Direkte Links und Access Keys:

Tagblatt Online, 17. Januar 2012 15:48:00

Igor Tadic: «Mein Vater wäre stolz auf mich»

Zoom

Will seine Chance in St.Gallen packen: Kriens-Topskorer Igor Tadic. (Bild: Roger Zbinden/Neue Luzerner Zeitung)

FUSSBALL. Am liebsten würde Torjäger Igor Tadic per sofort zum FC St.Gallen wechseln. Doch selbst wenn er noch bis im Sommer in Kriens bleiben muss: Mit seinem ersten Profivertrag hat er sich einen Traum erfüllt.

Daniel Walt

Wenn Toreschiessen nur immer so einfach wäre: «Vor dieser Saison machte ich mir keine Gedanken über Ziele oder die Anzahl Treffer, die ich erzielen wollte. Ich nahm mir einzig vor, Spiel für Spiel anzugehen», lacht Igor Tadic, Stürmer des SC Kriens. Das Resultat ist bekannt: 14 Tore in der Meisterschaft, sechs im Cup. Und Interessenten, die fast schon Schlange standen, um den Führenden im Torschützenklassement der Challenge League ab dem kommenden Sommer unter Vertrag zu nehmen. Das Rennen machte schliesslich der FC St.Gallen, der sich seit längerem um Tadic bemühte (unsere Zeitung vom Samstag).

«Ich wollte einfach Fussball spielen»
Dass Igor Tadic seinen ersten Profivertrag erst im Alter von 25 Jahren unterzeichnet hat, deutet auf eine Karriere hin, die nicht frei von Umwegen war. Alles begann, als Tadic Anfang der 1990er-Jahre als Vierjähriger in die Schweiz zu seinen Eltern kam – vorher hatte er bei den Grosseltern in Serbien gelebt. Sein Vater schrieb ihn beim SC Steinhausen ZG ein, um ihm eine sportliche Betätigung zu ermöglichen. Tadic durchlief dort die Juniorenabteilungen. An eine Profikarriere dachte er vorerst nicht: «Ich wollte einfach Fussball spielen», blickt Tadic zurück. Nach und nach spürte er aber, dass er nichts lieber tat, als dem runden Leder nachzujagen. Und so begann er, die Fragen der Lehrer nach seinem Berufswunsch wie folgt zu beantworten: «Ich will Fussballer werden!» 

Der Rat des Vaters
Einen herben Rückschlag musste Igor Tadic einstecken, als der SC Kriens ihn als zu schwach für sein U18-Team taxierte. Tadic hängte seine Fussballschuhe aber nicht an den Nagel, sondern ging zurück in die 3. Liga, um den Sprung in eine höhere Spielklasse kurz später doch zu schaffen: Er ging zu Zug 94 in die 1. Liga. Als schliesslich der damalige Kriens-Trainer Maurizio Jacobacci auf ihn aufmerksam wurde, nahm Igor Tadics Karriere richtig Fahrt auf: Er schaffte mit dem Team den Aufstieg in die Challenge League und reifte zum Torjäger heran. Parallel dazu arbeitete er stets als Bauspengler bei seinem Lehrbetrieb in Cham. Rückblickend sagt Tadic: «Ich habe einen anderen Weg genommen, aber dasselbe Ziel verfolgt wie viele junge Fussballer.» Unterstützung genoss er dabei von seiner Familie, insbesondere seinem Vater. «Als ich das zweite Mal zu Kriens kam, sagte er zu mir, ich solle jetzt einfach ruhig weiterarbeiten und mein Bestes geben», erinnert sich Tadic. Er befolgte den Rat. Und denkt jetzt, wo er den Sprung zum Profi geschafft hat, speziell an seinen Vater, der vor eineinhalb Jahren an Krebs starb: «Er wäre stolz auf mich», sagt Igor Tadic.

Vorfreude auf St.Gallen
Welche Begriffe verbindet der verheiratete Igor Tadic mit dem FC St.Gallen? «Hier lebt der Fussball, es gibt eine tolle Fankultur, und das Team spielt nach vorne», antwortet er. Er macht keinen Hehl daraus, dass er am liebsten per sofort in die Ostschweiz wechseln würde. «Ich verstehe aber, dass mich Kriens nicht vorzeitig ziehen lassen will», so Tadic, der seine künftigen St.Galler Teamkollegen im Direktduell im Frühling bei sich bietender Gelegenheit nicht schonen will: «Es wäre ja auffällig, wenn ich plötzlich das leere Tor nicht treffen würde», lacht er. Gedanken, in St.Gallen als aktueller Challenge-League-Toptorjäger an zu hohen Erwartungen zu scheitern, macht er sich nicht. «Ich mache mir keinen Druck. Ich will einfach mein Bestes geben», sagt er. Da ist er wieder, der Rat seines Vaters. Und funktioniert sein Geheimrezept weiterhin, dürfen sich die St.Galler Fans auf viele Tore von Igor Tadic freuen.
 

«Ein rundum guter Typ»

Jochen Dries, Trainer des SC Kriens, bedauert den bevorstehenden Wechsel seines treffsichersten Stürmers nach St.Gallen. «Ich freue mich aber für ihn und wünsche dem Club, dass Igor Tadic ihm so hilft, wie er das bei uns vorderhand noch tun wird», sagt er. Er sei gespannt, wie weit es Tadic noch bringen könne, sagt Dries und lobt ihn als technisch beschlagenen Stürmer, der auch für die anderen arbeite und sich die Bälle hole. «Zudem bekommt Igor Tadic vom Fussball nie genug – nach dem Training probiert er immer noch selbst Dinge aus», sagt Dries.

Zoom

Jochen Dries. (Bild: Key)

Zoom

Peter Gisler. (Bild: pd)

Auch Peter Gisler, Juniorchef der Paul Gisler AG, bei der Igor Tadic noch Teilzeit als Bauspengler arbeitet , ist des Lobes voll über den 25-Jährigen. «Er ist pflichtbewusst, kollegial – ein rundum guter Typ, den wir sehr ungerne gehen lassen.» Sein Weggang sei aber absehbar gewesen - «man merkte, dass er es darauf anlegte, irgendwann Profifussballer zu werden», so Gisler. Er wünscht Igor Tadic viele Tore in St.Gallen und vermutet, dass der eine oder andere Arbeitskollege von ihm hie und da den Weg an ein Spiel nach St.Gallen finden wird. (dwa)


Lade TED
 
Ted wird geladen, bitte warten...
 







Leser-Kommentare:
keine


Zu diesem Artikel sind keine Beiträge vorhanden.

Kommentar schreiben

Um Beiträge schreiben zu können, müssen Sie eingeloggt sein!

Um Inhalte kommentieren zu können, müssen Sie eingeloggt sein.

Noch keinen Zugang? Jetzt kostenlos registrieren!

Anzeige:

Anzeige:

Anzeige:

tagblatt.ch / ipad

iPad und E-Paper

facebook.com / tagblatt

 ...

Anzeige: