Grand Prix Literatur für Pascale Kramer

AUSZEICHNUNG ⋅ Die in Paris lebende Genfer Romancière Pascale Kramer hat am Donnerstag den Grand Prix Literatur, den höchsten Schweizer Literaturpreis erhalten. Der Zürcher Germanist Charles Linsmayer wurde mit dem Spezialpreis Vermittlung geehrt. Beide erhielten je 40'000 Franken.
Aktualisiert: 
16.02.2017, 20:00
16. Februar 2017, 19:44

Pascale Kramers bisher zwölf Romane seien geprägt von den Leitmotiven - "oder besser Leidmotiven" - Tod, Verhängnis und Trauer, sagte Bundesrat Alain Berset am Donnerstagabend in seiner Laudatio: Die Autorin verfüge über einen "Seismografen des Leidens", zugleich privat wie ins Politische und Soziale ausgreifend.

Als Beispiel für die politische Relevanz führte Berset Kramers Roman "L'Autopsie d'un père" (2016) an, der vom Leiden einer Tochter an ihrem übermächtigen, lieblosen Vater erzählt, der zwei Männer vor Gericht verteidigte, die ganz ohne Grund einen afrikanischen Immigranten massakrierten. Der in dem Roman dargestellte Mangel an Empathie, so Berset, sei eines der ganz grossen Probleme der Gegenwart - "das letzte Jahr hat es gezeigt, von Brexit bis Trump".

Die Genfer Romanautorin Pascale Kramer, die in Paris lebt, erhält den Schweizer Grand Prix der Literatur 2017. Im Interview erzählt die Autorin, was ihr dieser Preis bedeutet und was sie mit ihrem Preisgeld von 40'000 Schweizer Franken anstellen wird. (Laura Zimmermann)

Erster Roman mit 21

Pascale Kramer wurde am 15. Dezember 1961 in Genf geboren und wuchs in Lausanne auf. Nach einem abgebrochenen Literaturstudium arbeitete sie als Journalistin und stieg dann in die Werbebranche ein - erst für sechs Jahre in Zürich, seit 1987 in Paris, wo sie inzwischen eine eigene Werbeagentur betreibt.

Ihr literarisches Debüt gab Kramer mit 21 Jahren. Ihr dritter Roman "Manu" brachte 1996 den Durchbruch und bescherte ihr den renommierten Prix Dentan. Am erfolgreichsten war bisher ihr Roman "L"implacable brutalité du réveil" (2009), der unter anderem mit einem Schweizer Schillerpreis und dem Prix Rambert ausgezeichnet wurde.

Am Donnerstagabend wurde in der Schweizerischen Nationalbibliothek in Bern der Schweizer Grand Prix Literatur vergeben. Pascale Kramer aus der Romandie erhielt die Auszeichnung für ihr Gesamtwerk, verliehen von Bundesrat Alain Berset. (Laura Zimmermann)

Der unermüdliche Vermittler

Der diesjährige Träger des Vermittlungspreises, Charles Linsmayer "hat die Jury mit seinem schwungvollen und unermüdlichen Engagement für die Literatur überzeugt", heisst es zur Begründung. Er sei nicht nur ein aussergewöhnlicher Vermittler, sondern auch Literaturkritiker, Verleger, Initiator von Übersetzungen und Neuauflagen, Ausstellungskurator und Organisator von öffentlichen Lesungen.

Neben den beiden grossen Gesamtwerkspreisen wurden am Donnerstag in der Nationalbibliothek in Bern auch die "kleinen", mit je 25'000 Franken dotierten Einzelwerkspreise vergeben. Deren Träger wurden bereits im Januar kommuniziert: Dieter Zwicky, Laurence Boissier, Ernst Burren, Annette Hug, Michel Layaz, Jens Nielsen und Philippe Rahmy. (sda)


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