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Tagblatt Online, 18. Juli 2012, 10:28 Uhr

Gebühren, die keiner kennt

Obwohl fast jeder mit Kreditkarten bezahlt, kennt kaum einer die Höhe der Gebühren. Zoom

Obwohl fast jeder mit Kreditkarten bezahlt, kennt kaum einer die Höhe der Gebühren. (Bild: Imago)

Das Kreditkartengeschäft ist für viele Konsumenten undurchschaubar. In der Schweiz stehen Neuverhandlungen über die Gebühren an, die auch die Konsumenten betreffen – und auf keiner Abrechnung vermerkt sind.


Nadine Jürgensen

Wie das Kreditkartengeschäft funktioniert, erschliesst sich für Konsumenten nicht auf den ersten Blick. Und doch waren Ende 2011 5,5 Millionen Kreditkarten im Umlauf, die von Schweizer Kreditkartenherausgebern (Issuer) wie UBS, Credit Suisse, Cornèr und Viseca (Kantonalbanken) vertrieben werden. Die Zahlungsabwicklung mit Plasticgeld, dazu gehören auch Debitkarten wie Maestro, machen 50 Prozent des jährlich getätigten Umsatzvolumens in der Schweiz aus. Bei den Kreditkarten waren es 2011 22 Milliarden Franken, die damit umgesetzt wurden. Ein Geschäft, mit dem sich die Wettbewerbskommission (Weko) bald befasst.

200 Millionen Franken Gebühren

Auf jeden Franken erheben die Kreditkartenherausgeber eine sogenannte Interchange-Fee bei den Firmen, die eine Lizenz zur Anwerbung von Geschäftspartnern verfügen, die sogenannten Acquirer. In der Schweiz sind das Swisscard, Six (vormals Telekurs) und Aduno. Sie stellen auch die Infrastruktur für die Terminals. Diese Gebühr beträgt zurzeit 0,99 Prozent, das machte 2011 allein rund 200 Millionen Franken Gebühren aus. Die meisten Händler zahlen wiederum eine Händlerkommission an die Acquirer. Diese wird in den meisten Fällen an die Konsumenten überwälzt, indem die Händler ihre Ware zu höheren Preisen verkaufen. Die Fluggesellschaft Swiss verlangt 22 Franken für Tickets, die mit der Kreditkarte bezahlt werden. Digitec erhebt auf die Ware noch eine zusätzliche Kommission von 2,5 bis 3,5 Prozent.

Karteninhaber zahlen demnach neben einer Jahresgebühr und Verzugszinsen auch die Interchange-Fees mit. Um diese Interchange-Fees gibt es schon seit Jahren eine Debatte. Der Verband elektronischer Zahlungsverkehr fordert in seinem neuen Jahresbericht, auf die Interchange-Fee «kann getrost verzichtet» werden. Das Kreditkartengeschäft wäre auch ohne diese hochrentabel, da der Gewinn über das Zins- und Währungsgeschäft und andere Gebühren erzielt werden könne. Auf der anderen Seite wehren sich die Schweizer Kreditkartenherausgeber gegen weitere Senkungen oder gar eine Abschaffung der Interchange-Fee.

Gebühren durch Weko-Interventionen gesunken

Tatsächlich sind die Gebühren in den letzten Jahren durch regulatorische Interventionen der Weko gesunken. 2003 betrug die Gebühr ungefähr 1,4 Prozent. 2010 traf die Weko eine vorsorgliche Massnahme. Die Gebühren werden seither auf der Grundlage der Netzwerkkosten objektiv berechnet. Dieses Jahr nun findet eine externe Revision dieser Kostenzusammenstellung statt. Bis Januar 2013 muss die Weko ihre Massnahme verlängern oder eine neue Vereinbarung mit den Marktteilnehmern treffen. In diesem Zusammenhang fordert eine Studie von Franz Jaeger von der Universität St. Gallen die Erhöhung der Gebühren und die Abschaffung jeglicher Regulation.

International geht der Trend aber in eine andere Richtung: In erster Instanz hat der Luxemburger Gerichtshof der EU die Interchange-Fee bei grenzüberschreitenden Kreditkartenzahlungen verboten. Und in den USA sind Visa und Mastercard wegen Preisabsprachen zu Rückzahlungen von über 6 Milliarden Dollar verpflichtet worden (NZZ 16. 7. 12). Zudem müssen die Gebühren um weitere 1,2 Milliarden Dollar sinken.



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