Papa Moll - immer kurz vor der nächsten Katastrophe

FILMKRITIK ⋅ Der «Papa Moll»- Film soll die Kino-Erfolgsgeschichte von «Heidi» und «Schellen-Ursli» ­weiterschreiben. Doch dieser Aufgabe ist der biedere Familienvater trotz vieler Knalleffekte nicht gewachsen.
Aktualisiert: 
02.12.2017, 22:00
02. Dezember 2017, 09:41
Katja Fischer De Santi

Katja Fischer De Santi

Armer Papa Moll, es ist alles ein bisschen viel für ihn. Er, die gemütliche Kinderbuchfigur aus den 1950er-Jahren, stets zu allen Taten bereit und immer kurz vor der nächsten Katastrophe, ist jetzt ein Filmstar. Und was für einer: 5,5 Millionen Franken hat die Produktion des ersten ­Papa-Moll-Films gekostet. In der Schweiz und in Deutschland wurde gedreht. Extra zum Film brachte man einen neuen Moll-Band heraus. Das Ziel des ganzen Aufwandes: Papa Moll soll als ­Vater von Evi, Fritz und Willy, das Schweizer Kinomärchen, das 2015 mit «Heidi» so berauschend anfing und mit «Schellen-Ursli» eine würdige Nachfolge fand, weiterschreiben.

(Youtube)

Papa Moll ist zu dünn und will zu viel

Doch dieser Aufgabe, sagen wir es geradeheraus, ist Moll nicht gewachsen. Da nützt alle Action in der Schokoladenfabrik von Murmlikon nichts. Da können Evi und der Dackel noch so treuherzig schauen und Moll-Darsteller ­Stefan Kurt unter seinem Wanst noch so schwitzen, man will nicht so recht warm werden mit diesen Film-Molls.

Aber beginnen wir von vorne. Kameraschwenk aufs pittoreske Murmlikon, ein Dorf wie es ­schöner im Mittelland nicht liegen könnte. Sprecher aus dem Off: «Hier im schönen Murmlikon / lebt Papa Moll seit Jahren schon / und arbeitet mit viel Geschick / hoch auf dem Berg in der Fabrik.» Ein vierzeiliger Reim zu Beginn, als Referenz an die durchgehend gereimten «Papa Moll»- Bücher. Danach geht es direkt hinein ins kleinbürgerliche Leben der Molls. Hinein in eine fiktive, aber knallbunte Vergangenheit.

Damals, als Dorfpolizisten noch mit dem Militärvelo auf Streife gingen. Chefs ihre Angestellten auch in der Freizeit drangsalierten und der Zirkus noch ein Ereignis war. Regisseur Manuel Flurin Hendry und sein Ausstattungsteam haben für Familie Moll eine grelle, detailverliebte Welt erschaffen, wie wir sie in Filme wie «Die ­fabelhafte Welt der Amélie» oder «Mein Name ist Eugen» schon vor Jahren kennenlernten. Alles ist überzeichnet, dauernd knallt es irgendwo, die Figuren bleiben skizzenhaft, die Kamera steht kaum je still, die Musik dazu könnte süsser nicht sein.
 

Kaum ist Mama aus dem Haus, bricht das Chaos aus

Doch zu­rück zur Ausgangslage: Moll muss sich ein Wochenende lang alleine um die Kinder kümmern. Mama Moll fährt nach Bad Zurzach zum Wellnessen. Und es kommt wie es kommen muss. Kaum ist Mama aus dem Haus, bricht das Chaos aus. In der Schokoladenfabrik und zu Hause bleibt kein Stein auf dem anderen. Ein Hund wird gleich mehrfach entführt, ein brodelndes Schokoladenmaschinen-Ungeheuer schiesst wie von Sinnen mit Haselnüssen um sich. Moll und die Kinder landen im Gefängnis, und Fritz will nach Australien auswandern, um Haiforscher zu werden, «weil Haie zwar gefährlich, aber niemals so ungerecht wie Papa Moll sind». Es sind der Handlungsstränge etwas viele, die da zusammenkommen. Schon als Erwachsener hat man da Mühe bei der Sache zu bleiben, Kinder unter acht Jahren dürfte die Story überfordern.

Die Lust am Experimentieren, an Knalleffekten und die ­Liebe zur Figur Papa Moll ist im Film in jeder Sekunde zu spüren. Und doch ist der Film selten wirklich lustig, dafür sind die Slapsticks zu erwartbar, wird die Farce mit der Dauer anstrengend. Damit hat der Film aber mit seiner Buch­vorlage viel gemein. Eltern, die mit Molls Episoden vertraut sind, wissen längst, dass Papa Moll vieles ist, aber eines sicher nicht – witzig. Mögen kann man sein ganz alltägliches Ringen mit sich und ­seinen Kindern trotzdem. Und vielleicht auch diesen Film.

Ab 21. Dezember im Kino.


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