Die i-Generation im Visier

Zwar sind die Auftragsbücher bei Mercedes-Benz voll, doch bei der kompakten Luxusklasse fährt den Stuttgartern die Konkurrenz davon. Die neue A-Klasse soll nun die Überholspur öffnen.
12. Juli 2012, 07:34
NZZ Online

Walter Hagenbüchle

Dem Stuttgarter Autobauer Mercedes-Benz läuft es gerade ausserordentlich gut. Für das erste Halbjahr 2012 gab es soeben einen neuen Absatzrekord zu vermelden. Von Januar bis Juni wurden von den Marken Mercedes-Benz, Smart und Maybach stattliche 708 517 Einheiten verkauft, was einem Umsatzplus von gegen 7 Prozent gegenüber der Vorjahresperiode entspricht. Vorab die Märkte der USA, Japans und Russlands boomen. Joachim Schmidt, GL-Mitglied Mercedes-Benz Cars, kommentierte das Ergebnis entsprechend. Man sei stolz, trotz schwierigem Marktumfeld in Südeuropa auf bestem Weg zu sein, den Rekord von 2011 zu übertreffen. Vor allem die Markteinführung der neuen A-Klasse ab September werde den Verkäufen weiteren Schub geben.

Dass ausgerechnet die A-Klasse nun zum neuen Hoffnungsträger für die Stuttgarter werden soll, darauf hätte 1997 bei der Geburtsstunde der Modellreihe niemand wetten wollen. Damals konnte sich das Auto bei einem Elchtest nicht einmal auf der Strasse halten und kippte um – dummerweise just vor der Linse eines Auto-Paparazzos. Der Imageschaden sollte das Volumenmodell jahrelang nicht mehr aus den Klauen lassen. Umso höher sind nun die Erwartungen der Schwaben, mit der neuen A-Klasse die alten Geister endgültig auszutreiben und den gefährlich erfolgreichen Konkurrenten – Audi A3, BMW Einser oder VW Golf – endlich auch mit dem Stern Paroli bieten zu können. Jenem Stern übrigens, der, anders als bei den Vorgängern, physisch gar nicht mehr auf der Haube prangt.

Bieder war einmal

Die Chancen zum Exploit stehen gut, denn bei dieser A-Generation ist nichts mehr so, wie es war. Das behäbige Hochdach-Konzept – das zwar für fast alle Lebenslagen stattliche Zuladung ermöglichte, doch letztlich eher bieder wirkte – ist einem sportiven Design mit definierten Kanten gewichen, das vorab eine jugendlich-sportive Klientel anziehen soll – und wohl auch kann. Intern segelt der neue Auftritt unter dem Begriff «Two-Box-Design», worunter man ein emotionales Exterieur und ein Interieur mit besonders hoher Wertanmutung versteht. Selbstbewusst fährt das neue Steilheckmodell mit tiefem Schwerpunkt mitten zwischen die Kompakt-Konkurrenz: Knapp 4,3 Meter Länge bzw. 1,8 Meter Breite und gut 2,7 Meter Radstand machen im Auftritt ebenso Eindruck wie das gegenüber dem Vorgänger um 16 Zentimeter tiefergelegte Fahrwerk. Auch im Interieur herrscht neuer Glanz. Galvanisierte Oberflächen und Zierelemente strahlen metallisches Feeling aus. Die fünf runden Luftdüsen erinnen im Design an eine Flugzeugturbine – und tatsächlich lässt sich die Strömungsrichtung auch entsprechend fein justieren. Die A-Klasse sei innen sogar wertiger als die aktuelle C-Klasse, lässt sich Chefdesigner Gorden Wagener zitieren. Aus der A-Klasse soll mit der Zeit modellmässig das Vollprogramm werden – vom Dreitürer über Coupé und Cabrio bis hin zum SUV. Doch beim Automobil zählen auch innere Werte. Und da bleibt die neue A-Klasse durchaus vernünftig, wenngleich in den Boxen mit dem A 45 AMG und dem A 250 Sport auch zwei echt «heisse» Exemplare warten.

Sicherheit grossgeschrieben

Bei den Volumenmodellen reicht die Palette der Benziner von 122 bis 211 PS und bei den Dieselaggregaten von 109 bis 170 PS. Erfreulich sind die (werkseitig veranschlagten) Verbrauchs- und Emissionswerte, wonach im Mix zwischen 3,8 und 6,4 Litern Treibstoff verbrannt und 98 bis 148 Gramm CO2 pro Kilometer ausgestossen werden. Gemeinsames Merkmal aller Aggregate: die Blue-Direct-Technologie mit Mehrfacheinspritzung und Turboaufladung.

Auch beim Thema Sicherheit mischt die neue A-Klasse ganz vorne mit. Ein Abstandsregel-Tempomat, das Insassen-Schutzsystem Pre-Safe und ein Toter-Winkel-Assistent sind Option, einen äusserst effektiv arbeitenden satellitengestützten Kollisionsverhinderer gibt es sogar in Serie. Und ab welchem Preis startet das neue A-Abenteuer? Zumindest bei der Basisausrüstung bewegen sich die Stuttgarter durchaus auf dem Niveau der Konkurrenz aus den Häusern BMW und Audi. Einsteigen lässt es sich bei knapp unter 30 000 Franken, will man indes den A 250 Sport, werden dafür stattliche 47 300 Franken fällig.


Leserkommentare

Anzeige: