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Tagblatt Online, 11. Juli 2012, 20:14 Uhr

SVP will Prämien auf Kosten von Alten und Kranken senken

Die SVP will den Selbstbehalt in den Krankenkassen erhöhen. Zoom

Die SVP will den Selbstbehalt in den Krankenkassen erhöhen. (Bild: Keystone / Martin Rüetschi)

Im Kampf gegen steigende Gesundheitskosten möchte die SVP die Eigenverantwortung stärken und die Patientinnen und Patienten stärker zur Kasse bitten. In einem Positionspapier schlägt sie unter anderem die Erhöhung des Selbstbehalts von 700 auf 1400 Franken vor.


(sda)

Für die Abschaffung der obligatorischen Krankenversicherung findet sich derzeit keine Mehrheit. Diese Erkenntnis hat sich auch bei der SVP durchgesetzt. Das hindert die Partei nicht daran, am Prinzip der Solidarität zu rütteln, auf dem das Schweizer Gesundheitswesen basiert.

Das bringt es mit sich, dass Gesunde für Kranke und Junge für Alte bezahlen müssen. Dort setzt die SVP an: In einem Positionspapier zum Gesundheitswesen in der Schweiz setzt sie der «linken Idee der Verstaatlichung» mehr Wettbewerb und Eigenverantwortung entgegen, wie Parteipräsident Toni Brunner am Mittwoch vor den Bundeshausmedien sagte.

Dass es sich dabei um «bittere Medizin» handelt, ist ihm klar. Nach dem Nein zu Managed Care brauche es eine tabulose Diskussion «mit Ideen, die nicht nur gefallen». Tatsächlich zielen die Rezepte der SVP gegen steigende Prämien und Gesundheitskosten vor allem darauf ab, jene stärker zu belasten, die die Kosten verursachen, also ältere Menschen und Kranke.

Verdoppelter Selbstbehalt

Dies soll unter anderem über einen höheren Anteil an selbst getragenen Kosten geschehen. Die SVP schlägt etwa vor, den Selbstbehalt von 700 auf 1400 Franken zu verdoppeln und die Mindestfranchise zu erhöhen, beispielsweise auf 2500 Franken. «Ich würde 5000 Franken selber bezahlen, wenn ich könnte», sagte der Nationalrat und selbständige Wirtschaftsberater Sebastian Frehner (Basel-Stadt).

Mit der höheren Kostenbeteiligung hofft die SVP die «Konsumhaltung» der Versicherten einzudämmen. Ein spezieller Anreiz für höhere Franchisen soll für ältere Menschen gesetzt werden, da diese ein viel grösseres Krankheitsrisiko haben und darum auch mehr Kosten verursachen. Entlasten möchte die SVP im Gegenzug junge Familien und junge Erwachsene in Ausbildung.

Ein auf das «Notwendige» ausgedünnter Leistungskatalog soll die Prämienzahler weiter entlasten. Heute bezahlten die Krankenkassen sogar die Behandlung einer Grippe, Schwangerschaftsabbrüche und Leistungen im Zusammenhang mit Drogensüchtigen, kritisierte Frehner. Dies führe zu einer «Vollkaskomentalität» der Bevölkerung.

Vertragszwang aufheben

Die SVP nimmt auch Ausländerinnen und Ausländer ins Visier, insbesondere Personen, die sich nur kurz in der Schweiz versichern lassen, um teure Behandlungen durchführen zu lassen. Asylsuchende und vorläufig Aufgenommene sollen ausserhalb des Systems der obligatorischen Krankenversicherung behandelt werden.

Ein weiteres «Übel» im Gesundheitswesen liegt laut Frehner im Vertragszwang. So lange die Krankenkassen mit den Leistungserbringern Verträge zu staatlich festgelegten Tarifen abschliessen müssten, würden die Kosten nicht sinken, sagte er.

Kostensenkend soll sich der Wettbewerb unter den Krankenkassen auswirken. Eine Einheitskrankenkasse lehnt die SVP selbstredend ab. Wettbewerb vermeiden möchte sie dagegen bei den praktizierenden Ärzten, deren Zahl wieder beschränkt werden soll.

Nicht billig

Die SVP stehe zu einem qualitativ hochstehenden Gesundheitswesen, sagte Brunner. Ein solches könne nicht billig sein. Der SVP plädierte aber dafür, neben den Ansprüchen der hilfsbedürftigen Kranken auch die Seite jener zu sehen, die das System finanzieren müssten.

Das Gesundheitsobservatorium Obsan hatte am Dienstag die Kostenentwicklung in der obligatorischen Grundversicherung zwischen 1998 und 2010 bekannt gegeben: Die Kosten sind in den 12 Jahren um knapp einen Drittel auf rund 22 Milliarden Franken gestiegen. Als grösste Kostentreiber identifizierte das Obsan Medikamente und ambulante Behandlungen



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Leser-Kommentare:
9 Beiträge
Alfons.Wirth (14. Juli 2012, 08:55)
Die Alten waren auch mal jung

Die Alten waren auch mal jung und haben Prämien bezahlt ohne hohe Kosten zu verursachen. So einfach wäre es, wenn man denken könnte.

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lovac (12. Juli 2012, 10:57)
Nächste Wahlen, willkommen im "15% Verein"!

Diese Partei zeigt einmal mehr, dass sie für den "Otto-Normalverbraucher" unwählbar ist. Ich schlage vor, dass Hr. Brunner sich dafür einsetzt, dass sämtliche Unterstützungen und Direktzahlungen an die Landwirtschaft aufgehoben werden. Der Verbraucher kann dann selber entscheiden, ob er die total überteuerten, schweizerischen Produkte, oder aber die günstigen, qualitativ ebenbürtigen, ausländischen Produkte kaufen will.

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hpwe44 (12. Juli 2012, 07:38)
Pfui Wirtschaftsberater

Zitat:
Verdoppelter Selbstbehalt
Dies soll unter anderem über einen höheren Anteil an selbst getragenen Kosten geschehen. Die SVP schlägt etwa vor, den Selbstbehalt von 700 auf 1400 Franken zu verdoppeln und die Mindestfranchise zu erhöhen, beispielsweise auf 2500 Franken. «Ich würde 5000 Franken selber bezahlen, wenn ich könnte», sagte der Nationalrat und selbständige Wirtschaftsberater Sebastian Frehner (Basel-Stadt).
Zitat- Ende
Leute mit solch schizophrenen Gedanken müssten mindestens 100'000 Fr. bezahlen !!
Dem kann man eigentlich nur mit Parteiaustritt entgegnen. Aber wenn man weiss, was für Leute diese Partei bei sich aufnimmt......die bei anderen Parteien nicht mehr willkommen sind.....

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matata (11. Juli 2012, 19:54)
Pfui SVP

JETZT REICHT ES.........wie krank muss ein Hirn sein,dem solches einfällt!Haben wir,Sie oder ER ihren Krebs selbst ausgesucht? Unsre Spitäler sind in diesem Fall gefüllt mit VOLKSSCHÄDLINGEN, PFUI SVP.IHR die immer die Solidarität preist,ein GUT SCHWEIZERISCHES VERMÄCHTNIS,IHR TRETET DIESE MIT FÜSSEN.Ich kann nur hoffen,das AUSTRITTE sich vermehren,wie bei der Kirche.

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hpwe44 (11. Juli 2012, 17:15)
Will sich da einer profilieren bei den reichen ?

Was müssen das für Politiker sein, denen solch grauenhafte Dinge in den Sinn kommen? Die haben wohl nichts anderes zu tun, als sich auf diese Weise profilieren zu wollen. Gerade von der SVP hätte ich solches nicht erwartet.
Es gibt viel wirkungsvollere Methoden, Krankenkassenprämien zu sparen, bei den Medikamenten z.B. könnten Millionen gespart werden, es ist nicht nachvollziehbar, warum Medikamente in der Schweiz viel teurer sind als im Ausland !
1400 Franken sind mehr als 100 Franken pro Monat, wenn man weiss, dass es viele AHV-Bezüger gibt, die mit weniger als 2000 Franken im Monat auskommen müssen,kann man sich vorstellen, dass diese massive Probleme bekommen würden.
Aber das intressiert die oberen dieser Partei wohl gar nicht !
Schlimm, schlimm, man frägt sich, wo das wohl enden wird.
SVP ? Schweizerische Vielverdiener Partei?

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goetschel (11. Juli 2012, 16:30)
billige Politik auf Kosten der Alten und Kranken

Nach dem Willen unserer "Volkspartei" soll auf Amerikanische Verhältnisse "umgestiegen" werden! Dort haben Gutverdienende ungehinderten Zugang zu besten Medizin - das "Fussvolk" soll gefälligst schauen, wie es zu einer genügenden medizinischen Grundversorgung kommt! Oder dann - was in den USA leider nur allzuoft der Fall ist - zur Fürsorge gehen! Ganz nach dem Gusto des Parteistrategen und Milliardärs Christoph Blocher. In seinen Augen ist ja eh jeder selber schuld, wenn er in Not geraten ist!
Da kann ich nur sagen: Pfui SVP!

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Xam (11. Juli 2012, 16:01)
nicht die beste Idee.....

schade, dass einer besten Parteipräsidenten auf einen solch unqualifizierten Vorschlag kommt.

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bide (11. Juli 2012, 14:57)
Voll daneben

Mit der Bestrafung Kranker durch massiv erhöhte Selbstbehalte, spart die SVP nicht einen müden Rappen bei den Gesundheitskosten ein. Dieser höchst untaugliche Vorschlag straft die Kranken und das sind meist auch die weniger Begueterten.

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deich (11. Juli 2012, 11:16)
Krank

Eine "Sozialabbau-Verdächtige-Partei" der Schweiz zugunsten reichlich und sehr gut Verdienender und Bauern, hält mit den Vorstellungen zu "Gesundheitskosten" ein besonders eindrückliches "Müschterli" parat. Es dürfte auch die Freisinnigen interessieren, weniger die sozialen Demokraten im Land. Die anderen hüpfen bei solchen Anlässen je nach dem im Geviert herum.

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