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Tagblatt Online, 13. Juli 2012, 07:23 Uhr

Ein Quartal mit Tiefschlägen

Der CEO von J. P. Morgan Chase: Jamie Dimon. Zoom

Der CEO von J. P. Morgan Chase: Jamie Dimon. (Bild: J. Scott Applewhite/Keystone)

In den Wochen vor der Präsentation der Quartalszahlen haben in der US-Bankenwelt einmal mehr Negativschlagzeilen das Bild geprägt. Gesprächsthema Nummer eins war diesmal J. P. Morgan Chase.


Sebastian Schmid, New York

In den Wochen vor der Präsentation der Quartalszahlen haben in der US-Bankenwelt einmal mehr Negativschlagzeilen das Bild geprägt. Gesprächsthema Nummer eins war diesmal J. P. Morgan Chase. Jamie Dimon, CEO des grössten US-Finanzinstituts, hatte im Mai mindestens 2 Mrd. $ Verlust im Londoner Chief Investment Office sowie Fehler bei der Risikoberechnung eingeräumt. Seitdem rätseln Marktbeobachter, wie hoch der Verlust aus schiefgegangenen Wetten mit Kreditderivaten im zweiten Quartal letztlich sein wird. Jüngste Schätzungen an der Wall Street betragen rund 5 Mrd. $. Dies sollte die Bank angesichts ihrer Finanzstärke allerdings verkraften können. In der Vorjahresperiode verdiente J. P. Morgan 5,4 Mrd. $ bzw. $ 1.27 je Aktie. Von Thomson Reuters befragte Analytiker rechnen trotz dem Milliardenverlust in London für das abgelaufene Vierteljahr mit $ 0.76 Gewinn je Titel.

Neben J. P. Morgan stehen auch andere Banken in einem unvorteilhaften Licht. Zwar sollten einige von ihnen, allen voran Konsortialführer Morgan Stanley, am Facebook-Börsengang gut mitverdient haben. Der verpatzte Handelsstart und der darauffolgende Kurssturz des weltgrössten sozialen Netzwerks brachten aber alle anderen geplanten IPO-Aktivitäten zum Erliegen. Zudem wurde gemunkelt, dass Goldman Sachs und andere am IPO beteiligte Banken im Nachgang Hedge-Funds geholfen haben sollen, über Wertpapierleihen auf fallende Kurse der Facebook-Aktie zu wetten. Für Goldman-Chef Lloyd Blankfein war dies sicher kein moralisches Dilemma. Das Beziehen von zwei unterschiedlichen Positionen sei im Kontext des Market-Making kein Interessenkonflikt, hatte er schon vor Jahren festgehalten.

Im Laufe des Quartals sorgte auch die Rating-Agentur Moody's für schlechte Stimmung im Bankensektor. Die Bonitätsnoten aller grossen US-Institute abgesehen von Wells Fargo wurden um zuweilen mehrere Stufen herabgesetzt. Das schlug sich auch in gestiegenen Kreditversicherungskosten nieder. Ein Credit Default Swap (CDS) der Citigroup verteuerte sich binnen drei Monaten laut Credit Sights um 49 Basispunkte. Damit traf es die drittgrösste US-Bank, die am Montag (16. Juli) Zahlen vorlegen will, härter als alle anderen. Bei den Investmentbanken Goldman Sachs (17. Juli) und Morgan Stanley (19. Juli) weiteten sich die CDS-Spreads um 44 bzw. 45 Basispunkte aus, während sie bei Bank of America (17. Juli) nur um 35 Basispunkte ausgelaufen sind. Der zweitgrössten US-Bank trauen Analytiker eine klare Ergebnisverbesserung zu. Im Schnitt soll Bank of America 15 (i. V. –90) Cent je Aktie verdient haben. Bei Citigroup und Goldman Sachs werden derweil sinkende Gewinne erwartet. Im Vorjahresquartal hatte Bank of America allerdings anders als die Rivalen einen zweistelligen Milliardenverlust aus alten Immobilienkreditgeschäften zu verdauen. Ausgerechnet dieses Segment könnte im zweiten Quartal 2012 der Ergebnisträger gewesen sein. Zuletzt habe sich der US-Häusermarkt wieder etwas stabilisiert und die gesunkenen Kreditkosten hätten wieder mehr Refinanzierung oder Erstfinanzierung gebracht, schreibt Credit Sights.



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