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Tagblatt Online, 5. August 2012, 19:42 Uhr

Hilfe für Flüchtlinge aus Syrien läuft an

Die Schweiz beteiligt sich stark an der Hilfe für Syrer, die durch den Bürgerkrieg in Not geraten sind. Unter anderem wird die Unterbringung von Flüchtlingen in Nachbarländern unterstützt.


Die Eskalation der Gewalt in Syrien hat die Sicherheits- und die Versorgungslage nochmals verschlechtert. Im Land selber hat die Zahl der vom Bürgerkrieg Vertriebenen nach Uno-Angaben eine Million erreicht. In Libanon, Jordanien, der Türkei und dem Irak halten sich etwa 140 000 registrierte und mehrere zehntausend weitere Flüchtlinge auf, zur grossen Mehrheit Frauen und Kinder. Dass die Nachbarländer ihre Grenzen offenhalten, hebt Manuel Bessler, Chef der humanitären Hilfe des Bundes, besonders hervor.

Bilderstrecke: Flucht aus Syrien

  • Um die vielen Flüchtlinge aufnehmen zu können, werden laufend neue Lager erstellt: Blick auf das jüngste Flüchtlingsdorf des Uno-Hochkommissariats für Flüchtlinge (UNHCR) in Zattari, nordöstlich von Amman, Jordanien.
  • Nach Angaben des UNHCR flohen am Wochenende innert 48 Stunden bis zu 30'000 Menschen aus Damaskus. Im Bild ein Knabe im Lager Bashabsheh, in Ramtha, Jordanien.
  • Um die vielen Flüchtlinge aufnehmen zu können, werden laufend neue Lager erstellt: Blick auf das jüngste Flüchtlingsdorf des Uno-Hochkommissariats für Flüchtlinge (UNHCR) in Zattari, nordöstlich von Amman, Jordanien.

Tausende von Menschen fliehen vor den Kämpfen in Syrien in die Nachbarstaaten.

Der Rahmen für Hilfe der Schweiz, die in diesem Fall zu den zehn wichtigsten Geberstaaten gehört, beträgt heute 10,5 Millionen Franken. Ein grosser Teil davon geht an das Internationale Komitee vom Roten Kreuz sowie an Organisationen der Uno, deren Aktionen (in Syrien für 180 und in Nachbarländern für 193 Millionen Dollar) erst zu einem Viertel finanziert sind – zu lange habe man den Zugang zu den Opfern als Hauptproblem betrachtet, sagt Bessler. Internationalen Organisationen werden zudem Experten zur Verfügung gestellt.

In Libanon und Jordanien erlauben Kooperationsbüros des Bundes mit insgesamt 28 Mitarbeitern die Durchführung eigener Programme. In Libanon, wo die Regierung grosse Zeltlager ablehnt, sollen nach einem bewährten System 500 sorgfältig ausgewählte Familien unterstützt werden, die Flüchtlinge aufgenommen haben. Nach Zustimmung der Regierung soll die Auszahlung von 170 bis 340 Dollar pro Monat und Familie in etwa drei Wochen beginnen. Darüber hinaus werden Möglichkeiten gesucht, zum Beispiel ungenützte Gebäude als Unterkünfte bereitzustellen, damit die provisorisch von Flüchtlingen belegten Schulen wieder frei werden. In Jordanien werden acht Schulbauten so hergerichtet, dass sie syrische Kinder aufnehmen können.

Einzelne Hilfswerke sind ebenfalls in der Region tätig. So kümmert sich Handicap International in Libanon und Jordanien um Verletzte, Behinderte und allein gebliebene Frauen. Terre des hommes Kinderhilfe legt den Schwerpunkt auf psychosoziale Angebote für kriegstraumatisierte Kinder und unterstützt in Jordanien entsprechende Initiativen lokaler Gemeinschaften. Ein Caritas-Projekt richtet sich ebenfalls an besonders verletzliche Menschen wie noch nicht registrierte Flüchtlinge, aber auch Arbeitsmigranten aus Süd- und Ostasien, die Syrien verlassen mussten. Caritas Libanon und Caritas Jordanien (als säkular auftretendes Hilfswerk auch dort akzeptiert) haben von der Betreuung irakischer Flüchtlinge her viel Erfahrung. Zur Versorgung mit Nahrungsmitteln, Kleidung und Hygieneartikeln kommen die Suche nach Unterkünften und die Entlastung von Gastgeberfamilien nach dem erwähnten System. Für die Hilfe an gut 3300 Personen sind 368 000 Franken vorgesehen.

Die Glückskette hat zum Spenden aufgerufen, wartet aber vor Durchführung eines «Sammeltags» noch ab, wie sich die Möglichkeiten zum Mitteleinsatz entwickeln. Ausserdem sammelt Unicef Schweiz für die Aktionen des Uno-Kinderhilfsfonds. Für Kriegsopfer fliessen Spenden in der Regel zögerlicher als nach Naturkatastrophen. Die Hilfe ist aber notwendig und sinnvoll. Die Aufnahme von Kriegsflüchtlingen in der Schweiz, wofür der Berner Polizeidirektor Hans-Jürg Käser plädiert hat, muss nicht im Vordergrund stehen, solange eine Rückkehr wenigstens mittelfristig erhofft werden kann.



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Leser-Kommentare:
2 Beiträge
zombie1969 (06. August 2012, 09:47)
Scheint...

sich um "Hilfe vor Ort" zu handeln, was die CH hier unterstützt.
Offenbar hat man bemerkt, dass man damit mehr erreicht als mit der Massenaufnahme von angeblichen Flüchtlingen.

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adolfk31 (06. August 2012, 04:22)
Lasst diese Menschen deren eigene Kulturkreise erhalten !

Menschen sollen nicht zu lediglich Exportartikeln degradiert werden um uns politisch gesteuert Ihre Gebräuche, Religionen und Kulturen aufzudrängen ! - Wie lange kann man sich in der Schweiz noch mittels einheimischen Sprachen verständigen ?

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