Therme, Tal und Themen

Fast 800 Jahre ist es her, dass Jäger auf die 36,5 Grad warme Quelle in der Taminaschlucht stiessen. Dank dieser entwickelte sich Ragaz zu einem renommierten Badeort. Dort findet derzeit die fünfte «Bad Ragartz» statt, eine Triennale der Skulptur.
13. Juli 2012, 08:32
NZZ Online

Friedemann Bartu

Die Thermalquelle in der Taminaschlucht blickt auf eine lange Geschichte zurück. Schon Paracelsus wusste um die Heilkraft ihres Wassers: Der Naturforscher, Arzt und Philosoph weilte nämlich 1535 als erster Badearzt in der Taminaschlucht; am Ort, wo nun das frühere Kurgebäude, das Alte Bad Pfäfers, steht. Dort ist Paracelsus ein ganzer Raum gewidmet im Museum, das die Geschichte der Tamina-Therme eindrücklich aufzeigt.

Zurück in die Pionierzeit

Während man heute das Alte Bad Pfäfers in einem gut einstündigen Spaziergang vom Bahnhof Bad Ragaz aus erreichen kann, mussten die Kurgäste bis Mitte des 19. Jahrhunderts, also bis zum Bau der Strasse, einen steilen Abstieg in Kauf nehmen – von den über der Schlucht gelegenen Ortschaften Valens und Pfäfers hinab ins enge Tal. Letztere Ortschaft beherbergte ein Benediktinerkloster, welches sich ab dem 13. Jahrhundert, nach der Entdeckung der Thermalquelle durch zwei Jäger, dieses körperwarmen Wassers annahm. Seither ist die Geschichte der Thermalquelle engstens mit derjenigen des Klosters verbunden.

Anfänglich seilten die Mönche die Heilung suchenden Gäste sogar noch auf halsbrecherische Weise in Körben in die wilde Schlucht ab, wo diese dann in Löchern badeten, die man in den Fels gehauen hatte. War man erst einmal unten im düsteren und engen Tal angekommen, harrte man dort meist gleich mehrere Tage – rund um die Uhr – im warmen Wasser aus, das Genesung von allerlei Gebrechen versprach.

Um sich in diese Pionierzeit zurückzuversetzen, lohnt es sich, die 450 Meter Weg vom Alten Bad Pfäfers hinein in den Schlund der Schlucht unter die Füsse zu nehmen. Dort hinten im Fels spürt man nicht nur die Wärme des Quellwassers, sondern auch die Wildheit dieser imposanten und einst furchterregenden Schlucht, um die sich zahlreiche Sagen und Legenden rankten. Will man dagegen in den Genuss des Heilwassers kommen, empfiehlt sich ein Besuch der modernen Tamina-Therme in Bad Ragaz. Dieses vor einigen Jahren erneuerte und von viel Licht durchflutete Thermalbad ist wahrlich eine Oase der Erholung. Der grosse Aussenpool bietet auch im Sommer, wenn es einen eigentlich eher ins Strandbad zieht, durchaus Badevergnügen. Und wer sich im Tamina-Thermalbad tummelt, ahnt kaum, dass das Wasser tief aus der nahen Schlucht herangeleitet wird; und zwar seit 1840, als eine Leitung bis nach Ragaz erstellt und damit der Grundstein für die Entwicklung von Bad Ragaz zu einem international bekannten Kurort gelegt wurde.

Zuvor hatte sich das Badeerlebnis auf das Alte Bad Pfäfers konzentriert, wo das mehr als 100 Betten umfassende Haus Kurgäste aus ganz Europa aufnahm. Auch ein Kurorchester pflegte dort zu spielen. Tempi passati. – Weil die Anlage schliesslich zunehmend abgewirtschaftet war, wurde sie 1969 stillgelegt; und ihr Abbruch stand zur Diskussion. Dank dem 1975 gegründeten Verein «Freunde Altes Bad Pfäfers» gelang es aber, die schon 1838 in den Besitz des Kantons St. Gallen übergegangene Stätte zu retten. Zwischen 1983 und 2005 wurde das Alte Bad Pfäfers in drei Etappen renoviert. Dank Investitionen von mehr als 10 Millionen Franken punktet das ehemalige Kurgebäude nun mit einem tollen kulturellen Schatz und einem gastronomischen Angebot in historischem Ambiente. Dieses wird sowohl von Privaten als besonders auch von Unternehmen für Anlässe aller Art genutzt. Wanderer kommen ebenso auf ihre Rechnung wie Politiker oder Geschäftsleute, die sich etwa für Retraiten hierher zurückziehen. Wer übrigens keine Lust zum Wandern hat oder gehbehindert ist, kann das Alte Bad Pfäfers auch im Postauto oder mit der Pferdekutsche, der «Rössliposcht», erreichen.

Kunst im Lebensraum

Für einen Tagesausflug sind Bad Ragaz und die Taminaschlucht ideal. Hat man den Weg zum Schluchtschlund und zurück hinter sich gebracht und das Alte Bad Pfäfers erkundet, kann man den Tag in der Tamina-Therme ausklingen lassen. Zuvor lohnt ein Besuch (möglichst mit offizieller Führung) der «Bad Ragartz», einer Freiluft-Skulpturen-Ausstellung, die heuer zum fünften Male stattfindet. Diese Schweizerische Triennale der Skulptur vermittelt Kunst im Lebensraum. Die 80 ausgestellten Werke von Artisten aus 17 Ländern greifen sehr unterschiedliche Themen in sehr unterschiedlicher Weise auf. Das Motto der Ausstellung lautet deshalb passend: «Werte sehen – sehenswert».

www.altes-bad-pfaefers.ch ; www.taminatherme.ch ; www.myswitzerland.com/d e/taminaschlucht-rundtour. html; www.badragartz.ch ; www.postauto-badragaz.ch ; www.roessliposcht.ch ; www.heidiland.ch .


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