machen, mit möglichst wenig Bürokratie.


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