NZZ Online, 03. Februar 2012 07:14:00
Autobahn zur Meisterfeier
Viel müsste schiefgehen, sollte der FC Basel im Mai nicht auf dem Barfüsserplatz den Titel feiern
Wer vor dem Rückrundenstart fragt, warum der FC Basel nach den sechzehn bevorstehenden Meisterschaftsspielen nicht den Titel gewinnen wird, kommt ins Grübeln. Die Kronjuwelen Shaqiri und Xhaka konnte der Leader halten, mit Yapi und Stocker kehren zwei Stammkräfte zurück. Der FCB ist stärker als zuvor.
Stephan Ramming
Nicht nur, weil der Vorsprung vor dem zweitplacierten FC Luzern mit 7 Punkten beträchtlich ist; nicht nur, weil der FC Sion nach dem Abzug von 36 Punkten aus dem Titelrennen ausgeschieden ist oder weil mit dem Konkurs von Xamax zwei Gelegenheiten, Punkte zu verlieren, weggefallen sind. Zum grossen Titelfavoriten macht den FCB vielmehr die Tatsache, dass sich das Team unverändert stark präsentiert wie in der Hinrunde. Kurz: Der Weg zur Meisterfeier auf dem Barfüsserplatz gleicht einer Autobahn. Was also könnte unterwegs schiefgehen?
Der FCB-Trainer Heiko Vogel sagt, er stelle sich die Frage anders: «Was muss ich tun, damit es eben nicht schiefgeht?» Vogel hat bewiesen, dass er mit seiner Arbeitsweise, Tag für Tag und Spiel für Spiel mit ganzer Aufmerksamkeit anzugehen, Antworten auf seine Frage zu finden vermag. Gleichzeitig besitzt er den Blick für längerfristige Perspektiven, obwohl er erst Mitte Oktober den Cheftrainer-Job von Thorsten Fink übernommen hat. Diese Fähigkeit war in der Winterpause nicht nur von ihm, sondern auch von der Klubführung gefragt. Denn immerhin galt es spätestens seit der Qualifikation für die Achtelfinals der Champions League, mit dem Interesse ausländischer Klubs an FCB-Spielern umzugehen.
Dass Xherdan Shaqiri und Granit Xhaka Basel nicht bereits jetzt verlassen haben, liegt auch an der Ausgangslage, die sich der FCB für die kommenden Monate erarbeitet hat. «Wir haben zwei schöne Spiele gegen Bayern München, können den Titel gewinnen und den Cup-Final erreichen – das sind nicht die schlechtesten Gründe, um noch ein halbes Jahr in Basel zu bleiben», sagt Vogel. Die Signale der Spieler hätten immer darauf hingedeutet, dass sie nicht wechseln. «Es spricht auch für ihren Charakter, dass sie sich daran gehalten haben», sagt der Trainer.
Dass es bei losen Transfergesprächen und vielen Gerüchten blieb, war mit Aufwand verbunden. Im FCB sind nicht nur weiche Faktoren wie Perspektiven, Lebensqualität oder Popularität gute Argumente für Spieler, sondern auch seine Finanzkraft. Sie ermöglicht es dem Klub, die Schmerzgrenze für Angebote hoch zu halten. Auch das kein unwesentlicher Grund dafür, dass Xhaka und Shaqiri bleiben. Vogel sagt: «Ich bin glücklich, dass unsere Hoffnung, mit unverändertem Kader weiterarbeiten zu können, sich erfüllt hat.»
Zudem dürfte sich nach der Genesung von Valentin Stocker und Gilles Yapi der Konkurrenzkampf im Kader noch verschärfen. Auch das wird helfen, Konzentration und Spannung hoch zu halten. Die Aussicht, am 22. Februar auf der grossen Bühne der Champions League gegen Bayern München spielen zu können, wird Vogel auch für die Startspiele gegen Sitten, Lausanne und die Young Boys zu nutzen versuchen.
Und so sind die Erwartungen in Basel für die Rückrunde vielleicht noch etwas grösser als in anderen Jahren, in denen sie auch stets gross waren. Rund 24 000 Jahreskarten, etwa 5 Prozent mehr als im Vorjahr, sind bis jetzt verkauft worden. Diese 24 000 grübeln nicht, was für den FCB schieflaufen könnte auf der Fahrt zur grossen Meisterfeier im Mai. Das weiss Vogel. Es ist deshalb kein Widerspruch, wenn er sagt: «Wir haben noch nichts gewonnen.»
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