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Tagblatt Online, 30. Juli 2012, 05:59 Uhr

«Alles zur Euro-Rettung tun»

Der Vorsitzende der Euro-Gruppe, der luxemburgische Premierminister Jean-Claude Juncker, hat eindringlich vor einem Zerfall der gemeinsamen Währungszone gewarnt. Auch unterstütze er die Pläne von EZB-Chef Draghi zum Ankauf von Staatsanleihen.


Führende Vertreter der Euro-Zone haben sich am Wochenende um eine Beruhigung in der Euro-Schuldenkrise bemüht. Die deutsche Kanzlerin Merkel liess nach einem Telefonat mit dem italienischen Ministerpräsidenten Monti mitteilen, dass «Deutschland und Italien alles tun werden, um die Euro-Zone zu schützen». Auch müssten die Beschlüsse des letzten Euro-Gipfels zur Sicherung der Euro-Zone rasch umgesetzt werden. Eine fast gleichlautende Erklärung hatten Merkel und der französische Präsident Hollande am Freitag abgegeben. Zuvor war vom EZB-Präsidenten Draghi gesagt worden, die Zentralbank sei innerhalb ihres Mandats bereit, alles Erforderliche zum Erhalt der Gemeinschaftswährung zu tun.

Eine konkrete Intervention deutete der Chef der Euro-Gruppe, Jean-Claude Juncker, an. In einem Interview mit der «Süddeutschen Zeitung» bestätigte er Überlegungen, dass die Euro-Länder zusammen mit dem Rettungsfonds EFSF und der Europäischen Zentralbank (EZB) Staatsanleihen von Euro-Krisenländern aufkaufen könnten. Daran bestehe kein Zweifel, sagte er im Interview. Es sei noch zu entscheiden, wann man genau was machen werde. Dies hänge von den Entwicklungen der nächsten Tage ab und davon, wie schnell eine Reaktion notwendig werde. Man handle zusammen mit der Europäischen Zentralbank, ohne deren Unabhängigkeit anzutasten. Juncker warnte gleichzeitig eindringlich vor dem Zerfall der Euro-Zone. Es sei jetzt keine Zeit mehr zu verlieren. Die Euro-Länder müssten mit allen verfügbaren Mitteln deutlich machen, dass sie die Finanzstabilität der Währungsgemeinschaft gewährleisten wollten.

Derweil sandte die deutsche Regierung weitere Signale der Härte in Richtung Griechenland. Finanzminister Schäuble lehnte in einem Interview Zugeständnisse ab. So wandte er sich gegen einen weiteren Schuldenschnitt für Griechenland, über den in den vergangenen Tagen spekuliert worden war und der dieses Mal von den öffentlichen Gläubigern getragen werden müsste. Es sei nicht sinnvoll, alle halbe Jahre so eine Aktion in Angriff zu nehmen, sagte Schäuble. Auch Zugeständnisse beim laufenden Hilfsprogramm lehnte er ab. Griechenland habe das Programm unzureichend umgesetzt. Es helfe nicht, jetzt über mehr Geld oder mehr Zeit zu spekulieren. Umgekehrt kritisierte Schäuble die Art und Weise, wie in Deutschland über Griechenland debattiert wird. Wer über einen Austritt des Landes aus der Euro-Zone spekuliere, der schüre nur die Verunsicherung an den irrationalen Finanzmärkten.



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Leser-Kommentare:
4 Beiträge
ith.eduard (30. Juli 2012, 18:51)
Es ist zu spät, der Anfang vom Ende hat längst begonnen

Eine alte Weisheit besagt, man wirft schlechtem Geld kein Gutes nach. Aber genau das wurde als schwerwiegender Fehler im Fall Griechenland gemacht! Deutschland steht nun durch seine Bürgschaften mit dem Rücken zur Wand. Selbst bei einem geregelten Staatsbankrott der Helenen verliert Deutschland 100 Mia. Euro, und das bei einer Staatsverschuldung von 2'100 Mia.€, was 81% vom BIP ausmacht.

Der Unterschied zwischen den grossmutigen Politikern und dem armem Schwein ist, dass das arme Schwein längst weiss, dass irgendwann der Hammer kommt. Denn die Währungsunion hat einen gravierenden Mangel: Es ist ein Konstrukt nur nach politischen Gesichtspunkten und hebelt die Prinzipien der freien Finanz- und Markwirtschaft völlig aus. Man nehmen nur mal im Vergleich die Lohnstück-Kosten in Griechenland zu Deutschland und das mit der gleichen Währung. Das kann nicht funktionieren, weil der Ausgleich über die Währung fehlt. Euro ist und bleibt eben Euro

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schwizer (30. Juli 2012, 15:25)
Weshalb...

...will man hier ein untergehendes Schiff noch weiter mit Reparaturen unterhalten? Es muss endlich ein Schnitt gemacht werden - lieber ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende! Mal ehrlich - wie wichtig sind die Griechen fuer die Weltwirtschaft? Jahrelang hat man am Fiskus vorbei gewirtschaftet - Einkommen nicht deklariert, sogar die Politiker haben Dreck am Stecken! Und die Nationalbank sollte mit ihren zig-Milliarden auf Einkaufstour gehen - ein Territorium oder ein Treuhandgebiet waere uns sehr von nutzen! Hast Du Geld gehoert Dir die Welt!

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Klartext-Arena (30. Juli 2012, 13:28)
EUROWÄHRUNGSRAUM JA

pg.27.07.2012 Die gut ausgebildeten Ökonomen und Kaufleute der Betriebs- Finanz- und Volkswissenschaften und die Finanz- und Kapitalwirtschaft wissen es schon lange – alle Überschuldeten EU-Länder im Eurowährungsraum können auch mit Rettungsschirm die rigorose Spardiktatur der TROIKA nicht erfüllen.

Nur die TROIKA der EU-Union + IWF + Rettungsschirm wissen es offensichtlich nicht -
Sie fühlen und führen sich in den EU-Ländern auf als ob sie die Herrschaft über EUROPA hätten!
Die EU-UNION setzt sich zusammen aus den beigetretenen EU-Ländern innerhalb und ausserhalb des Eurowährungsraumes. Sie werden kaum die Herrschaft der TROIKA hinnehmen wenn die TROIKA mit ihrer Spardiktatur die verschuldeten und überschuldeten EU-Länder in die Staatsinsolvenz und zum Austritt aus dem Eurowährungsraum und dem Austritt aus der EU-Union treibt und zu Sparmassnahmen zwingt welche die EU-Länder
gar nicht erwirtschaften und erfüllen können.

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adolfk31 (30. Juli 2012, 06:21)
Es ist doch sehr schwierig ...

Eine Währung zu retten, in deren weltweit kein einziger Rohstoff gehandelt wird !

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