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Tagblatt Online, 27. Juni 2012, 21:25 Uhr

Zweite Gotthardröhre für die Sicherheit und das Tessin

Der Bau der zweiten Strassenröhre erfolgt laut Bundesrat ohne Kapazitätserhöhung. Zoom

Der Bau der zweiten Strassenröhre erfolgt laut Bundesrat ohne Kapazitätserhöhung. (Bild: Keystone)

Die Landesregierung spricht sich für eine zweite Röhre für Autos durch den Gotthard aus. Sie begründet dies mit der Anbindung des Tessins während der Sanierung und mit der Sicherheit. Das letzte Wort wird das Volk haben.


Christof Forster, Bern

«Der Gotthard ist und bleibt ein Mythos», sagte Verkehrsministerin Doris Leuthard mitten in ihren technischen Erläuterungen am Mittwoch vor den Medien. Viel Symbolik wird mitschwingen, wenn in den nächsten Jahren über die zweite Gotthardröhre gestritten werden und es dabei eine Spur härter und grundsätzlicher als üblich zu- und hergehen wird. Bereits haben SP, Grüne und Verbände das Referendum angekündigt.

Anlass zum Entscheid für den erneuten Gotthard-Durchstich ist die Totalsanierung des 17 Kilometer langen Strassentunnels, der 1980 eröffnet wurde. Zwischen 2020 und 2025 müssen die Zwischendecke und der Fahrbahnbelag erneuert werden. Dazu hatte der Bundesrat vor zwei Jahren verschiedene Varianten präsentiert, die eine komplette Sperrung des Tunnels von mindestens 900 Tagen bedingen. Er kam zum Schluss, dass die Sanierung ohne den Bau einer zweiten Röhre technisch möglich ist.

«Geld am besten investiert»

In seiner Sitzung vom Mittwoch hat die Regierung nun die Vor- und Nachteile der einzelnen Varianten gewichtet – mit dem Ergebnis, dass die zweite Strassenröhre die sinnvollste Lösung sei, wie Leuthard erklärte. Damit bleibe die für die Schweiz und Europa wichtige Gotthard-Verbindung während der Sanierung des Strassentunnels erhalten. Die Verkehrsministerin verneinte auf Nachfrage, dass die EU die Schweiz zum Bau der zweiten Röhre dränge.

«Mit der zweiten Röhre ist das Geld am besten investiert», sagte Leuthard. Zwar sind die Optionen ohne Tunnelneubau, der 2,8 Milliarden Franken kostet, bis 1,6 Milliarden Franken günstiger zu haben. Weil die Verladeanlagen für Autos nach erfolgter Sanierung jedoch wieder abgebaut werden müssten, wären diese Investitionen nicht nachhaltig. Zudem würde die übernächste Generation bei der dannzumal fälligen Überholung des Tunnels wieder vor dem gleichen Problem stehen.

Der zweite Tunnel bringt laut Bundesrat auch punkto Sicherheit Verbesserungen. Damit liesse sich die Gotthard-Verbindung ohne Gegenverkehr betreiben, was das Risiko von Kollisionen senkt.

Knackpunkt Alpenschutz

Eine Rolle gespielt haben auch regionalpolitische Überlegungen. Von den vier Gotthardkantonen Graubünden, Tessin, Uri und Wallis ist nur Uri gegen die zweite Röhre. Speziell das Tessin sei auf eine gute Anbindung an den Norden angewiesen, sagte Leuthard. Dass die Erreichbarkeit des Südkantons leiden würde, hielt auch ein 2011 publizierter Bericht des Verkehrsdepartements fest. Die Auswirkungen auf die Gesamtwirtschaft wurden hingegen als vergleichsweise gering betrachtet.

Ein Knackpunkt in den Diskussionen um die zweite Strassenröhre ist der Alpenschutzartikel in der Verfassung. Der Bundesrat will deshalb die Benützung der Fahrspuren auf je eine pro Richtung beschränken. Für die Gegner handelt es sich dabei um Augenwischerei. Sie befürchten, dass nach Fertigstellung der zweiten Röhre der Druck für einen Betrieb mit vier Spuren massiv steigen wird.

Im Parlament gute Chancen

Ende Jahr will der Bundesrat die Vernehmlassungsvorlage und 2013 die Botschaft verabschieden. Im Parlament hat das Geschäft gute Chancen. SVP, FDP, CVP und BDP unterstützen das Anliegen des Bundesrates. Entsprechende Vorstösse wurden bereits in der letzten Legislatur eingereicht. Mit Kritik muss Leuthard aus der Westschweiz und den grossen Agglomerationen rechnen, die ihre Projekte zur Beseitigung der Autobahn-Engpässe gefährdet sehen. Diese Befürchtungen seien nicht begründet, sagte Leuthard am Mittwoch. Sie räumte gleichzeitig ein, dass der Gotthard nicht zu den wichtigsten Engpässen im Schweizer Strassennetz gehört.

Die Beschränkung der Kapazitäten auf zwei Spuren will der Bundesrat mit einer Gesetzesänderung festlegen, die dem fakultativen Referendum unterliegt. Die Abstimmung würde voraussichtlich ein Jahr vor der Eröffnung des Eisenbahnbasistunnels durch den Gotthard stattfinden. Dies dürfte den Gegnern zugutekommen, die auf die investierten Milliarden für die Verlagerung des Güterverkehrs auf die Schiene verweisen werden.

Bei positivem Ausgang könnte der neue Tunnel ohne langwierige Rechtsverfahren frühestens 2027 in Betrieb gehen. Die Sanierung der bestehenden Röhre würde danach angegangen.



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Leser-Kommentare:
2 Beiträge
Willi1937 (27. Juni 2012, 18:45)
Kosten

1 Milliärdeli soll die zweite Röhre kosten und jetzt schreien die Linken und Grünen bereits woher das Geld nehmen. Wegen der Kosten von 100 - 150 Milliarden die uns der Atomausstieg kosten wird, hat man noch nie ein Wort gehört. Komisch!

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SalvaO (27. Juni 2012, 17:40)
Schildbürger Streich!

Eine zweite Röhre zu bauen ist schon seit ^Jahrzehnten überfällig.Doch der Vorschlag nach Fertigstellung der Revision nur eine Spur pro Richtung offen zu halten ist ein wahrer Schildbürgerstreich alla Schweiz!Haben es die klugen Leute immer noch nicht geschnallt,das fliesender Verkehr der Umwelt weniger schadet als der wiederkehrende Stau?Ich frag mich was in den Hirnen der Linken und Grünen vor geht!Sorry, aber das kann ich nicht nachvollziehen.

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