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Tagblatt Online, 8. August 2012, 07:48 Uhr

Kinder von Schweizer Vermögensverwalter in den USA verhört

Viele Schweizer Banker getrauen sich nicht mehr ins Ausland, seit sie wegen des Steuerstreits den USA namentlich bekannt sind. Zoom

Viele Schweizer Banker getrauen sich nicht mehr ins Ausland, seit sie wegen des Steuerstreits den USA namentlich bekannt sind. (Bild: Keystone/AP)

Die US-Ermittler ziehen im Steuerstreit mit der Schweiz die Schraube an und werten offenbar die im April von Banken übermittelten Daten über ihre Angestellten systematisch aus. Darauf deutet das Verhör zweier Kinder eines Vermögensverwalters in den USA hin.


Die Behörden in den USA gehen auf der Jagd nach Steuersündern immer weiter. So verhörten sie im Mai zwei noch minderjährige Schweizer, als diese ins Land einreisen und ihre Grosseltern besuchen wollten. Die beiden sind Kinder eines Genfer Vermögensverwalters, der US-Bürgern Beihilfe zur Steuerhinterziehung geleistet haben soll.

Während sechs Stunden befragt

Wie der Anwalt des Schweizers der Zeitung sagte, wurden die beiden Jugendlichen am Flughafen einer amerikanischen Grossstadt während sechs Stunden über ihren Vater ausgefragt. Die Beamten hätten unter anderem wissen wollen, wo ihr Vater sich aufhalte oder ob er beruflich in die USA reise. «Tribune de Genève»

Die unzimperlichen Methoden der amerikanischen Ermittler dürften dank den Informationen über ihre Angestellten möglich geworden sein, welche mehrere Schweizer Banken im April an die USA geliefert haben. Es handelte sich nicht nur um die Namen der eigenen Kundenberater, sondern auch von Backoffice-Mitarbeitern und externen Beratern. Die Steuerfahnder machen nun offensichtlich von diesen Angaben gezielt Gebrauch.

Reisefreiheit stark eingeschränkt

Die betroffenen Bankangestellten riskieren nicht nur bei der Einreise in die USA eine Verhaftung. Sie sind auch in Europa in ihrer Bewegungsfreiheit eingeschränkt, da die meisten Länder Westeuropas mit den USA Auslieferungsabkommen abgeschlossen haben. «Ich empfehle meinen Kunden, die Schweiz nicht mehr zu verlassen», zitiert die «Tribune de Genève» einen Genfer Anwalt. Dieser berät nach eigenen Angaben 40 Bankmitarbeiter, die vom Informationsaustausch betroffen sind.

Auch wegen ihrer eingeschränkten Reisefreiheit klagen einige Banker ihre Arbeitgeber ein, die im Steuerstreit ihre Namen unverschlüsselt an die USA übermittelt haben. Erst heute Dienstag machte das Westschweizer Radio eine eines CS-Angestellten bekannt. Er hat gegen seinen Arbeitgeber eine Strafklage bei der Bundesanwaltschaft eingereicht. weitere Klage

«Bund hat keine Informationen»

(chs./sda) Vorsichtig äusserte sich Finanzministerin Eveline Widmer-Schlumpf an der Medienkonferenz zur Halbjahresbilanz ihrer Zeit als Bundespräsidentin zum Verhör der beiden Kinder. Der Bund habe bisher überhaupt keine Informationen dazu, stellte sagte Widmer-Schlumpf.

«Wenn zwei minderjährige Kinder einfach so sechs Stunden festgehalten worden wären, würde mich das schockieren.» Derzeit sei aber unklar, ob sich der Vorfall wirklich so zugetragen habe. Das Finanzdepartement kläre dies ab.



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Leser-Kommentare:
5 Beiträge
orgetorix (07. August 2012, 22:37)
@ Till (Tilt...)

Ihr "Kommentar" ist mehr als armselig - das übliche Altkommunistengeleier. Aber auch diese werden eines Tages überlebt sein!

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diethelm (07. August 2012, 18:50)
Und was macht das EDA?

Es wäre angebracht, den Botschafter der USA in Bern ins EDA zu zitieren u/o durch den Schweizer Botschafter in Washington eine entsprechende Depesche überreichen zu lassen. Zudem sollte die Familie der beiden Teenager in den USA eine Schadenersatzklage auf ein paar Millionen wegen der psychischen Belastung der Jugendlichen einreichen.

@Till: Wenn man nicht ins Ausland reisen kann, ist das heutzutage, wo fast jedermann das macht, eine massive Einschränkung! Und wenn die Kinder für den Beruf der Eltern haften, ist da nichts als Sippenhaft.

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mecxx (07. August 2012, 17:08)
Nie mehr mit einer der Grossbanken

Die Grossbanken haben erst ihre Kunden verraten, nun verraten sie noch die eigenen Mitarbeiter. Pfui Teufel. Nie mehr Geschäfte mit einer sogenannten Grossbank.

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till (07. August 2012, 11:58)
Sozialhilfe für die Banker

O weh, die armen Banker müssen in der Schweiz bleiben und dürfen nicht mehr im nahen Ausland kostengünstig einkaufen oder Ferien machen. Und die Boni sind auch nicht mehr, was sie einst waren. Ich plädiere für Sozialhilfe...

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mercator (07. August 2012, 10:54)
...Rassismus auf amerikanisch...

Obschon unsere Medien Obama nicht genug über den grünen Klee loben, kann man feststellen, dass die Beziehungen zwischen den USA und der Schweiz nie schlechter waren, als heute. Es wäre längst an der Zeit wenn sich die Meinungsmacher anhand der real existierenden Situation orientieren würden und den Vorschusslorbeeren endlich sachliche Kritik folgen liessen.

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