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Tagblatt Online, 18. Juni 2012, 15:52 Uhr

Freudensprung der Börsen

Erleichtert haben Anleger in Asien und Europa auf den Entscheid der Griechen reagiert, in der Euro-Zone bleiben zu wollen. Die Regierungsbildung könnte diesmal gelingen, was die Unsicherheit an den Finanzmärkten etwas reduzieren würde.


Michael Rasch

Die Erleichterung war spürbar. Die Teilnehmer an den internationalen Finanzmärkten reagierten am Montagmorgen erfreut auf das mit Spannung und hoher Nervosität erwartete Ergebnis der Wahl in Griechenland. In Europa stiegen die wichtigsten Börsen-Indizes am Morgen um gut 1%. Vor allem die Aktien von Banken wie Unicredit und BNP Paribas lagen mit 2% bis 3% deutlich im Plus, ebenso wie die Papiere von Unternehmen aus zyklischen Branchen. Der Swiss-Market-Index (SMI) hing den anderen europäischen Börsenbarometern mit einer Avance von 0,7% etwas hinterher. Auch in Zürich lagen die Titel von Banken wie Julius Bär und Zyklikern wie Swatch an der Spitze des Tableau. Die Aktien von Credit Suisse und UBS stiegen lediglich rund 1%.

Am frühen Morgen waren bereits in Asien, wo aufgrund der Zeitzone jede Woche der Handel mit Wertpapieren als erstes beginnt, die führenden Indizes mit Kursgewinnen gestartet. Der Nikkei-Index , das Leitbarometer der japanischen Börse, stieg im Handelsverlauf um 1,8% auf über 8700 Punkte. Auch die Aktienmärkte von Hongkong, Singapur und Korea legten markant zu.

Am Devisenmarkt erstarkte der Euro in Dollar um gut 1% auf $ 1,2750, gab aber im Handelsverlauf wieder etwas nach. Erstaunlicherweise hatte die europäische Gemeinschaftswährung bereits im Vorfeld der Wahlen in Griechenland wieder an Wert gewonnen. In den vergangenen zwei Wochen war der Euro um gut 3% von $ 1,2287 auf $ 1,2667 gestiegen. Dies stand im Widerspruch zur hohen Nervosität an den Aktienmärkten und zu den in gefährliche Höhen steigenden Renditen von zehnjährigen spanischen und italienischen Staatsanleihen. Spanische Schuldtitel brachten Ende vergangener Woche eine rekordhohe Rendite von 7%, bei italienischen «Government Bonds» lag die Rendite bei über 6%.

In Athen ist die konservative Partei Nea Dimokratia als Siegerin aus den neuerlichen Wahlen hervorgegangen und kann nun vermutlich mit der sozialdemokratischen Pasok eine Regierung bilden. Die Nea Dimokratia lag mit rund 30% knapp vor der zweitstärksten Kraft, der Syriza, die auf einen Stimmenanteil von knapp 27% kam. Damit wurde ein Sieg der Linksradikalen knapp verhindert. Vor allem vor einem Triumph dieser Partei mit ihrem charismatischen Führer Alexis Tsipras hatten Europa und die Finanzmärkte gezittert.

Um möglichen Turbulenzen an den Börsen im Nachgang der Wahl in Athen vorzubeugen, hatten die führenden Notenbanken der Welt bereits Ende vergangener Woche signalisiert, dass sie für etwaige Hilfsmassnahmen parat seien. Im Fall von schweren Turbulenzen wurde von Marktteilnehmern eine abgestimmte Aktion der Zentralbanken erwartet, um die Liquidität im Interbankenmarkt und an den Finanzmärkten zu gewährleisten sowie den Börsianern zur Stärkung des Vertrauens ihren Beistand zu signalisieren. Dies ist vorläufig nicht nötig. Beobachter gehen jedoch davon aus, dass der positive Impuls durch den Wahlausgang in Athen nicht allzu lange anhalten wird. Eine langwierige Koalitionsbildung mit unklarem Ergebnis könnte die Unsicherheit fortbestehen lassen, meinten Analytiker.



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