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Tagblatt Online, 17. Juni 2012, 00:00 Uhr

Pierre Maudet – ein neuer Delamuraz?

Pierre Maudet schafft den Sprung in die Genfer Regierung. Zoom

Pierre Maudet schafft den Sprung in die Genfer Regierung. (Bild: Keystone)

Bei der Genfer Ersatzwahl wurde der FDP-Stadtrat Pierre Maudet in die Kantonsregierung gewählt. Er lässt SP-Grossrätin Anne Emery-Torracinta wie auch MCG-Gründer Eric Stauffer erstaunlich deutlich hinter sich.


Christophe Büchi, Genf

Bei der Genfer «Wackelwahl», die wegen der Demission des FDP-Staatsrats Mark Muller nötig wurde, ist es zu einer grossen Überraschung gekommen. Auf Platz 1 liegt der Freisinnige Pierre Maudet, der nach einer vorläufigen Auszählung knapp 40 Prozent der Stimmen erreicht, vor der als Favoritin gehandelten SP-Kandidatin Anne Emery-Torracinta (28 Prozent) und dem MCG-Populisten Eric Stauffer (27 Prozent). Da nach dem Genfer Gesetz bereits ein Drittel der Stimmen im ersten Wahlgang zur Wahl genügt, ist Maudet gewählt. Damit überlebt die bürgerliche Regierungsmehrheit. Die Genfer Kantonsregierung setzt sich auch weiterhin aus drei Vertretern der (mit den Liberalen fusionierten) FDP, aus zwei Grünen und je einem Vertreter der CVP und der SP zusammen.

MCG und SVP gemeinsam

Dieser Sieg Maudets ist alles andere als selbstverständlich. Zwar wählen die Genfer in der Regel mehrheitlich «rechts», aber das bürgerliche Lager präsentierte sich in dieser Wahl alles andere als einig, während die Linke einmal mehr geschlossen auftrat. Maudet sah sich zum einen der Konkurrenz des populistischen MCG (Mouvement citoyens genevois) gegenüber, das vor allem mit einem harten Law-and-Order-Diskurs politisiert und diesmal auch von der SVP unterstützt wurde – nachdem sich die beiden Parteien seit Jahren bekämpft hatten.

Grünliberaler Alleingang

Erschwerend für Maudet kam hinzu, dass sich vier weitere Kandidaten zur Wahl stellten, unter anderem ein Vertreter der Grünliberalen (Laurent Seydoux). Dass es Maudet dennoch zu einem deutlichen Sieg reichte, ist vor allem sein persönliches Verdienst. Der erst 34-jährige Stadtrat gehört bereits seit mehreren Jahren zu den Schwergewichten der Genfer Politik. Er verkörpert einen auf das politische Zentrum ausgerichteten Freisinn, der dem Staat eine wichtige Rolle einräumt, was in der Romandie gut ankommt. Mit anderen Worten: Maudet ist ein Vertreter jenes typisch welschen Freisinns, wie ihn zuvor ein Jean-Pascal Delamuraz verkörperte. Dass er so deutlich siegte, zeigt aber, dass er die Unterstützung des liberalen Parteiflügels bekommen hat: ein Erfolg also auch für die fusionierte neue FDP Genf.



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Leser-Kommentare:
2 Beiträge
deich (18. Juni 2012, 09:25)
Bien

Wäre Stauffer von der MCG gewählt worden, hätte sich Genf einen Kantonsrat eigehandelt, der zum Beispiel einen Kontrahenten im Rat mit Mineralwasser überschüttete und französische Grenzgänger einmal als "Gesindel" (Canaille) betitelte, um nur zwei "Müschterli" aus dem Répertoire dieses Populisten zu erwähnen. Dass die Genfer SVP Stauffer unterstützte, bildet ein Sittenbild der "Superrechten" unten am "Léman" ab! So ist es denn "bien", dass mit Maudet ein Mann der bürgerlichen Mitte gewählt wurde, der zur parlamentarischen Arbeit im Kanton eine kooperative, konstruktive Einstellung mitbringt. Und zudem ist er jung! Später einmal Bern?

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highway311 (18. Juni 2012, 04:06)
Falschprognose von Biljana Gogic

Ich freue mich, dass Pierre Maudet gewonnen hat. Hatte er doch laut der SF Reporterin Biljana Gogic keine Chance auf das Amt. Für die strahlende Biljana Gogic vom SF Abstimmungsstudio kam nur die SP Kandidatin in Frage, alles andere hätte keine Chance. Da sieht man mal wieder, wie SF Abstimmungsstudio daneben liegt.

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