«Ich will Teil der Lösung sein»

HERISAU. Noma ist eine bakterielle Infektion, die Kindern in ländlichen Gebieten Afrikas das Gesicht zerfrisst. Astrid Bergundthal hat mit Hilfe des Rotary-Clubs Appenzell Geld für einen Hilfseinsatz gesammelt. Ende Oktober reist sie mit einem Ärzteteam nach Burkina Faso.
02. September 2014, 02:37
MICHAEL GENOVA

Zurzeit arbeitet Astrid Bergundthal vier Abende pro Woche für ihr Hilfsprojekt. Ende Oktober ist es so weit: Dann reist sie mit einem Ärzteteam nach Burkina Faso. Dort werden sie während zwei Wochen in einem Spital im Nordwesten des Landes Kindern und jungen Erwachsenen ein neues Gesicht schenken. Die Patienten sind Opfer von Noma, einer schweren bakteriellen Infektion, bei der Gesichtsgewebe innert Monaten abstirbt.

80 000 Franken gesammelt

«Ich wollte mehr machen als nur Geld spenden», sagt die ehemalige technische Operationsfachfrau, die Mitglied beim Rotary-Club Appenzell ist. Vor einem Jahr erhielt dieser eine Anfrage der Noma-Hilfe Schweiz. Viele seien schockiert, wenn sie zum ersten Mal Bilder von Noma-Patienten sähen, sagt Astrid Bergundthal. «Ich habe gleich über eine Lösung nachgedacht, wie man ihre Gesichter wieder herstellen kann.» Sie entschloss sich, ihr bevorstehendes Präsidialjahr dem Thema Noma zu widmen. Mit einem Team des Rotary-Clubs begann sie, Spenden zu sammeln. Dank eines Lottoabends und eines Golfturniers sind bislang 80 000 Franken zusammengekommen. Diese Woche finden zum Abschluss zwei Benefizkonzerte des St. Galler Jazzpianisten Claude Diallo statt – eines davon an der Kantonsschule Trogen.

Das ursprüngliche Ziel von 50 000 Franken hat Astrid Bergundthal mit ihrem Team ohne Mühe erreicht. Das schwierigste sei jedoch nicht das Geldsammeln, sondern die Organisation in Afrika. «Manchmal braucht es viel Geduld und es ist schwierig, die Nerven zu behalten.» Es gebe keinen Tag, an dem sie nicht hin- und hergerissen sei, so die 50-Jährige.

Das Problem angepackt

Nach ihrer Motivation gefragt, muss Astrid Bergundthal nicht lange überlegen: «Ich hatte immer Glück im Leben und wollte etwas zurückgeben.» Die Macherin ist es gewohnt, Schwierigkeiten anzupacken. Auch angesichts von Noma wollte sie sich nicht damit begnügen, betroffen zu sein. «Ich will Teil der Lösung sein», so Bergundthal. Bei der Organisation helfen ihr die langjährige Erfahrung im Gesundheitsbereich und ihre Kontakte zu Fachleuten. Heute leitet sie die medizinisch-technisch-therapeutischen Bereiche des Spitals Herisau. Ihr Schweizer Hilfsteam wird gut 20 Personen umfassen: darunter plastische Chirurgen, Anästhesisten, ein Kinderarzt und OP-Schwestern.

Als Vorbereitung reiste Bergundthal im vergangenen Herbst mit einem Ärzteteam ein erstes Mal nach Burkina Faso. Eine Begegnung ist ihr in Erinnerung geblieben: «Nach einem langen Arbeitstag im Spital kam ein Einheimischer auf mich zu und bedankte sich spontan für unsere Arbeit.»

Benefizkonzert «Noma» mit Claude Diallo, Do, 4. September, 19.30 Uhr, Aula der Kantonsschule Trogen.

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