Per Auto hinaus in die weite Welt

Kathrin und Ueli Würth brechen demnächst von Herisau aus zu einer grossen Reise im Geländefahrzeug auf, die sie um die ganze Welt führen könnte. Städte wollen sie dabei links liegen lassen, die beiden zieht es «aufs Land», wie sie sagen: zu den Gorillas in Uganda und den Eisbären Kanadas – und in die Wüste.
27. September 2013, 02:36
UELI ABT

HERISAU. Während Monaten haben Kathrin und Ueli Würth tausend Details ihrer grossen Reise bedacht. Sie haben Routen geplant, Visa beantragt, ihren Geländewagen optimal ausgerüstet und sich informiert: In welchen Ländern fährt man links, wo rechts? Für welches Fahrzeug bekommt man weltweit am ehesten Ersatzteile? Wie nutzt man Sandbleche zur Bergung eines Autos? Die Reisetauglichkeit des Fahrzeugs und des Equipments in Kälte, Hitze und unwegsamem Gelände haben sie auf längeren Fahrten durch Island und Tunesien getestet.

Auto im Container verschiffen

Kathrin und Ueli Würth haben die Reisehinweise des Aussendepartements genau gelesen und ihre ursprünglich beabsichtigte Reiseroute geändert. «In Nordafrika gibt es einen Gürtel von unsicheren Ländern», sagt Ueli Würth. So verläuft nun ihre Reise ins Innere des Kontinents ihrer Träume zunächst in einem Bogen über Iran – und falls es mit dem Visum klappt, über Saudi-Arabien – nach Port Sudan. Von dort soll es südwärts gehen, voraussichtlich über Äthiopien, Kenia, Tansania, Simbabwe, Namibia, Botswana nach Südafrika.

Den Süden des afrikanischen Kontinents kennen die beiden von einer früheren Reise. «Wir haben genügend Zeit eingeplant, um dort die grandiose Landschaft und die Tierwelt noch einmal intensiv erleben und fotografieren zu können», sagt Kathrin Würth.

Voraussichtlich werden sie an Afrikas Südspitze den Geländewagen im Container in die Neue Welt verschiffen, um dann von Feuerland nach Alaska zu fahren. Noch ist aber nichts in Stein gemeisselt. «Vielleicht kehren wir nach neun Monaten wieder zurück, falls es für uns nicht mehr stimmt», so Kathrin Würth. Bislang haben sie allerdings andere Erfahrungen gemacht: «Jedes Mal merkten wir am Ende der Ferienreisen, dass wir gerne noch mehr sehen wollten», sagt die 30-Jährige. Und noch etwas fiel den beiden auf: Von der Wüste waren sie immer wieder fasziniert. Dazu zählen sie die einsame, vulkanisch geprägte Ödnis in Island genauso wie die klassische Dünenlandschaft in Namibia mit ihrer exotischen Tierwelt.

Und auch diesmal freuen sie sich besonders darauf, die Fauna fremder Länder zu fotografieren. So wollen sie in Uganda an einem Gorilla-Trekking teilnehmen, nach Möglichkeit Galapagos besuchen und in Kanada auf Eisbär-Safari gehen.

Eventuell Tibet und Mongolei

Vielleicht werden sie dann auch noch einige Länder Asiens besuchen – Favoriten wären dann Tibet und die Wüste Gobi in der Mongolei. Sicher ist, dass sie unterwegs die städtischen Zentren nach Möglichkeit meiden wollen. «Uns zieht es aufs Land», sagt der 31jährige Ueli Würth. Nachdem Studium und Beruf die beiden nach Zürich und Winterthur führten, hätten sie sich inzwischen lange genug in der Stadt aufgehalten.

Deshalb sei von Planungsbeginn an klar gewesen, dass sie nicht im Flugzeug von Zentrum zu Zentrum reisen, sondern mit dem eigenen Auto die verschiedenen Länder durchqueren wollten. Das «zweitwichtigste Hobby», wie sie sagen, ist das Fotografieren. Aus diesem Grund besteht ein beachtlicher Teil der mitgeführten Ausrüstung aus Kameramaterial. «Wir möchten unterwegs so unabhängig wie möglich sein», sagt Ueli Würth. Darum werden sie in ihrem Geländewagen wohnen und kochen, nächtigen werden sie im Zelt unterm Hubdach.

«Wäre ich Automechaniker und meine Frau Krankenschwester, wären die Voraussetzungen für eine so lange Reise im Auto optimal», meint Ueli Würth mit einem Lachen. Tatsächlich ist er Tonmeister bei Radio SRF, sie studierte Biologie und war bis vor kurzem bei einem Pharmaunternehmen angestellt. «Beides bringt für eine solche Reise überhaupt nichts an Know-how», sagt Ueli Würth.

Hürde: Arabische Schrift

Die modernen Kommunikationsmöglichkeiten werden sie auf ihrer Reise nutzen. Dank Satellitentelefon können sie jederzeit in Verbindung bleiben. Wann immer möglich werden sie ihre Internetseite mit Bildern und Texten ergänzen, so dass die Daheimgebliebenen die Reise miterleben können. Aber auch an die Verständigung vor Ort haben sie gedacht: «Wir werden uns in den meisten Ländern auf Englisch oder Französisch verständigen können.» Eine Hürde stellt die Schrift in den arabischsprachigen Ländern dar. «Wenn man die Zahlen kennt, kommt man durch» haben ihnen erfahrene Reisende berichtet.

Die Idee zur Weltreise im Geländewagen entstand vor drei Jahren – in wenigen Tagen fahren die beiden los. Zunächst wollen sie die Osttürkei innerhalb von zwei Wochen erreichen.


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