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Tagblatt Online, 1. Juli 2012, 00:00 Uhr

Der gekröpfte Nordanflug ist zurück

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Ein Jet fliegt von Norden her die Piste 14 des Flughafens Zürich an. (Bild: NZZ)

Die Gespräche zur Beilegung des Fluglärmstreits stehen vor dem Durchbruch. Ruhezeiten und der gekröpfte Nordanflug sollen die lang ersehnteEinigung ermöglichen.


Fabian Fellmann, Daniel Friedli, Birgit Voigt

Eine neue Anflugroute auf den Flughafen Zürich soll die Wohngebiete in den deutschen Orten Waldshut und Hohentengen vom Fluglärm entlasten – und gleichzeitig jene südlich von Zürich. Möglich macht dies der sogenannt gekröpfte Nordanflug. Laut mehreren Quellen ist er Teil des sich abzeichnenden Kompromisses im Fluglärmstreit zwischen der Schweiz und Deutschland.

Von Westen kommend würden die Flugzeuge dem Rhein entlang über den Aargau fliegen und in der Nähe des Stadlerbergs scharf nach Süden auf die Achse der bestehenden Landepiste 14 einbiegen (siehe Karte). Dieses neue Anflugregime soll in den frühen Morgenstunden angewandt werden.

Flexiblere Anflüge

In diesem Punkt haben sich die Delegationen der Schweiz und Deutschlands diese Woche wesentlich angenähert, wie den Verhandlungen nahestehende Kreise berichten. Es handelt sich dabei um deutlich mehr als einen Zwischenschritt; mehrere mit den Verhandlungen vertraute Personen erwarten eine Einigung in den nächsten Tagen. Damit würde der Zeitplan eingehalten, auf den sich Bundesrätin Doris Leuthard und der deutsche Verkehrsminister Peter Ramsauer Anfang Jahr in Davos verständigt hatten. Sie vereinbarten, den Streit in diesem Sommer mit einem Staatsvertrag beizulegen.

Einen Kompromiss scheinen die Schweiz und Deutschland auch bei der Beschränkung der Flugbewegungen zu finden. Bisher wollte Deutschland nur über Zahlen reden und forderte ultimativ eine Plafonierung bei 80 000 Flugbewegungen. Nun werde auch über Zeitfenster diskutiert, heisst es in mit den Verhandlungen vertrauten Kreisen. Konkret geht es darum, Ruhe- und Flugphasen festzulegen. Im Zusammenspiel mit dem gekröpften Nordanflug könnte dies bewirken, dass weniger Flugzeuge über deutsches Gebiet verkehren, wie es die Absichtserklärung von Davos als Vorgabe für die Verhandlungen definierte.

Den gekröpften Nordanflug hat die Flughafenbetreiberin bereits einmal beantragt, allerdings wollte sie das Verfahren im Sichtflug nutzen. Dies wurde 2008 vom Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl) aus Sicherheitsgründen abgelehnt, weil die Anflugroute mit ihrer engen Kurve kurz vor der Landung den Piloten und Lotsen einiges abverlangt und nicht allen internationalen Empfehlungen entspricht. Das Bazl hielt aber bereits damals fest, dass der gekröpfte Nordanflug mit Satellitennavigation statt nur im Sichtflug deutlich sicherer und bewilligungsfähig wäre. Entsprechend wurde die Route in den Entwurf des Zürcher Teils des Sachplans Infrastruktur Luftfahrt aufgenommen. Darin ist vorgesehen, dass sie zwischen 6 und 7 Uhr benutzt wird. In der Schweiz könnte die sich abzeichnende Lösung innenpolitische Chancen für den Flughafen bieten. Durch den gekröpften Nordanflug würde die dicht besiedelte Zürcher Südschneise entlastet und damit die Opposition gegen einen künftigen Ausbau des Flughafens Zürich geschwächt. Eine Verlängerung der Piste 10/28 hätte zur Folge, dass in Zukunft mehr Flugzeuge von Osten landen können und die Gebiete nördlich des Flughafens entlastet werden. Im Entwurf des Sachplans Infrastruktur Luftfahrt ist dieser Ausbau ebenfalls bereits enthalten.

Widerstand entlang des Rheins

Bei Flughafen und Airlines fand der gekröpfte Nordanflug schon früher Unterstützung. Sowohl Teile der aargauischen als auch der deutschen Bevölkerung hingegen haben heftig opponiert. Dieser Widerstand dürfte wieder aufflammen, wenn Bundesrätin Doris Leuthard ihren Aargauer Landsleuten den sich abzeichnenden Kompromiss schmackhaft machen muss. Der Regierungsrat des Kantons Aargau wurde bereits darüber informiert, dass der gekröpfte Nordanflug wieder zur Diskussion steht. Äussern will man sich dazu indes nicht.

Wenig begeistert ist der Schaffhauser SVP-Nationalrat und Linienpilot Thomas Hurter: «Der gekröpfte Nordanflug ist nur bei gutem Wetter geeignet und vermindert die Anflugkapazität, weil die Flugzeuge grössere Abstände einhalten müssen.» Er räumt aber auch ein, dass im seit mittlerweile 12 Jahre dauernden Fluglärmstreit Wunschlösungen unrealistisch geworden sind. Und der gekröpfte Nordanflug sei rasch umsetzbar. «Sobald die Flugsicherung geschult und das Landeverfahren bewilligt ist, können wir damit beginnen», sagt der Berufspilot. «Wir brauchen rasch einen neuen Staatsvertrag, damit wieder Rechtssicherheit hergestellt wird und die Unternehmen langfristig ihre Investitionen planen können.»



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Leser-Kommentare:
1 Beitrag
adolfk31 (01. Juli 2012, 09:49)
In Deutschland ansaessige ...

Fluglinin si ungekropft nach Kloten zu geleiten.

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