Eine traditionsreiche Geschichte

SOMMERAKTION ⋅ Während andere Regionen in kulinarischer Hinsicht nur eine Spezialität hervorbrachten, dürfen sich die Appenzeller der Erfindung vieler typischer Speisen und Getränke rühmen.
11. August 2017, 05:17
Gianni Amstutz

Gianni Amstutz

gianni.amstutz@appenzellerzeitung.ch

Liebe geht durch den Magen. Bei der Liebe zum Appenzellerland verhält sich das nicht anders. An kulinarischen Spezialitäten mangelt es der Region wahrlich nicht. Während der Aargau als «Rüebliland» gilt und der Nachbarkanton St. Gallen gemeinhin mit der Olma-Bratwurst in Verbindung gebracht wird, wartet das Appenzellerland gleich mit mehreren Delikatessen auf. Diese stehen in der Schweiz, aber auch für die Touristen aus aller Welt beispielhaft für die Schönheiten des Appenzellerlandes.

Der Appenzeller Kräuterlikör, der Pantli, der Biber sowie der Käse sind weit über die Kantonsgrenzen hinaus bekannt, und auch das Appenzeller Quöllfrisch findet sich in den Verkaufsregalen von Genf bis ins Tessin, vom Jura bis ins Fürstentum Liechtenstein. Kein Wunder also, dass den Gaumenfreuden aus dem Appenzellerland innerhalb der Bevölkerung der beiden Appenzeller Kantone eine verbindende Wirkung zukommt.

Geheimnis um Rezepte für Spezialitäten

Was sich alle Hersteller der Köstlichkeiten aus dem Appenzellerland gross auf die Fahne geschrieben haben, ist: Tradition. «Ein Genuss mit Tradition» heisst es etwa auf der Homepage des ­Appenzeller Bärli-Bibers, mit «Traditioneller Appenzeller Alpenbitter seit 1902» wirbt der Spirituosenhersteller für seinen Kräuterlikör, und auch auf den Internetauftritten des Appenzeller Käses sowie des Bieres finden sich Hinweise auf die lange Tradition der jeweiligen Produkte.

Doch obwohl der Stolz auf die kulinarischen Appenzeller Spezialitäten einend wirkt, ist spätestens beim Rezept Schluss mit Verbundenheit und Offenheit. Denn um die Rezepte für die Appenzeller Delikatessen machen die Betriebe allesamt ein Geheimnis. Stellvertretend dafür stehen die drei Herren aus der Werbung, welche das Rezept des Appenzeller Käses partout nicht preisgeben wollen. Die Fernsehwerbespots mit den urchigen Appenzellern in ihren Trachten sind schweizweit Kult. Und sie verdeutlichen eines: Analog zur Swissness, mit welcher ­viele Schweizer Firmen für ihre Produkte werben, ist auch das Appenzellerland zu einer Marke geworden. Sie steht für Tradition und Geheimnis. Das wiederum wirkt innerhalb des Kantons verbindend, denn alle Leute aus dem Appenzellerland dürfen sich als Teil dieser Kultur und Tradition fühlen.

Auch wirtschaftlich ist die Bedeutung der Appenzeller Spezialitäten nicht zu unterschätzen. Auf der Seite patrimoineculinaire.ch, welche das kulinarische Erbe der Schweiz untersucht, wird die verkaufte Menge verschiedener Produkte angegeben. So werden gemäss der Website jährlich 8600 Tonnen Appenzeller Käse und über 100 Tonnen Pantli hergestellt. Vom Appenzeller Alpenbitter werden täglich 20000 Flaschen unterschiedlicher Grösse abgefüllt, und der Appenzeller Biber findet besonders um die Weihnachtszeit regen Absatz. Dann werden pro Woche rund 400 der gefüllten Lebkuchen produziert.


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