Küng kämpft um Kaderplatz

Die Innerrhoder Speedspezialistin Mirena Küng steht vor der Saison der Bestätigung. Sie muss mindestens 30. im Disziplinen-Weltcup werden, um im A-Kader zu bleiben. Ihre Profi-Karriere begann jedoch mit einer Schrecksekunde.
13. November 2012, 01:36
DAVID SCARANO

SKI ALPIN. Fast wäre Mirena Küngs erste Saison als Profi bereits am 26. Oktober zu Ende gegangen: Beim Training auf dem österreichischen Stubai-Gletscher stürzte sie schwer. So schwer, dass die Trainer meinten, das Knie sei «komplett kaputt gegangen». «Ich hatte Riesenglück», sagt die Innerrhoderin. Die Untersuchung im Spital zeigte: Die Speedspezialistin hatte sich «nur» eine Kapselzerrung zugezogen. Diese war nach sieben Tagen abgeklungen. So konnte sie wie geplant mit dem Schweizer Frauenskiteam vor einer Woche nach Denver, Colorado, abfliegen.

In den USA bereiten sich die Schweizerinnen seither auf den Saisonstart in den Speeddisziplinen vor. Am 30. November und am 1. Dezember stehen die beiden Abfahrten in Lake Louise an, am 2. Dezember folgt an gleicher Stelle der Super-G. Die 24jährige Appenzellerin nimmt die Saison mit grösserer Selbstsicherheit als im Vorjahr in Angriff. Dank des dritten Schlussranges im Abfahrt-Europacup gehört sie seit Frühling offiziell zum A-Kader. Vergangene Saison war sie nur «geduldet» gewesen, das heisst, sie durfte als Kaderlose mittrainieren. «Der neue Status macht vieles einfacher. Ich bin kein Spezialfall mehr», sagt Mirena Küng.

Neuer Druck

Mit der Qualifikation für das A-Kader vollendete die Appenzellerin ihr wundersames Comeback: Mirena Küng gelang es, eine vierjährige Karrierepause und eine daraus resultierende Skepsis im Umfeld zu überwinden. Der Druck, den Lebenstraum zu erreichen, ist gewichen. An seine Stelle tritt nun der Druck, sich zu bestätigen. «Den Startplatz in der Abfahrt habe ich auf sicher», sagt sie. Will sie aber nächste Saison weiterhin im A-Kader fahren, muss sie in einer der beiden Disziplinen-Gesamtwertungen mindestens 30. werden. Eine zweite Möglichkeit bietet der Europacup. Wird sie dort am Ende der Saison Dritte, hat sie ihren Status ebenfalls auf sicher. «Gemeinsam mit den Trainern schauen wir zunächst, wie es im Weltcup läuft», so die Skirennfahrerin. Harzt es, wird der EC aktuell. Doppeleinsätze sind nicht auszuschliessen.

«Wo stehe ich?»

Mirena Küng nimmt die Weltcup-Abfahrten und Super-G in Lake Louise nach der Startnummer 35 in Angriff. Je besser die Resultate im Lauf der Saison sind, umso besser wird auch ihr Startplatz. Wo sie leistungsmässig genau steht, weiss sie nicht. «Wir hatten keine internationalen Vergleiche», sagt sie. Die Trainingsresultate mit der Schweizer Nationalmannschaft lassen sie aber hoffen. Im Vergleich zur letzten Saison sei «einiges gegangen», sagt Küng. Sie hat den Rückstand auf die Schweizer Top-Leute verkleinert. Gegen Gisin, Aufdenblatten und Co. verlor sie zuweilen nur eine halbe Sekunde. Zu den Stärken der Innerrhoderin zählen der Mut, die Physis und das Gleitvermögen. Entwicklungsmöglichkeiten sieht sie in der Kurventechnik. Zudem fehlen ihr Konstanz und Erfahrungen. Die fehlende Routine macht sich vor allem in den Rennen bemerkbar. Die meisten Pisten kennt sie nur von den Fernsehübertragungen.

WM kein Thema

In dieser Saison finden in Schladming die Weltmeisterschaften statt. Gedanken an eine Selektion verschwendet Mirena Küng aber nicht. Ihr Augenmerk gilt ganz dem Weltcup und ihrem einzigen Saisonziel: «Ich will unter die ersten dreissig im Super-G oder in der Abfahrt.»


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