NZZ Online, 08. Februar 2012 15:11:00
Ein allzu perfekter Ersatz
Xherdan Shaqiri darf sich im FC Bayern München beweisen – zuzutrauen ist ihm viel
Xherdan Shaqiri, hier im Jersey mit der Nummer zehn des U-21-Nationalteams (Juni 2011) (Bild: Reuters)
Die sich ankündigende Verpflichtung des Schweizer Ausnahmefussballers Xherdan Shaqiri durch den FC Bayern füllt im Kader der Münchner eine entscheidende Lücke. Als «Backup» für die Stars Ribéry und Robben dürfte der Basler aber nicht lange schmoren.
mon. Es ist so eine Sache mit den Fussballprofessionals. Droht ihnen im Kader zu viel Konkurrenz, klagen sie über vermeintlich mangelndes Vertrauen der Klub-Verantwortlichen in ihre Möglichkeiten. Fehlt aber valabler Ersatz, beklagen sie die ungenügend besetzte Spielerbank.
Franck Ribéry, eigenwillige Offensivkraft im FC Bayern München, äusserte in der aktuellen Schwächephase seines Klubs – vier Punkte aus drei Rückrundenspielen – genau diesen wohlfeilen Vorwurf. Dabei hat FCB-Präsident Uli Hoeness längst reagiert.
Statt Reus und «Robbéry»
Nachdem der Transfer des Favre-Schützlings Marco Reus von Borussia Mönchengladbach zu den Bayern geplatzt ist (Borussia Dortmund erhielt Reussens Vorzug), hat sich Hoeness für Xherdan Shaqiri entschieden. Der 20-jährige Schweizer Ausnahmefussballer mit kosovarischen Wurzeln soll ab dem 1. Juli für vier Jahre in München zu Hause sein.
Shaqiri, der sich seinen Wechsel ins Ausland sehr gut überlegt hat (St. Petersburg und Galatasaray Istanbul boten vergeblich mit), wird gemeinhin als Entlastungsspieler für die beiden Bayern-Stars Franck Ribéry und Arien Robben gehandelt.
Wie die beiden verletzungsanfälligen Individualisten verfügt Shaqiri über einen schnellen Antritt, gute Sprintwerte sowie beträchtliche Dribbelkünste, und er kann wie «Robbéry» sowohl auf den Seiten als auch zentral agieren. Mit einem kurzen Dribbling, einem Sprint, vermag es Shaqiri immer wieder, in der Angriffsauslösung binnen Bruchteilen einer Sekunde das Spiel nach vorn völlig neu zu ordnen und mithin zum gegnerischen Tor hin zu öffnen.
Ob und wann
Die angekündigte Verpflichtung Shaqiris füllt im Kader der Bayern eine Lücke. Der Schweizer Fussballer des Jahres 2011 dürfte – vergegenwärtigt man seine drei Treffer in der Nationalmannschaft gegen Bulgarien oder seine Auftritte in der Champions League – diese Rolle ohne weiteres ausfüllen.
Im Mittelfeld wird sich Shaqiri gegen den nur unwesentlich älteren, eher zentral agierenden Tony Kroos, den eher defensiven Luiz Gustavo oder den österreichischen Perspektivspieler David Alaba durchsetzen müssen. Ob und wann Shaqiri aus der Rolle des Ergänzungsspielers herauswächst hin zu einem Stammspieler , einem unverzichtbaren Element im Spiel der Bayern , bleibt abzuwarten.
Was dagegen spricht, ist lediglich das Alter des «Powerläufers»; mit seinen zwanzig Jahren kann er auf dem höchsten Spielniveau Europas noch dazulernen. Wenn auch nicht mehr allzu viel.
Am 22. Februar empfängt der FC Basel mit Xherdan Shaqiri im Achtelfinal-Hinspiel der Champions League den FC Bayern mit Franck Ribéry und Arien Robben.
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