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Tagblatt Online, 5. August 2012, 20:17 Uhr

Versorgungssicherheit statt Extensivierung

In einem ihrer Kernthemen meldet die SVP Widerstand an. Sie weist die neue Agrarreform zurück. Die heimische Produktion soll durch Abschottung des Marktes gestärkt werden.


Markus Hofmann, Grosswangen

Die Inszenierung hätte kaum besser sein können. Auf einem Hügel beim Bauernhof des ehemaligen Luzerner Nationalrates Josef Kunz (svp.) wehten am Samstag Schweizer, Luzerner und SVP-Fahnen, der Blick ging weit über gepflegtes Kulturland, und der Duft von Wurstgrills wehte über rund tausend Personen, die der Einladung zur SVP-Bauern-Landsgemeinde gefolgt waren. Die Reklameschriften ausländischer Biermarken vermochten die Stimmung nicht zu stören.

Die SVP wollte ihrem Widerstand gegen die neue Agrarreform, der Agrarpolitik 2014–2017, Ausdruck verleihen. Zurzeit wird diese in der nationalrätlichen Kommission behandelt. Die SVP, die sich gerne als Bauernpartei präsentiert, will sie zurückweisen.

Im Bundesamt für Landwirtschaft sässen Technokraten, die eine «Umerziehungspolitik» betrieben, sagte SVP-Präsident und Nationalrat Toni Brunner. Mit «Umerziehungsbeiträgen» wolle Bundesrat Johann Schneider-Ammann die Bauern auf Extensivierung trimmen. Was hinter dieser Absicht stehe, sei klar: Mit weniger intensiver Produktion senke man den Eigenversorgungsgrad. Dies habe eine Öffnung der Grenzen für Importe zur Folge, billigste Nahrungsmittel würden eingeführt. «Da macht die SVP nicht mit», sagte Brunner.

Der Nationalrats- und Bauernverbandspräsident Hansjörg Walter (svp., Thurgau) forderte FDP und CVP dazu auf, zusammen mit der SVP den Fokus der neuen Agrarreform auf die Versorgungssicherheit statt auf nur die Ökologie zu richten. Geht es nach der SVP, sollen die Bauern nicht zu «Landschaftsgärtnern degradiert» werden; die Produktion stehe an erster Stelle der bäuerlichen Aufgaben.

Freihandelsabkommen, die zur «Opferung» der Schweizer Landwirtschaft führen würden, lehne die Partei ab, sagte Brunner. Gegenüber sektoriellen Abkommen mit dem Ausland, die andere Wirtschaftszweige betreffen, verschliesse man sich aber nicht.

Die SVP-Bauern-Landsgemeinde verabschiedete zuhanden des Bundesrates und des Parlaments eine Resolution, in der sie neben der Korrektur der Agrarreform forderte, die bäuerliche Einkommenssituation zu verbessern. Auch sollten endlich Massnahmen beschlossen werden, die den Zerfall des Milchpreises aufhielten. Die Schweiz soll die Chance nutzen, sich an der Weltausstellung 2015 in Mailand als Land mit herausragenden Landwirtschaftsprodukten zu präsentieren. Die Weltausstellung ist dem Thema Ernährung gewidmet. Da die SVP die Viehschauen durch die laufende Revision der Tierzuchtverordnung bedroht sieht, verlangt sie, dieses Kulturgut zu erhalten.



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Leser-Kommentare:
2 Beiträge
deich (05. August 2012, 08:56)
Doping

"Intensivlandwirt Brunner" lehnt bekanntlich stets alles ab, was da "extensiv" von Bern her schwappt, spricht gar von "Umerziehungspolitik". Solche Floskeln ordnet man gemeinhin kommunistisch geprägten Ländern zu. Nun grassiert eine solche Politik mitten in Europa: Was sind das nur für Zustände! Grillwurstrauch schien da "auf einem Hügel" wie Gehirndoping für eine bessere Welt zu wirken. Dabei geht es nur um bezahlbare Landwirtschaftsprodukte - auch für weniger Begüterte, im Kern um eine zu schaffende sinnvolle Einheit von Ökologie und Ökonomie in unserer Zeit, an der alle teilhaben können. Ein demokratisches Modell der Zusammenarbeit vieler - auch über Grenzen hinweg!

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adolfk31 (05. August 2012, 03:28)
Es gibt ...

praktisch KEIN Land auf dieser Welt, das die eigenen Agrar- Produkte nicht mittels sogenannten „amtlichen Subventionen“ zur weiteren Existenz der eigenen Landwirtschaft minutiös schützt ! - Der Widerstand dagegen in der Schweiz kommt daher lediglich von unseren üblich unerfahrenen Experten, die uns weiterhin von violett farbigen Kühen erzeugten „Niddel“ andrehen möchten ...

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