Neue Zürcher Zeitung, 22. Februar 2012 00:00:00
Vom Kitten der Scherben
Ski-Cheftrainer Mauro Pini redet
Mauro Pini (Bild: Keystone / Bieri)
reg. Der Cheftrainer hat ein kaputtes Handy, die Fahrerinnen werden dazu angehalten zu schweigen. Und trotzdem ist auch die jüngste Personalentscheidung bei Swiss Ski in kürzester Zeit zur Schlammschlacht ausgeartet.
reg. Der Cheftrainer hat ein kaputtes Handy, die Fahrerinnen werden dazu angehalten zu schweigen. Und trotzdem ist auch die jüngste Personalentscheidung bei Swiss Ski in kürzester Zeit zur Schlammschlacht ausgeartet. Da wirft einer dem anderen unverhohlen vor, zu tief in die Flasche zu gucken. Als der Frauen-Chef Mauro Pini endlich doch redet, sagt er: «Alkohol ist eine Problematik in unserem Sport. Alle Insider wissen das, und mir als Chef macht das Sorgen.» Ein Alkoholexzess soll den Ausschlag für die Freistellung von Abfahrtstrainer Stefan Abplanalp gegeben haben. Doch der Konflikt schwelte schon lange. «Ich bin seit zwei Jahren hier, und es hat sofort begonnen», sagt Pini, «ich habe dem ganzen Trainerstab meine Ideale und Regeln erklärt – alle wissen genau, wo die Grenzen sind.»
Diese Grenzen soll Abplanalp nicht respektiert haben. Deshalb wurde ihm ein Verweis erteilt, deshalb wurde er entlassen. Pini betont, dass die Verfehlungen des Trainers nicht nur ihn betroffen hätten, sondern auch die Verbandsführung. Das bestätigt der Swiss-Ski-Direktor Andreas Wenger, der sagt: «Die Direktion sprach den Entscheid aus, nicht Mauro Pini.» Der Grund dafür sei nicht in einem Machtkampf zwischen dem Chef und dem Disziplinentrainer zu sehen. Für Wenger steht deshalb auch fest: «Ob es mit Mauro weitergeht, ist derzeit absolut nicht die Frage, wir fahren gleich weiter. Ich glaube, dass die Athletinnen Profis genug sind. Dass eine Enttäuschung da ist, kann ich nachvollziehen.»
Diese Enttäuschung spürt auch Pini. Er könne begreifen, dass sich die Athletinnen nach dem Eklat in Sotschi hinter den langjährigen Trainer stellten, sagt er. Die Situation sei auch jetzt vor den Rennen in Bansko noch nicht einfach. Der Tessiner relativiert deshalb die Aussage des Verbandes, dass er die Verantwortung für das Abfahrtsteam übernehme. Er sei weiterhin der Chef. «Aber ich habe genügend gute Leute für die tägliche Arbeit auf der Piste.»
Man darf gespannt sein, ob und wie sich das Speed-Team wieder findet. Vor einem Jahr führte Pinis harte Linie dazu, dass im Slalom eine ganze Generation mit dem Sport aufhörte. Der Chef war überzeugt, nun nur noch mit wirklich motivierten Athletinnen zu arbeiten. Wirklich weiter ist er in dieser Disziplin aber nicht gekommen. Jetzt bricht der Konflikt bei den starken Abfahrerinnen auf. Der Chef verweist unverdrossen auf die Jugend und sagt: «Das Team hat ein hervorragendes Potenzial.»
- Artikel empfehlen:






Zu diesem Artikel sind keine Beiträge vorhanden.
Kommentar schreiben