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Tagblatt Online, 14. Oktober 2011 10:00:00

«St.Gallen ist kein Geschenk»

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«Das Spiel gegen St.Gallen wird für uns zum Charaktertest»: Bernard Challandes. (Bild: Keystone)

FUSSBALL. Am Sonntag gastiert der FC Thun im Sechzehntelfinal des Cups in St.Gallen. Thuns Trainer Bernard Challandes erklärt, weshalb für ihn das unterklassige St.Gallen Favorit ist.

Herr Challandes, was haben Sie gedacht, als dem FC Thun der FC St.Gallen zugelost wurde?
Bernard Challandes: Das war natürlich alles andere als ein Geschenk für uns. Wir müssen in St.Gallen eine Top-Leistung abliefern, sonst reicht es nicht.

Aber Thun ist in der Super League und somit der Favorit.
Challandes: Das sehe ich nicht so. Wir spielen auswärts gegen einen starken Gegner. Sicher müssen wir zeigen, dass wir die oberklassige Mannschaft sind. Aber der FC St.Gallen ist in meinen Augen kein Challenge-League-Team. Daher nochmals: Eine mittelmässige Leistung genügt uns am Sonntag nicht.

Das klingt beinahe ängstlich.
Challandes: Angst ist es nicht gerade. Aber ich habe grossen Respekt vor dem FC St.Gallen. Ich erwarte daher ein ganz spannendes Cupspiel.

Wo sehen Sie die grösste Stärke im Spiel der St.Galler?
Challandes: St.Gallen tritt sehr kompakt auf. In der Abwehr steht die Mannschaft gut, im Mittelfeld agiert sie solid und in der Offensive ist sie gefährlich und mit vielen Möglichkeiten. Zudem verfügt das Team über einige Akteure, die ein Spiel alleine entscheiden können. Und eines ist ganz wichtig: St.Gallen hat in dieser Saison fast alle Spiele gewonnen, das Team hat dadurch grosses Vertrauen in die eigene Stärke.

Ihrer Mannschaft ist dieses Vertrauen nach einem guten Saisonstart zuletzt verloren gegangen.
Challandes: Das ist richtig. Wir sind sehr gut gestartet, waren sogar Leader der Super League. Als Trainer wünscht man sich einen solchen Start, ein wenig überrascht war ich aber schon. Mit den Siegen in der Qualifikation zur Europa League haben wir zusätzliches Selbstvertrauen gewonnen. Zuletzt sind wir aber in ein Loch gefallen. Das hatte auch damit zu tun, dass einige wichtige Spieler wie Stipe Matic oder Mauro Lustrinelli wegen der zahlreichen Partien verletzt waren. Deshalb sind wir in der Meisterschaft nun etwas zurückgefallen. Im Fussball geht es halt manchmal sehr schnell.

Welche Bedeutung hat in dieser Situation der Cup?
Challandes: Eine grosse. Denn wir wissen, dass wir nicht Meister werden. Im Cup kann man aber immer etwas erreichen, auch Thun kann den Titel gewinnen. Jetzt ist es aber auch interessant zu sehen, wie die Mannschaft auf die Niederlagen reagiert. Das Spiel am Sonntag wird für uns daher auch zu einem Charaktertest. Ich hoffe natürlich auf ein positives Resultat.

Mit welcher Taktik wollen Sie dieses positive Resultat erreichen?
Challandes: Sicher ist es wichtig, dass wir in der Defensive gut stehen. Aber wenn man gewinnen will – und das muss man im Cup, um eine Runde weiterzukommen – sollte man auch etwas dafür tun. Wir werden also auch offensiv agieren. Ich passe unser Spielsystem ohnehin nie dem Gegner an, egal ob er Basel oder St.Gallen heisst.

Apropos Basel: Nach Thorsten Finks Abgang könnte es auf dem Schweizer Trainermarkt in Kürze zu Rotationen kommen. Auch Ihr Name fällt dabei.
Challandes: Ich habe diese Spekulationen auch gelesen, die Journalisten müssen ja etwas schreiben. Fakt ist: Ich wurde von keinem anderen Club kontaktiert.

Interview: Markus Zahnd



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