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Tagblatt Online, 5. August 2012, 18:45 Uhr

Versammlung ohne Zwischenfälle

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Rund 200 Rechtsextreme haben sich am 5. August 2012 auf dem Rütli getroffen, um gemaess eigenen Angaben «auf patriotische Weise» den Schwur der Eidgenossenschaft zu feiern. (Bild: Keystone/Sigi Tischler)

Rund 200 Mitglieder rechtsextremer Gruppierungen sind am Sonntag auf dem Rütli zu einer Feier aufmarschiert. Die Polizei war präsent und filmte den Anlass, schritt aber nicht ein.


Auf dem als Geburtsstätte der Schweiz mystifizierten Rütli haben sich am Sonntagnachmittag rund 200 Personen aus rechtsextremen Kreisen versammelt. Mit dem Aufmarsch sollte gemäss Angaben der Organisatoren «der Schwur der Eidgenossenschaft auf patriotische Weise» gefeiert werden. Der Anlass verlief laut Karl Egli, dem Sprecher der Urner Kantonspolizei, ohne Zwischenfälle. Es seien vier Reden gehalten worden, der «Rütlischwur» erneuert und die alte Nationalhymne gesungen worden. Die Polizei sei zwar präsent gewesen, habe aber nicht eingreifen müssen, betont Egli. Wohl hätten die Teilnehmer Fahnen und Plakate mitgenommen, Propagandamaterial habe man nicht gefunden. Die Polizei filmte den Aufmarsch aber, um allfällige Gesetzesverstösse strafrechtlich verfolgen zu können.

Keine Gegendemonstration

Die Rütliwiese wird von der Schweizerischen Gemeinnützigen Gesellschaft (SGG) verwaltet. Gemäss Hausordnung der Gesellschaft dürfen Anlässe mit über 50 Teilnehmern nur mit einer Bewilligung durchgeführt werden. Die Organisatoren der Feier vom Sonntag hatten eine solche jedoch nicht eingeholt. Das Reglement ist allerdings rechtlich nicht bindend, weshalb die Polizei laut Egli auch keine Handhabe hatte, um gegen den Anlass vorzugehen.

Im Gegensatz zu früheren Aufmärschen von Rechtsradikalen kam es in diesem Jahr nicht zu Scharmützeln mit linken Gegendemonstranten. Entsprechende Aufrufe auf einschlägigen Internetportalen waren im Vorfeld ausgeblieben. Auch die Jungsozialisten (Juso), die mit einer Gegendemonstration geliebäugelt hatten, verzichteten schliesslich auf eine Aktion.

Mehrere Gruppierungen

Zur Feier aufgerufen hatte die Partei national orientierter Schweizer (Pnos). Für den Anlass mobilisierten zudem weitere rechtsextreme Gruppierungen. Damit hätte das im Internet deklarierte Ziel, «einen der grössten patriotischen Aufmärsche der Neuzeit» durchzuführen, erfüllt werden sollen.



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Leser-Kommentare:
5 Beiträge
mercator (06. August 2012, 16:06)
....im Prinzip unerheblich.....

Woher eine Gruppierung ihr Bewusstsein bezieht ist solange unerheblich, als die Gruppe sich regel- und gesetzteskonform verhält. Vom Kraftort 'Rütli' kann man offenbar auf ganz unterschiedliche Art und Weise Stärkung erfahren, was nur beweist, dass es ein real existierender Kraftort für alle ist !

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ngee (09. August 2012, 00:01)
Projizierter Selbsthass

Ich bezweifle ernsthaft, dass diese Menschen irgendeine Form von Sensibilität besitzen und Kraftorte aufspüren können. Wer an projiziertem Selbsthass leidet sollte mal zuerst zum Seelenklempner und nicht in eine Gruppe, die im nationalsozialistischen und holocaustleugnenden Sumpf watet und ihm eine Pseudo-Ersatzfamilie vorgaukelt.

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adolfk31 (06. August 2012, 04:08)
Gratuliere !

Für das Verhalten dieser politischen, von uns Bürgern gezüchteten, leider nur schwer verständlichen Rand Gruppe ! Selbstverständlich fordern wir, dass nun bei allen Veranstaltungen auf dem Rütli die Polizei gleich akribisch die Teilnehmer fotografiert und Überwacht ! - Dann nähern wir uns wieder vermehrt dem demokratischem Gedankengut ! Gleiches Recht für Alle, oder degradieren wir gar lediglich zu „Teig Genossen“ ?

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ngee (05. August 2012, 21:58)
Nationalbewusstsein

Wer kein Selbstbewusstsein hat, braucht ein Nationalbewusstsein!

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zombie1969 (05. August 2012, 16:59)
Anderswo...

heisst es: “präsent sein und keine Rechtsgutverletzungen tolerieren”
Gute Einstellung hat der Sprecher der Kantonspolizei. Da es auf dem Rütli mit angrenzender Wahrscheinlichkeit zu keinen “Rechtsgutverletzungen” kommen dürfte, sollte er seine Nulltoleranzpolitik anderswo ausleben als auf dem Rütli. Empfehlenswert wäre da z. B. der nächste Bahnhof oder das nächste Asylbewerberheim. Dort gäbe es genügend zu tun.

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