Tagblatt Online, 29. November 2010 01:03:00
Roi Gustav setzt sich die Krone auf
Die politischen Entscheide waren gefällt, das Abstimmungswochenende damit noch nicht zu Ende. Es fehlte das Finale von «Kampf der Chöre» – mit eigenen Spielregeln: Kriterien wie Stimmrechtsalter und Nationalität waren hier komplett unwichtig. Welcher Chor wird gewinnen? Welchen Geschmack hat das TV-Publikum? Die sichere Antwort auf diese Fragen hätte man auch aus einem Kaffeesatz nicht herauslesen können.
Von anfänglich acht Kandidaten waren drei übrig geblieben: Gustav, Noëmi Nadelmann und Padi Bernhard – mit ihren Chören natürlich. Der Freiburger Gustav hätte den Sieg verdient gehabt. Er war der aktivste, sympathischste und kreativste aller Chorleiter. Als «gewohnt ungewohnt» würdigte ihn Sven Epiney gestern noch einmal.
Zu Recht: Gustavs Arrangements von «Cheri Cheri Lady» (Dieter Bohlen) und «Somebody Dance with me» (DJ Bobo) besassen eine ganz eigene Handschrift. Nach dem Chor-Intro mit «The Final Countdown» setzte Gustav mit «Ein Student aus Uppsala», einem deutschen Schlager aus den 1960er-Jahren, noch einmal einen drauf. In der Hoffnung auf den Sieg rief Klassik-Sängerin Noëmi Nadelmann mit «Oh Fortuna» aus Carl Orffs «Carmina Burana» die Glücksgöttin persönlich an.
Oder präsentierte sich die Zürcherin, die mit einem tief ausgeschnittenen Kleid in ihrem Chor posierte, gleich selbst als Glücksgöttin? Der Chor um Padi Bernhard arbeitete bis zuletzt an seinem Profil. Er zeigte im Finale, unter anderem mit Céline Dions «Ne partez pas sans moi», dass er auch anderes singen kann als Kuschelrock.
Nach Rückblenden fast bis zur totalen Ermüdung, schief intonierter Soli inklusive, diverser Werbeblocks in eigener Sache und Dankeschön nahte in der «Bodensee-Arena» in Kreuzlingen die Entscheidung. Gustav und sein Chor gewannen. Die erste Auflage von «Kampf der Chöre» hat seine verdienten Sieger.
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