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Tagblatt Online, 28. Juni 2012, 00:00 Uhr

Wenn's eng wird, wird's gefährlich

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(Bild: PD)

Autobahnen sind die sichersten Strassen – ausser im Bereich von Baustellen. Dort kommt es oft zu Unfällen. Wie verheerend diese sein können, ist am Donnerstag mit Crashtests in Wildhaus demonstriert worden.


Alois Feusi, Wildhaus

«Stau nach einem Unfall im Baustellenbereich auf der A 9 Richtung Martigny»: Radio-Verkehrsmeldungen wie diese gehören zum Alltag. Dass enge Fahrspuren, eine unübersichtliche und ungewohnte Verkehrsführung verunsichernd wirken, liegt auf der Hand. Laut einer Umfrage der deutschen Expertenorganisation Dekra von 2009 bei 1700 Personen fühlen sich fast die Hälfte (46 Prozent) der Lenker im Baustellenbereich nicht sicher; jeder sechste Befragte (17 Prozent) verspürt bei der Passage von Baustellen sogar Angst.

Baustelle ist nie die Ursache

Grundsätzlich ereignen sich zwar auf Autobahnen und Autostrassen weniger als 10 Prozent aller Unfälle mit Personenschäden. Von diesen allerdings geschahen im Jahr 2011 in der Schweiz 7,09 Prozent im Baustellenbereich. Auf Innerortsstrassen waren es lediglich 1,28 und ausserorts 2,82 Prozent. Ungefähr 10 Prozent der Staustunden auf Schweizer und deutschen Autobahnen gehen auf Unglücke bei Baustellen zurück, wie die Unfallforscherin Bettina Zahnd am Donnerstag am Medientag zum Abschluss der Crashtest-Kampagne 2012 im toggenburgischen Dorf Wildhaus erklärte. «Die Baustelle selber aber ist nie die Unfallursache», betonte sie.

Die Physikerin Zahnd arbeitet für die Axa-Winterthur-Versicherungen. Seit 1985 führen diese gemeinsam mit der Dekra jeweils im Sommer während dreier Wochen auf einem Bergbahn-Parkplatz Crashtests durch. Mittlerweile wurden rund 5000 Versuchskollisionen inszeniert und ausgewertet. 2010 zum Beispiel untersuchte man hier Unfälle mit Elektrovelos. Die Ergebnisse führten dazu, dass ab Juli 2012 in der Schweiz eine Helmpflicht für Lenker von solchen Fahrrädern mit mehr als 500 Watt Hilfsmotorleistung gilt.

15 Anpralldämpfer jährlich

Drei Crashtests wurden am Donnerstag geladenen Gästen, Medien und Unfallexperten aus aller Welt gezeigt. Im ersten liessen die Unfallforscher einen Personenwagen mit 78 km/h auf einen Lastwagen mit am Heck montiertem Anpralldämpfer, Warnlichtern und Signaltafel aufprallen, der die Spurreduktion einer Tagesbaustelle anzeigte. Allein im Kanton Zürich werden jährlich 15 solche Unfälle registriert – glücklicherweise meist mit relativ glimpflichem Ausgang, weil die im Aufprallschutz verarbeiteten Kartonwaben die Wucht der Kollision weitgehend aufnehmen.

Verheerend waren dagegen die Folgen für jenen Dummy, der einen vor der geöffneten Motorhaube eines Pannenfahrzeuges stehenden Automobilisten simulierte und der beim Aufprall eines nachfolgenden Fahrzeugs weggeschleudert wurde. Kaum eine Chance hätten auch die Insassen eines Kleinwagens gehabt, der bei einer Spurverschwenkung von einem Lieferwagen in den Gegenverkehr gedrängt wurde. – Das Fazit der drei Crashtests: Pannenfahrzeuge im Baustellenbereich, wo es keinen Pannenstreifen gibt, sollten möglichst verlassen werden. Und ist man bei einer Baustelle unterwegs, soll man noch viel achtsamer und vorsichtiger fahren, als man das idealerweise sonst schon tut.



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