Polit-Potpourri mit Farbtönen
Der heisse Stuhl kam erstmals zum Einsatz. Moderator Roger Fuchs (rechts) fühlt Samuel Büechi auf den Zahn. (Bild: Martina Basista)
TEUFEN. Das Gastspiel der Wahlpodien im Mittelland verläuft animiert. Bei vielen Ähnlichkeiten der drei bürgerlichen Kandidaten sind auch Nuancen und Charakterunterschiede auszumachen. Der grüne Aussenseiter belebt die Szenerie vorteilhaft.
Hanspeter Strebel
Teufen. Exakt einen Monat vor dem Showdown am Wahltag trafen am Freitagabend im «Linden»- Saal die Protagonisten für die Besetzung des je einzigen Ausserrhoder National- und Ständeratssitzes auf Einladung der Appenzeller Zeitung zum zweiten Mal aufeinander. Dabei hatten sie bereits eine strenge Woche mit Auftritten vor Lesegesellschaften bis Kantonsschülern hinter sich, zeigten sich aber durchaus noch munter, frisch und angriffig. Gegenüber der Premiere in Heiden hatten die Organisatoren dem bewährten Muster ein paar Änderungen verpasst wie Stehpulte statt der Aufreihung am Tisch und einen «heissen Stuhl» für die wohl heikelsten Fragen des Moderators Roger Fuchs. Dem Redaktor der Appenzeller Zeitung gelang es, von Anfang an eine unterhaltsam und dennoch bei der Sache bleibende, wenn auch leicht hektische Atmosphäre zu schaffen, die das knapp 100 Personen starke Publikum sichtlich bei der Stange hielt, obwohl es den Kandidaten kaum gelungen sein dürfte, einen Meinungsumschwung herbeizuführen, liessen sich doch die meisten Gäste klar einem politischen Lager zuordnen.
Stellungnahme zu Vorwürfen
Nach dem Auftakt mit dem designierten Ständeratspräsidenten Hans Altherr (vgl. untenstehenden Artikel) konnten sich die Nationalrats-Papabili zunächst zu in Leserbriefen und Gesprächen häufig gestellten Fragen äussern. FDP-Kandidat Andrea Caroni versicherte, seine politische Erfahrung sei mit der kommunalen Ebene und dem Engagement bei Bundesrat Hans-Rudolf Merz trotz seines jugendlichen Alters durchaus respektabel, und er sehe keinen Grund, weshalb er sein Netzwerk nicht auf Bundesebene weiter nutzen solle, statt zunächst ein Amt im Kanton anzustreben. Sein Nachdiplomstudium in Amerika erfordere nur noch eine kurze Auslandabwesenheit und sei im Frühling ohnehin beendet. Max Nadig (CVP) wurde auf seine dreimaligen Niederlagen bei Wahlgängen (was auch schon mit «Verlierer-Image» gleichgesetzt wurde) angesprochen. Er habe dabei durchaus positive Erfahrungen gemacht, betonte Nadig, sei er doch jedesmal weit über dem gängigen Wähleranteil seiner Partei geblieben, die im Vergleich zu anderen Kantonen hierzulande halt nach wie vor nicht zu den «Grossmächten» gehöre.
Mit zwei «Pferdefüssen» scheint Köbi Frei konfrontiert. Einerseits hat die SVP-Zentrale erklärt, sie wolle vor allem im Stöckli zulegen, er kandidiere also für die falsche Kammer, zum anderen führt das zumindest vorübergehende Doppelmandat mit dem Regierungsamt zu Diskussionen. Die Ausserrhoder SVP und er als Person seien durchaus eigenständig: «Ein Appenzeller hat sich noch nie von einem Zürcher etwas befehlen lassen», liess Frei verlauten. Zum anderen wolle er gewisse Dossiers im Kanton noch zu Ende führen – «bis Mai 2013». Und im übrigen sei das Ganze «eine Organisationsfrage». Als Gegenkandidat Andrea Caroni das Thema später nochmals aufgriff und Ständerat Hans Altherr auf Widersprüche zu früheren Aussagen und der SVP-Haltung bei seiner eigenen Wahl in einer ähnlichen Position verwies, zeigte sich Frei sichtlich gereizt und sprach von einer «parteipolitischen Inszenierung, die mir langsam stinkt».
Gral-Kandidat Samuel Büechi zeigte sich nicht erstaunt, keine Fan-Leserbriefe in der Appenzeller Zeitung zu finden. Mangels eines Abos würde er sie auch gar nicht sehen. Seine Gruppierung sei mit 20 Personen zwar klein, doch finde er als «Querdenker und Quereinsteiger» durchaus Sukkurs, auch wenn seine Wahlchancen wohl gering sein dürften, wie er schmunzelnd einräumte.
Einig für Personenfreizügigkeit
Mit parlamentarischen Vorstössen wollen alle vier Kandidaten im Falle einer Wahl zurückhaltend umgehen. Lieber würden sie ihren Anliegen auf anderem Weg Gehör verschaffen, als die Verwaltung zu beschäftigen. Längere Zeit befassten sich die Kandidaten mit dem Thema Personenfreizügigkeit, waren aber in den Grundzügen einig, dass die Schweiz und insbesondere die Wirtschaft davon profitiere – in Abweichung seiner Haltung zur Partei auch SVP-Kandidat Köbi Frei. Für Samuel Büechi ist die offizielle Haltung der SVP zur Migration «Angstmarketing», mit der man immer wieder zu punkten suche.
Beim Thema Landwirtschaft sehen die Kandidaten eher düster, was die Zukunft vor dem Hintergrund des Agrarfreihandels betrifft. Bildung ist für Caroni «die beste Sozialpolitik», während Köbi Frei den dualen Weg lobte.
Aus für Widmer-Schlumpf
In der Diskussion zu weiteren aktuellen Fragen erklärten sich alle Podiumsteilnehmer überzeugt, dass es Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf trotz guter Erledigung des Jobs schwer haben werde, weil die arithmetische Konkordanz der BDP kaum einen Platz in der Regierung gebe.
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