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Tagblatt Online, 17. Juli 2012, 23:21 Uhr

Kein Glanz für Goldman

New Yorker Hauptquartier von Goldman Sachs. Zoom

New Yorker Hauptquartier von Goldman Sachs. (Bild: Keystone / AP)

Bei der US-Investmentbank Goldman Sachs werden Kosten gesenkt und neue Ertragsquellen erschlossen.


C. H. New York

Die einstige Geldmaschine an der Wall Street, Goldman Sachs, hat im zweiten Quartal des laufenden Geschäftsjahres eine Eigenkapitalrendite von gerade einmal 5,5% erwirtschaften können; für das erste Halbjahr stellt sie sich auf 8,8%. Das ist für Goldman-Sachs-Standards äussert mager: 2007 etwa hatte die Kennziffer 34% erreicht. Aber diese Zeiten sind vorerst passé, darauf deuten der Verlauf des letzten Geschäftsquartals (siehe Tabelle) und vor allem die in den letzten Monaten getroffenen Entscheide der Bank hin. So hat sich Goldman zum einen stark auf die Senkung der Kosten konzentriert.

Ende des Quartals beschäftigte Goldman 9% weniger Mitarbeiter als zum Vorjahreszeitpunkt. Zum andern sucht die Investmentbank nach neuen Ertragsquellen. So arbeitet man an einer Handelsplattform für Obligationen. Und gemäss dem «Wall Street Journal» plant das Unternehmen den Aufbau einer internen Bank, die sich mit Kreditangeboten vorwiegend an wohlhabende Kunden, aber auch an Firmen richten soll; sie soll ein Kreditvolumen von 100 Mrd. $ erreichen.

Mit den jüngst verstärkt verfolgten Handlungslinien – Kosten senken und Ertragspotenziale erschliessen – versucht die 144 Jahre alte Bank gegen negative temporäre, aber auch strukturelle Strömungen anzukämpfen. Diese ergeben sich zum einen aus der vor allem konjunkturell und durch die Schuldenkrise in Europa bedingten schwierigen Lage an den Finanzmärkten. Zum andern beschneiden neue Regulierungen massiv die Risiken, die Goldman künftig eingehen kann, und damit langfristig das Ertragspotenzial.

Diese beiden Belastungen haben sich denn auch in den Zahlen des zweiten Quartals niedergeschlagen. Ertrag und Gewinn bildeten sich im Vergleich mit dem Vorjahresquartal um 9% bzw. um 12% und im Vergleich mit dem direkten Vorquartal um 33% bzw. 55% zurück. Besonders mager entwickelten sich das Investment Banking und die dort im Zuge von Fusionen und Akquisitionen erbrachten Dienstleistungen der Bank. Ein Lichtblick war das zu der Sparte «Institutional Clients» zu rechnende Handelsgeschäft (Fixed Income, Currency and Commodities); dessen Ertrag legte um 37% auf 2,19 Mrd. $ zu.



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