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Tagblatt Online, 12. Januar 2010 01:00:58

So arbeitet die Zukunft

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Citizen Space in Zürich: Das Büro für alle jene ohne Büro. (Bild: Bilder: Apix/Alex Buschor)

Bürogemeinschaft war gestern, Co-Working gilt als Arbeitsmodell der Zukunft. Und meint arbeiten mit Gleichgesinnten, in urbanen Räumen, günstig und mit Tschüttelikasten.

Fabienne Schmuki

Als der Brite Russell Quinn von Kopenhagen nach Zürich zog, brauchte er auf die Schnelle einen günstigen Arbeitsplatz – ein eigenes Büro wollte er aber nicht. Vanessa Wolf und Matthias Berg sind Profis in der Visuellen Kommunikation, aber einen fixen Standort hat ihre Firma nicht. Und Harry Fuecks und Ivan Jovanovics Büro wird gerade gezügelt.

Die Lösung für die fünf Arbeiter ohne festen Arbeitsplatz nennt sich Citizen Space und ist eine moderne Bürogemeinschaft im Herzen von Zürich.

Citizen Space richtet sich an Freischaffende oder Selbständige, die ihre Arbeitsplätze tages-, wochen- oder monatsweise mieten können. Gründe mal an einem anderen Ort oder gar ohne festen Ort zu arbeiten gibt es viele.

«Manchmal ist es auch ein Nachbar der tagelang Klavier übt, der mir neue Mieter beschert», sagt Citizen-Space-Gründer Jürg Rohner und lacht.

Kreatives Potpourri

Es liegt kreative Geschäftigkeit in der Luft. Eine Wand teilt die hohe Halle des Citizen Space in zwei geräumige Arbeitsflächen. Trotz der industriellen Kühle vermitteln die mit Tischen und Stühlen ausgestatteten Büroräume eine angenehme Atmosphäre.

Das mag auch an den freundlichen Gesichtern liegen, die zahlreich hinter den flachen Bildschirmen oder portablen Computern stecken. Hier treffen Fotografen auf Texter, Online-Designer auf Kochspezialistinnen, Radioleute auf Architekten, Grafiker auf Programmierer.

Kaffeehaus meets Büroluft

Ein Pionier in Sachen Co-Working, wie man diese Arbeitsweise nennt, ist das Betahaus in Berlin. Allerdings liegt der Fokus in der deutschen Hauptstadt auf dem Modell «Kaffeehaus».

Geschäftsführer Christoph Fahle ist überzeugt, dass die etwas laute und umtriebige Campus-Atmosphäre im Betahaus nicht als Störfaktor empfunden wird: «Für den kreativen Prozess sind der Austausch mit anderen sowie eine anregende Arbeitsatmosphäre zentrale Erfolgsfaktoren.» Die Grundwerte des Berliner Betahauses lauten denn auch «Transparenz, Offenheit, Kollaborationen und Nachhaltigkeit». Für Leute, die Dinge lieber alleine und im Stillen machen, sei das Betahaus schlicht der falsche Ort, sagt Fahle.

Nun planen die Berliner einer zweite Niederlassung in Zürich. Konkretes gibt es noch nicht zu erfahren. Eine Facebook-Gruppe Betahaus Zürich gibt es aber schon.

Platz für 20 urbane Nomaden

Leute, die gerne mit ihrem Laptop in Starbucks arbeiten, will Jürg Rohner hingegen gar nicht ansprechen. Seine Mieter schätzen die ruhige Arbeitsatmosphäre.

Für insgesamt 20 Personen bietet Citizen Space in Zürich Arbeitsplätze, mehr als zehn sind aber selten gleichzeitig da.

Fast immer da sind Vanessa Wolf und Matthias Berg. «Wir sind seit März 2009 fixe Mieter im Citizen Space», erzählt Vanessa Wolf. Sie würden den Austausch und die Zusammenarbeit mit den anderen Mietern extrem schätzen. «Zudem sind wir es gewohnt, flexibel zu arbeiten, da Teile unseres Büros im Ausland sind», fügt Berg hinzu. Ihre Firma Weiss-Heiten unterhält Niederlassungen in London, Paris, Berlin und in Zürich.

Neben ihnen arbeiten Harry Fuecks und Ivan Jovanovics. Ihr Büro von local.ch wird gerade gezügelt. Sie suchten eine vorübergehende Büro-Alternative und landeten ebenfalls an der Heinrichstrasse. «Das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt für uns mit 30 Franken Tagesmiete», meint Fuecks. «Wenn ich ein paar Stunden in einem Café hocke, komme ich am Ende auf einen ähnlichen Betrag – ohne Infrastruktur und Arbeitsatmosphäre!»

Die Idee zur richtigen Zeit

Weder das Betahaus noch Citizen Space müssen sich um Pressearbeit und Werbung gross kümmern. Dank Blogs, Facebook und Twitter hat sich ihr Angebot bei den urbanen Kreativen schnell herumgesprochen – ganz wie es sich für ein Modell der Zukunft gehört. Die Nachfrage ist gross. Citizen Space hat zurzeit keine fixen Plätze mehr zu vermieten und auch das Bethaus in Berlin ist mehr als gut ausgelastet. «Es ist eine Idee, deren Zeit gekommen ist», sagt Christoph Fahle.




Leser-Kommentare:
1 Beitrag

Kommentar lesen

stef.tittmann (12. Januar 2010, 21:51)
co-working in der ostschweiz

der verein ostsinn.ch arbeitet zur zeit an der realisierung eines co-working-space im raum st.gallen - interessierte user und mitmacher/innen dürfen sich gerne melden

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