Direkte Links und Access Keys:

Tagblatt Online, 1. August 2012, 15:28 Uhr

Schutzhunde ermöglichen Nebeneinander von Herden und Raubtieren

Ein Maremmahund bewacht am Freitag, 13. Juli 2007, eine Schafherde am Flüelapass. Zoom

Ein Maremmahund bewacht am Freitag, 13. Juli 2007, eine Schafherde am Flüelapass. (Bild: Keystone / Jakob Menolfi)

Der Einsatz von Herdenschutzhunden erfolgt hierzulande auf freiwilliger Basis. Vor allem in der Westschweiz hat man mit diesem System gute Erfahrungen gemacht, es sind deutlich weniger Schafe gerissen worden.


Knapp 200 Herdenschutzhunde sind auf 90 Alpen im Einsatz. Seit 1999 führt das Bundesamt für Umwelt (Bafu) das Programm «Herdenschutz Schweiz», um die Integration von Schutzhunden in die Herden zu fördern. Bundesrätin Doris Leuthard machte sich am Dienstag gemeinsam mit der Waadtländer Staatsrätin Jacqueline de Quattro, Vorsteherin des Sicherheits- und Umweltdepartements, ein Bild von der Arbeit der Herdenschutzhunde auf der Alp Creux de Champ in Les Diablerets im Kanton Waadt. Bereits zu Beginn wurde klar, dass die Herdenschutzhunde ihr Handwerk beherrschen, auf die unerwarteten Besucher reagierten sie mit lautem Gebell.

Touristen als Bedrohung

Jean-Pierre Vittoni, Bewirtschafter des Betriebs auf der Alp Creux de Champ, arbeitet seit zehn Jahren mit Herdenschutzhunden und züchtet diese selber. Seine Tiere gehören grösstenteils zur Rasse der Pyrenäenberghunde. «Ein Hund reicht in der Regel aus, um eine Schafherde von rund 80 Tieren zu bewachen», sagte Vittoni. Die Hunde wüchsen mit der Herde auf, die Schafe seien ihre Familie. Deshalb setzten die Hunde alles daran, die Herde gegen Eindringlinge zu verteidigen. Leider nähmen die Hunde oftmals auch Touristen als Bedrohung wahr.

Um unangenehme Begegnungen von Wanderern und Herdenschutzhunden zu vermeiden, hat der Verein Herdenschutzhunde Schweiz Verhaltensregeln entwickelt, wie Distanz zur Herde zu halten oder einfach Ruhe zu bewahren. In der Vergangenheit hat sich mehrfach gezeigt, dass Herdenschutzhunde nicht nur in der Lage sind, die Schafe vor vermeintlichen Gefahren wie Touristen, sondern auch, vor Grossraubtieren zu schützen. Während im Jahr 2008 noch 34 Schafe und Ziegen dem Wolf zum Opfer gefallen waren, wurde 2011 lediglich ein Schaf im Waadtländer Jura von einem Luchs gerissen. Auch Vittoni hatte in der Vergangenheit gelegentlich Verluste zu melden, einige seiner Schafe wurden vom Luchs getötet.

Aufwendige Ausbildung

Bundesrätin Doris Leuthard zeigte sich von dem Einblick in die Alltagsarbeit der Herdenschutzhunde beeindruckt: «Man sieht, dass der Schafhirt seine Hunde im Griff hat, Mensch und Tier haben eine lange Beziehung.» Es sei wichtig, dass die Herdenschutzhunde und ihr Besitzer gemeinsam den Ausbildungsprozess durchlebten, um ein Vertrauensverhältnis aufzubauen.

Gemäss dem Züchter Vittoni dauert die Ausbildung eines Herdenschutzhundes rund zwei Jahre. Der Bund unterstützt die Halter von Herdenschutzhunden durch Beiträge für den Kauf und Unterhalt der Tiere sowie durch Beratungen. Die Schutzmassnahmen beruhen jedoch auf freiwilliger Basis. Die Unterstützung des Bundes sei äusserst wichtig, sagt Staatsrätin Jacqueline de Quattro. Ohne die Finanzierung der Herdenschutzhunde wäre es schwieriger, die Herdenbesitzer zur Ergreifung von Schutzmassnahmen zu bewegen. «Die Ausbildung von Herdenschutzhunden braucht viel Zeit, es ist löblich, dass die Bauern diesen Aufwand auf sich nehmen», sagt Leuthard. Der Einsatz von Herdenschutzhunden habe Zukunft. «Dadurch wird das Zusammenleben von Grossraubtieren und Herden ermöglicht, ohne dass grössere Eingriffe, beispielsweise im Jagdbereich, nötig sind.»



Kommentar schreiben

Um Beiträge schreiben zu können, müssen Sie eingeloggt sein.
Noch keinen Zugang? Jetzt kostenlos registrieren.



Leser-Kommentare:
1 Beitrag
adolf31 (01. August 2012, 17:50)
Das ist aber ....

zuerst rotten wir die Wildtiere aus zu unserem Personen Schutz, und nun führen wir diese wir ein zum Schäfli Schmatz ...

Beitrag kommentieren

Anzeige:

tagblatt.ch / leserbilder

leserbilder.jpg