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Tagblatt Online, 23. Juli 2012, 14:15 Uhr

Referendum gegen Bündner Tourismusabgabe

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Das «Kurhotel Bergün», historisches Hotel des Jahres 2012. (Bild: Keystone / Arno Balzarini)

Gegen das geplante Bündner Tourismusgesetz ist ein Referendum zustande kommen. Hauptkritikpunkt ist die geplante Tourismusabgabe, mit der die Kosten für das Marketing breiter abgestützt werden sollen – eine Idee, welche gerade in Krisenzeiten von besonderem Interesse ist.


Davide Scruzzi

Bei der Standeskanzlei in Chur sind rund 3000 Unterschriften gegen das vom Kantonsparlament im Frühling beschlossene neue Tourismusgesetz eingereicht worden. Damit dürfte das Referendum zustande gekommen sein, sind doch in Graubünden dafür 1500 Unterschriften nötig. Getragen wird das Referendum von FDP, SVP sowie Wirtschaftsvereinigungen. Zentraler Kritikpunkt ist die geplante kantonale Tourismusabgabe. Neu sollen auch Gewerbe- und Industriebetriebe ausserhalb der eigentlichen Tourismusdestinationen die vom Kanton koordinierten Bemühungen rund um den Tourismus mitfinanzieren.

Nationale Signalwirkung?

Die Idee hinter einer flächendeckenden Abgabe ist klar: Vom Tourismus profitiert nicht nur die eigentliche Tourismusbranche in den Ferienorten, vielmehr strahlt der wirtschaftliche Nutzen auch in Gegenden aus, die nicht als Fremdenverkehrsorte positioniert sind – etwa Gemeinden im Churer Rheintal. Es fände aber eine Abstufung statt: Am meisten zahlen Beherbergungsbetriebe in den Ferienorten. Die Gegner der Vorlage erklären, dass in 97 der 180 Bündner Gemeinden die neue Tourismusabgabe eine neue Steuer darstelle, die Unternehmen zusätzlich belaste. Das neue System sei kompliziert, ungerecht und bürokratisch, heisst es seitens des gegnerischen Komitees.

Die Abstimmung über das Bündner Tourismusgesetz dürften auch Tourismusverantwortliche in anderen Kantonen mit Spannung erwarten. Die Frage, inwieweit die Investitionen in die touristische Werbung und Infrastruktur breit verteilt werden sollen, wird nämlich auch anderswo diskutiert. Im Wallis ist die Idee einer flächendeckenden Abgabe vor einigen Jahren an der Urne gescheitert. Nun wird an einem alternativen Tourismusgesetz gearbeitet. In anderen Kantonen werden ebenfalls die Tourismusorganisationen neu formiert.

Neue Herausforderungen

Die Schweizer Tourismusbranche steht derzeit vor grossen Herausforderungen, ergibt sich doch aufgrund der Frankenstärke auf dem europäischen Markt ein grosser Wettbewerbsnachteil bei den Preisen. Ein Mittel gegen die Einbrüche bei den wichtigen Gästen aus dem EU-Raum sind zusätzliche Anstrengungen, um mehr Touristen aus Asien, Südamerika oder Fernost ins Land zu locken. Just für die Schaffung solcher neuer Angebote sind starke regionale Tourismusorganisationen nötig.



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Leser-Kommentare:
1 Beitrag
adolfk31 (23. Juli 2012, 16:24)
..Überlasst das Marketing ..

doch endlich den Fachleuten und verzichtet einmal auf einen amtlich selbst zerfleischenden und gar noch (eventuell) Korruptions verdächtigen Wasserkopf !

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