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Tagblatt Online, 3. August 2012, 14:18 Uhr

Der Kommandant der Walliser Kantonspolizei räumt einen Fehler ein

Christiane Varone vor den Medien in Savièse Zoom

Christiane Varone vor den Medien in Savièse (Bild: Keystone)

Christian Varone will den Stein, der ihn in mehrtägige Untersuchungshaft brachte selber aufgelesen haben. Er will an der Spitze der Walliser Kantonspolizei bleiben und sieht sich weiterhin als «Kandiat für eine Kandidatur» für die Walliser Regierung.


Luzius Theler, Savièse

Christian Varone wirkte ruhig, gelassen und bestimmt, als er gestern im Gemeindehaus von Savièse vor die Medienleute trat. Doch unter der Ferienbräune wirkten seine Gesichtsfarbe fahl und sein Gesichtsausdruck müde. «Ich habe einen Fehler gemacht und dazu stehe ich. Aber mir war zu keinem Zeitpunkt bewusst, dass ich eine Straftat begehe», führte der Kommandant der Walliser Kantonspolizei aus. Er bedanke sich einmal bei allen, die sich für ihn eingesetzt hatten und entschuldigte sich für seinen Irrtum – auch bei der Türkei. Er übernehme als Familienvater die volle Verantwortung für die Geschehnisse, betonte Christian Varone. Er wolle seine Frau und seine Kinder schützen und nicht in diesen Vorfall hineinziehen. Dann schilderte er seine Version der Dinge, die er auch dem türkischen Untersuchungsrichter dargelegt habe. Der Stein – etwa 20 Zentimeter gross, leicht mit einer Hand aufzuheben, dreckig und mit keinerlei Inschriften oder Zeichen versehen – sei am Rande einer Hauptstrasse gelegen, nicht weit vom Hotelbus entfernt, aber rund 600 Meter von der archäologischen Fundstätte entfernt. «Ich habe mir nicht vorstellen können, dass dieser Stein, der da einfach 50 Zentimeter von der Fahrbahn am Strassenrand lag, von besonderem Wert sein sollte». Er habe ihn später auf dem Balkon des Hotels aufbewahrt und dann auch im Gepäck nicht etwa verstreckt. «Mich dünkte der Stein einfach schön und darum habe ich ihn mitgenommen», präzisierte Christian Varone.

Bedingungslose Freilassung

Christian Varone betonte, dass er vom türkischen Richter bedingungslos freigelassen worden sei; eine Kaution sei nicht bezahlt worden, er habe auch keine weiteren Auflagen erhalten. Die türkischen Behörden hätten ja auch die Möglichkeit gehabt, ihn wieder in Untersuchungshaft zu setzen oder zumindest an der Ausreise zu hindern. Er sei vor Gericht bei der vollen Wahrheit geblieben und nur eine, die einzig richtige Version zu Protokoll gegeben. Das habe offenbar zu seiner bedingungslosen Freilassung geführt. An Kosten seien ihm bisher einzig die Auslagen für die Pflichtverteidigerin erwachsen. Er glaube, dass ihm der Richter vertraut habe. Die Zeit in der Untersuchungshaft sei «schwierig» gewesen, doch habe er das Geschehene gut verkraftet, weil er eine riesige Unterstützung erfharen habe, die weit über seine Familie hinausgegangen sei. Wie das Verfahren weiterläuft, weiss Christian Varone nicht; er habe bisher kein Dossier erhalten und auch keinen Einblick in Unterlagen gehabt. Aber er habe Vertrauen in die türkische Justiz. Gegen die Türkei hege er keinerlei Gross, unterstrich er; er schloss nicht aus, dass er auch in Zukunft noch Ferien in «diesem wunderbaren Land» verbringen werde. Nur werde er sich dann in einem Gebiet aufhalten, «wo es keine Steine gebe», meinte der sonst sehr ernst und konzentriert wirkende Kommandant der Walliser Kantonspolizei in einem Anflug von Humor.

Er bleibt Kandidat

Christian Varone bleibt vorderhand „Kandidat für eine Kandidatur“ für die Nachfolge des zurücktretenden FDP-Regierungsmitgliedes Claude Roch. Er habe in diesen schwierigen Tagen eine enorme Unterstützung weit über seinen Verwandten- und Bekanntenkreis erfahren. Das habe ihn menschlich berührt und in seiner Absicht bestärkt, sich im kommenden September den Mitgliedern der freisinnig-demokratischen Partei an der Generalversammlung in Riddes zur Wahl zu stellen. Auch sieht er keinen Grund, seinen Verbleib auf dem Posten des Walliser Polizeikommandanten in Frage zu stellen. Er habe die Vertrauensfrage an die Regierung noch nicht gestellt, aber auch die Walliser Regierung habe ihm volle Unterstützung zugesagt. In den letzten Tagen haben sich die anderen politischen Parteien nicht zur Causa Varone vernehmen lassen. In privaten Stellungnahmen zeigten sich einige Politiker abwartend-vorsichtig; sie wollten zuerst die Stellungnahme Varones abwarten. Nach der Medienkonferenz zeigten mehrere Exponenten der Walliser Politik überzeugt davon, dass der türkische Stein sich kaum zum Stolperstein für die politische Karriere von Christian Varone erweisen dürfte. Seine Ausführungen hätten nicht sehr geschliffen, aber dafür glaubwürdig gewirkt.



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Leser-Kommentare:
2 Beiträge
mecxx (03. August 2012, 19:14)
selber Schuld

Man fährt auch nicht in die Türkei in den Urlaub. Zu viele "Stolpersteinchen" jeglicher Art warten dort auf ahnungslose Touristen.

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adolfk31 (03. August 2012, 14:16)
So viele Widersprüche …

kann ja nur von einer amtlich besoldeten Person stammen ! - ... und Alles von wegen einem "sogenannten Steinchen" ????? ... Schreichen, das tut ja direkt Weh !!!

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