Mirena Küng will es wissen

SKISPORT. Die Innerrhoder Skirennfahrerin Mirena Küng ist letzte Saison ihrem Traum nahe gekommen. In St. Moritz bestritt sie bei der Weltcup-Abfahrt das Training. Die 22-Jährige setzt in diesem Jahr zum Sprung in das nationale Kader an.
21. Mai 2010, 01:01
David Scarano

Beim letzten Rennen vor den Olympischen Winterspielen Ende Januar in St. Moritz ist der Traum zum Greifen nahe. Mirena Küng darf bei der Weltcup-Abfahrt im Training starten. Die Innerrhoderin schlägt sich wacker. Sie wird im ersten Trainingslauf gute 39. Doch eigentlich müsste sie weiter vorne klassiert sein. Zieht man die Fahrerinnen ab, die Torfehler begangenen haben, dürfte Mirena Küng 27. gewesen sein. «Nicht schlecht», sagt sie über ihre Leistung. Doch für einen Start im Weltcup-Rennen nicht gut genug.

Der Verband entscheidet sich für Rabea Grand. Mirena Küng muss zuschauen. St. Moritz ist ein Stück weit beispielhaft für die Saison der Innerrhoderin. Sie zeigt gesamthaft gute Leistungen, doch zuweilen fehlt etwas das Glück.

Elfte im Europacup

Mirena Küng ging in der letzten Saison in den Speed-Disziplinen im Europacup an den Start. Beste Resultate waren die elften Ränge im Super G im spanischen Formigal und bei der Abfahrt in St. Moritz. Dank dieser Rangierung durfte sie auch am Weltcup-Training teilnehmen.

In der Schlussrangliste im Europacup belegte sie in der Abfahrt den 35. Platz, im Super G den 21. Eine bessere Klassierung vergab sie wegen einer Blessur gegen Ende der Meisterschaft. Bei einem Sturz im Training zog sie sich eine schmerzhafte Schuhrandprellung zu. Diese hinderte sie aber nicht daran, an den Schweizer Meisterschaften teilzunehmen. «Ich wollte unbedingt dabei sein. Ich habe alles versucht», sagt sie. Sie ging in die Physiotherapie, verzichtete auf die Besichtigungsfahrt.

Trotz Behinderung und nicht optimalen Laufs wurde sie in der Abfahrt Sechste, drei Hundertstel hinter Nadia Styger. Das Resultat erregte Aufsehen: Mirena Küng war mit Abstand die beste Fahrerin, die nicht Mitglied des nationalen Kaders von Swiss-Ski war. Die nächste folgte auf Rang 23.

Zeigen, was sie drauf hat

Die Schweizer Meisterschaften waren Mirena Küng deshalb so wichtig, weil sie sich bei den Verbandstrainern empfehlen wollte. Die Innerrhoderin fährt für den Bündner Skiverband.

Die Kosten für die Rennen und Trainings muss sie selber tragen. Das Geld verdient sie sich als Mitglied der Musikformation Geschwister Küng sowie als Teilzeitangestellte des Zentrums für Volksmusik in Gonten. Als Mitglied des Swiss-Ski-Kaders würde sie nicht nur von besseren Trainingsbedingungen profitieren, sondern müsste auch nicht mehr für die Kosten selber aufkommen.

Die Ziele für die kommende Saison sind für Mirena Küng deshalb klar: «Ich will im Weltcup starten und den Sprung ins Swiss-Ski-Kader schaffen», sagt sie. Dazu muss sie zu Beginn der Saison im Europacup mit guten Leistungen brillieren. In der Vorbereitung wird sie erneut an ihrer Kondition arbeiten, in der sie in den letzten Jahren schon grosse Fortschritte erzielt hat. Als weiteres Ziel nennt die Appenzellerin die Universiade 2011 im türkischen Erzurum. Dort will sie das gute Resultat von 2009 bestätigen.

In der Abfahrt im chinesischen Shenzhen gewann sie hinter Tamara Wolf die Silbermedaille.

Zeit drängt

Mit 22 Jahren ist Mirena Küng für eine Nachwuchsfahrerin schon recht alt. Ihr fehlen die drei Jahre zwischen 2005 und 2008, in denen sie wegen des Schulabschlusses am Gymnasium St. Antonius pausiert hatte. Die Innerrhoderin weiss, die Zeit drängt langsam. Will sie im Skisport Karriere machen, muss sie bald den Sprung ins nationale Kader schaffen. «Dieses Jahr könnte das entscheidende sein», sagt sie.


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