Nur die Kosten sind high

HERISAU ⋅ Die Werkerei 12 schliesst. Das Ladenlokal wird aber nicht leer bleiben. Künftig werden dort Hanfprodukte verkauft.
21. April 2017, 05:20
Elias Eggenberger
Innert kürzester Zeit hat der Handel mit THC-armem Cannabis zugenommen. Im ­August 2016 eröffnete der erste Shop in Zürich, mittlerweile gibt es verschiedene Ladenketten, die Shops in der ganzen Schweiz betreiben. Bald auch in Herisau: An der Kasernenstrasse 12 soll ein Hanfshop entstehen. Betrieben wird dieser von der Kette Swiss Cannabis. Hanftheke werden die Läden der Swiss Cannabis SA genannt. Davon gibt es schweizweit sieben. Doch damit nicht genug: «Geplant sind weitere Eröffnungen in der Schweiz», sagt Gabriela Piredda, künftige Geschäftsführerin der Hanftheke in Herisau.

Green Passion, ein weiterer Cannabis-Händler, betreibt eine Filiale in St. Gallen. «Unsere Kunden sind überraschenderweise nicht die 18- bis 25-Jährigen», sagt die Geschäftsführerin Agi Petrova. Diese würden das THC-arme Cannabis nicht vermögen. Stattdessen sind knapp die Hälfte aller Kunden rund 30 Jahre alt. Petrova prangert das Gesetz an. Auf Hanfprodukte müssen Tabaksteuern bezahlt werden, mit der Mehrwertsteuer werden die Produkte zu 33 Prozent besteuert. Junge Kunden werden davon abgeschreckt. «Die Jungen kommen zu uns ins Geschäft, schauen auf die Preise und schütteln den Kopf», sagt ­Petrova. Auf dem Schwarzmarkt bekomme man das THC-haltige Cannabis billiger. Für die illegale Droge bezahlt man zwischen 8 und 10 Franken pro Gramm, das CBD kostet aufgrund der Besteuerung 10 bis 16 Franken pro Gramm. Dazu komme, dass CBD keine berauschende Wirkung habe und deshalb nicht auf den gewünschten Anklang bei den Jugendlichen stosse. Petrova findet, dass der Fehler beim Gesetzgeber liegt. Cannabis mit dem Wirkstoff CBD hätte das Potenzial, den Schwarzmarkt einzudämmen und die Jugendlichen vor den psychischen Schäden, die das THC verursacht, zu schützen. Doch durch die hohe Besteuerung kämen die Jungen gar nicht auf die Idee, das Canabidiol zu probieren. Experten erwarten, dass CBD weiter an Popularität gewinnen und bis zu zehn Prozent des Schwarzmarkts ersetzen wird. Die Geschäftsleitung der Green Passion ist überzeugt, dass durch eine Anpassung der Besteuerung mehr erreicht werden könnte.

Gabriela Piredda sieht das Potenzial in der grossen Vielzahl der Produkte, die im Laden angeboten werden. «Cannabis ist eine Pflanze, die als Droge in Verruf geraten ist, trotz grosser medizinischer Wirksamkeit», sagt sie. Von Textilien bis Heilmittel könne man fast alles herstellen aus Cannabis. Sogar für Nahrungsergänzungsmittel und kosme­tische Produkte könne Cannabis verwendet werden. Piredda freut sich, mit der Hanftheke einen einzigartigen Shop führen zu dürfen. Eröffnet wird der Cannabisshop in Herisau am 1. Mai um 12 Uhr mit einem kleinen Apéro.


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