Küngs wichtigstes Rennen

SKI ALPIN. Mirena Küng gehört keinem Kader an, trotzdem startet sie in dieser Saison regelmässig im Ski-Weltcup. Das Augenmerk gilt jedoch dem Europa-Cup. Diesen Donnerstag bestreitet die Innerrhoderin ihre wichtigste Abfahrt der Karriere.
13. März 2012, 07:16
DAVID SCARANO

Kurz vor der Abreise nach Italien lässt sich Mirena Küng im heimischen Appenzell fast nichts anmerken. Sie lacht viel, gibt sich zuversichtlich. «Ich bin nicht nervös», sagt sie. Diesen Donnerstag findet in Pila im italienischen Aostatal die letzte Abfahrt des Europa-Cups dieser Saison statt. Für die 23jährige Innerrhoderin ist es das bedeutendste Rennen ihrer noch jungen Karriere. Die Skirennfahrerin muss 15 Punkte auf ihre direkte Konkurrentin, die Französin, Jennifer Piot, gutmachen, um diese vom dritten Rang in der Spezialwertung zu verdrängen.

Der dritte Schlussrang im Abfahrt-Europa-Cup entscheidet über Mirena Küngs unmittelbare Zukunft im Swiss-Ski-Kader. Schafft sie den Podestplatz, qualifiziert sie sich definitiv für das A-Kader des Verbandes. Das Mitglied des Skiclubs Steinegg hätte dann einen fixen Startplatz im Weltcup. Sie wäre nicht mehr wie in dieser Saison auf den Goodwill der Trainer angewiesen. «Ich würde ein wichtiges Karriereziel erreichen», sagt die Innerrhoderin.

Kleine Sensation

Die Selektion für das A-Kader käme einer kleinen sportlichen Sensation gleich. Nur die wenigsten glaubten daran, dass Mirena Küng nach so einer lange Pause den Anschluss an die nationale Spitze schaffen könnte. Mit 15 Jahren musste sie die Sportkarriere (vorläufig) abbrechen. Um ins Juniorenkader des Verbandes wechseln zu können, hätte sie ein Sportgymnasium besuchen müssen. Der Kanton übernahm jedoch das Schulgeld nicht.

Nach erfolgreicher Matur am Gymnasium in Appenzell lancierte sie 19jährig die Karriere jedoch neu, auf eigene Kosten. Das Material und die Trainings zahlte sie aus dem eigenen Ersparten, das sie sich als Mitglied der Musikformation Geschwister Küng erspielte. Bald machte sie auch als Skirennfahrerin positiv auf sich aufmerksam. Die Speed-Spezialistin holte unter anderem an der Universiade 2009 Silber in der Abfahrt. In der letzten Saison bestritt sie ihr erstes Weltcup-Rennen. In Tarvisio wurde sie in der Abfahrt auf Anhieb 39., in der Superkombination gar 31.

Den Trainern dankbar

Die guten Leistungen blieben nicht unbemerkt. Obwohl sie keinem Kader angehört, durfte Mirena Küng in der aktuellen Saison mit der Schweizer Nationalmannschaft die Vorbereitung bestreiten, mittrainieren und an diversen Weltcup-Rennen teilnehmen. Sie weiss, wem sie die unverhoffte Möglichkeit zu verdanken hat. Sie will sich deshalb nicht zum Streit im Schweizer Frauenteam äussern, der zur Entlassung von Trainer Stefan Abplanalp geführt hat. Einerseits sei sie am besagten Rennen in Sotschi nicht anwesend gewesen, andererseits habe sie sowohl mit Cheftrainer Mauro Pini wie auch mit Stefan Abplanalp sehr gut zusammen gearbeitet. «Beide Trainer haben mich immer gefördert», sagt sie.

Rückstand verkleinert

Mit Begeisterung spricht Mirena Küng von ihrem ersten Jahr bei den «Grossen». «Für mich ist es eine Riesenchance, mit den Besten der Welt trainieren zu können», sagt sie. Fast täglich kann sie sich mit Spitzenathletinnen wie Dominique Gisin oder Tina Weirather messen, die als Liechtensteinerin mit dem Schweizer Speedteam trainiert.

Das professionelle Umfeld zeigt Wirkung. «Der Rückstand zur Spitze ist viel kleiner geworden», sagt Mirena Küng. Für Aufsehen sorgte ihr 15. Trainingsplatz in der Welt-Cup-Abfahrt in St. Moritz, im Rennen erzielte sie den guten 23. Rang.

Obwohl sie regelmässig im Welt-Cup zum Einsatz kam, gilt Mirena Küngs Augenmerk in dieser Saison dem Europa-Cup. Mitte Januar gewann sie in Bad Kleinkirchheim ihre erste Abfahrt. Diesen Donnerstag kann sie nun ihre gute Saison krönen. Auch wenn sie den dritten Rang nicht schaffen sollte, für Mirena Küng ist klar: «Die Welt geht nicht unter. Ich werde weiterhin Rennen fahren.»


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