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Tagblatt Online, 13. Juli 2012, 07:16 Uhr

Zwischen Pilgerweg und Wolfsspuren

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(Bild: Adrian Baer / NZZ)

Braucht Schwyz einen Mittelpunkt? Ist es möglich, diesen ebenso eigensinnigen wie vielfältigen Kanton auf einen Nenner zu bringen? Wohl kaum. In Wollerau und Küssnacht wohnen Leute, die regelmässig in Zürich und Luzern verkehren, aber den Hauptort Schwyz nicht kennen.


Braucht Schwyz einen Mittelpunkt? Ist es möglich, diesen ebenso eigensinnigen wie vielfältigen Kanton auf einen Nenner zu bringen? Wohl kaum. In Wollerau und Küssnacht wohnen Leute, die regelmässig in Zürich und Luzern verkehren, aber den Hauptort Schwyz nicht kennen. Schwyz zerfällt in zwei «Halbkantone» – Ausserschwyz, Innerschwyz, dazwischen liegt Einsiedeln, das sich gern als kulturelles und geistliches Zentrum sieht. Der geografische Mittelpunkt des Kantons liegt zwischen Ausser- und Innerschwyz, auf dem Weg nach Einsiedeln.

Er befindet sich im Wandergebiet zwischen Gschwändstock und Butziflue in der Gemeinde Oberiberg. Der Mittelpunkt selber kann nicht direkt begangen werden, da er in einem jener Flachmoore liegt, von denen der Kanton einige hat und die zu schützen ein Vierteljahrhundert nach der Rothenthurm-Abstimmung heute allgemein anerkanntes Gut ist. Weil er zu Fuss nur mit Mühe erreichbar ist, wurde die Markierung mit einer Tafel in seiner Nähe, an einer Kreuzung des Wanderweges mit Namen Butziflue, vorgenommen, wo die letzte Etappe des Schwyzer Höhenwegs und der Pilgerweg nach Santiago de Compostela vorbeiführen.

Nach dreieinhalb Stunden Fussmarsch erreicht der Wanderer oder in früheren Zeiten der Pilger dann Einsiedeln. Vor drei Jahren wurden im Gebiet Spuren eines italienischen Wolfs entdeckt, zum ersten Mal im Kanton Schwyz. Mit etwas Glück begegnet man im Gebiet Rebhühnern.

Von ihnen erzählt eine jener vielen Sagen, die der Sagenforscher Hans Steinegger zusammengetragen hat. Einmal habe ein Älpler auf ein Rebhuhn geschossen, das auf einer Tanne sass. Beim letzten Schuss wollte die Lunte zuerst nicht brennen. Mithilfe eines Gebets gelang es ihm, sie zu entflammen, und der Schuss ging los, doch das Gewehr schlug ihm auf den Kopf. Der Älpler trat unverrichteter Dinge den Heimweg an. Als er wieder aus seiner Hütte kam, sass das Rebhuhn wieder auf einer Tanne und nickte ihm zu. Der Älpler erzählte die Geschichte seinem Bruder, und auch diesem gelang es nicht, das Rebhuhn zu schiessen. Es sei an diesem Ort «nid ghöörig zuegangen», schliesst die Sage, was zum wildromantischen Ort passt.

Koordinaten: 700 119, 213 148



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