Fahndung nach G20-Randalierern wird ausgeweitet

HAMBURG-KRAWALLE ⋅ Die Hamburger Polizei will die Öffentlichkeitsfahndung nach mutmasslichen G20-Randalierern noch einmal ausweiten. Es seien noch für diesen Monat umfangreichere Massnahmen als bisher geplant, sagte Polizeipräsident Ralf Martin Meyer am Dienstag.
Aktualisiert: 
05.12.2017, 14:15
05. Dezember 2017, 07:00

Seit Monaten sucht eine Sonderkommission der Polizei nach Menschen, die sich an den schweren Krawallen während des G20-Gipfels im Juli beteiligten. Die 165 Ermittler der Sonderkommission "Schwarzer Block" versuchen unter anderem, Verdächtige durch eine systematische Auswertung der bei den Ausschreitungen massenhaft entstandenen Video- und Fotoaufnahmen zu identifizieren. Unter anderem riefen sie Bürger auf, ihnen Bilder von Smartphones zu schicken.

Am Dienstagmorgen liessen die Ermittler in einer deutschlandweiten Razzia 23 Wohnungen und zwei einschlägig bekannte linke Szenetreffs durchsuchen. Hintergrund sind nach den Angaben der Hamburger Beamten Ermittlungen gegen 22 Beschuldigte wegen eines gewaltsamen Zusammenstosses zwischen Linksautonomen und Polizisten am Morgen des 7. Julis im Stadtteil Bahrenfeld. Es geht um den Vorwurf des besonders schweren Landfriedensbruchs.

Wie die Beamten betonten, handelt es sich um Ermittlungen gegen Einzelne, die an jenem Tag zu einem sogenannten Schwarzen Block gehört haben sollen. Die linken Zentren in Göttingen und Stuttgart seien nur durchsucht worden, weil es sich dabei um die Wohnanschrift von Verdächtigen gehandelt habe, betonte Soko-Chef Jan Hieber in Hamburg. Die Massnahmen richteten sich ausdrücklich nicht gegen die dort ansässigen Organisationen.

Insgesamt mündete die Arbeit der Soko laut Meyer inzwischen bereits in rund 3000 Ermittlungsverfahren. Die Razzia vom Dienstag sei eine weitere "wichtige Zwischenetappe" in deren Arbeit, sagte er. Es gehe darum, "Hintergründe und Strukturen" in der autonomen Szene rund um die G20-Krawalle offenzulegen.

Während des Gipfeltreffens der Staats- und Regierungschefs der 20 wichtigen Industrie- und Schwellenländer Anfang Juli hatte es trotz des Einsatzes von mehr als 20'000 Polizisten schwere Krawalle gegeben. Randalierer lieferten sich Strassenschlachten mit der Polizei, zündeten Autos an und plünderten Geschäfte. (sda/afp)


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