NZZ Online, 03. Februar 2012 22:02:00
Die Ruhe birgt auch Chancen
Fussball-Langeweile muss nicht sein
Ach, das verflixte siebente Jahr. Sieben Jahre nach dem Konkurs des Servette FC kriecht die Super League ähnlich verkatert aus dem Winterschlaf wie 2005: mit einem Team weniger (Xamax), mit einem klaren Leader (Basel), zudem mit einem abgeschlagenen Schlusslicht (Sitten).
Benjamin Steffen
Der Liga droht Langeweile, wobei anzumerken ist, dass Basel 2005 auch mit sieben Punkten Vorsprung in die zweite Hälfte startete, die erste Partie aber verlor. Danach hechelte der Underdog Thun lange hinterher, was wenigstens ein Fünkchen Spannung brachte.
So gesehen muss die Situation kein Vorbote der Monotonie sein. Vielmehr könnte sie von den Klubs als Chance erkannt werden. Die Konstellation, dass niemand direkt absteigt, garantiert Ruhe; nicht auszudenken, wenn in Genf der oft allzu rasch beschworene Worst Case einträfe, Servette in Konkurs ginge und keine Barrage nötig würde.
Obwohl sie es nicht zugeben, packen die Verantwortlichen des FC Zürich die Gelegenheit beim Schopf und versuchen, in einem halben Jahr ein neues Team aufzubauen. Etwas irritierend ist höchstens, dass der FCZ gleich drei Ausländer engagiert hat, über deren Stärken sich die Chefs nicht sicher sein können. Die lukrativen Verkäufe von Ricardo Rodriguez und Admir Mehmedi hätten Inspiration dafür sein können, weiter eigene Junioren konsequent einzubauen.
Doch betreffend Förderung junger Schweizer lassen etliche Klubs den Worten wenig Taten folgen. So verpflichtete YB zwei junge Venezolaner, lieh den Schweizer U-21-Nationalspieler François Affolter aus und setzte dem U-17-Weltmeister Nassim Ben Khalifa den Argentinier Raúl Bobadilla vor die Nase.
Die seit Jahren die Jugendarbeit predigenden Grasshoppers ihrerseits reaktivierten den Oldie Johann Vogel. Und der im Sturm nach dem Abschied Hakan Yakins primär auf eigenen Jungen sitzende FC Luzern ging auf Nummer sicher und luchste Thun für einen fast siebenstelligen Betrag den Paraguayer Dario Lezcano ab. Die Thuner nahmen das Geld – und dachten wohl, dass in der Ruhe auch eine Chance liegt.
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