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Tagblatt Online, 6. August 2012, 06:20 Uhr

Sieben Tote bei Schusswechsel in Sikh-Tempel

Angehörige warten vor dem Sikh-Tempel im Gliedstaat Wisconsin auf Nachricht von ihren Familien. Zoom

Angehörige warten vor dem Sikh-Tempel im Gliedstaat Wisconsin auf Nachricht von ihren Familien. (Bild: Keystone / AP)

Bei einem Angriff auf einen Sikh-Tempel im nördlichen Gliedstaat Wisconsin sind sieben Menschen getötet und drei weitere schwer verletzt worden. Nach Polizeiangaben befand sich unter den Toten auch der mutmassliche Schütze. Präsident Barack Obama äusserte sich bestürzt über den Angriff.


((dpa/afp/Reuters/dapd))

Der Angriff ereignete sich am Sonntagmorgen in der Kleinstadt Oak Creek am Ufer des Michigansees. Die Ermittler erklärten, der Angriff werde als «heimischer Terrorismus» eingestuft.

Polizist tötet Täter

Polizeichef Bradley Wentlandt erklärte der «New York Times» , es sei vermutlich einem einzelnen Polizisten zu verdanken, dass es nicht mehr Opfer gab. Dieser habe den Schützen konfrontiert und sei dabei durch mehrere Kugeln schwer verletzt worden. Es sei ihm aber gelungen, den Täter selbst «niederzustrecken».

Laut Wentlandt handelte es sich wahrscheinlich um einen Einzeltäter. Zunächst war befürchtet worden, Komplizen hätten sich mit Geiseln in dem Tempel in Oak Creek verschanzt. Die Lage sei aber noch «in Bewegung», sagte er. Das Motiv des Täters war zunächst unklar.

Auf den Priester geschossen

Der Schütze hatte gemäss Polizeiangaben das Feuer am Sonntagvormittag gegen 10 Uhr 25 in dem Tempel eröffnet. Vier Menschen seien im Gebäude ums Leben gekommen, drei im Freien. Laut dem Lokalsender WISN könnten sich zum Zeitpunkt der Bluttat rund 100 Gläubige im Tempel aufgehalten haben.

Die Zeitung «Milwaukee Journal Sentinel» meldete, Polizeieinheiten seien am Mittag in den Tempel vorgedrungen und hätten alle dort ausharrenden Menschen in Sicherheit gebracht. Die Zeitung zitierte ein Mitglied der Glaubensgemeinschaft der Sikhs, der angab, ein etwa 30-jähriger Weisser habe das Feuer auf die Gläubigen eröffnet. Auch sei der Tempel-Vorsteher Satwant Kaleka bei dem Angriff verletzt worden.

Mehrere Polizeieinheiten sowie Einheiten der Bundespolizei FBI waren am Tatort im Einsatz.

Rassistisches Motiv?

Ein Mitglied der Tempelleitung sagte der Zeitung «Milwaukee Journal Sentinel» , es müsse sich um ein rassistisch motiviertes Verbrechen handeln. «Das kommt nicht aus unseren Reihen», sagte Ven Boba Ri. Die örtliche Sikh-Gemeinde wurde 1999 gegründet und hat heute etwa 400 Mitglieder.

Präsident Obama erklärte, er betrauere den Verlust so vieler Menschenleben in Wisconsin. «Wir werden daran erinnert, wie sehr unser Land durch die Sikhs bereichert wurde, die zur amerikanischen Familie gehören», erklärte der Präsident. Es werde alles getan, um die Ermittlungen zu dem Angriff voranzubringen.

Auf Twitter sprachen Tausende Menschen den Familien der Opfer ihr Beileid aus.

Zweites Attentat innert drei Wochen

Erst am 20. Juli war die amerikanische Öffentlichkeit durch die Tat eines Amokschützen erschüttert worden, der in einem Kino in Aurora im Gliedstaat Colorado bei der Premiere zum neuen «Batman»-Film zwölf Menschen tötete und 58 weitere verletzte. Darauf entbrannte eine hitzige Debatte über die Waffengesetze in den USA.

Der Angeklagte James Holmes muss sich wegen Mordes vor Gericht verantworten. Ihm droht die Todesstrafe.

Sikhismus: Verbindung zwischen Hinduismus und Islam

Sikhs sind Anhänger einer im 15. Jahrhundert in Nordindien entstandenen religiösen Reformbewegung. «Sikh» bedeutet übersetzt «Schüler». Die Religion wurde von dem Wanderprediger Guru Nanak (1469-1538) begründet. Er versuchte, mit der neuen Religion eine Verbindung zwischen Hinduismus und Islam zu schaffen.

Heute gibt es weltweit rund 25 Mio. Sikhs. Die meisten davon leben in Indien. Auch in Grossbritannien und Nordamerika gibt es viele Anhänger.

Sikhs tragen als Ausdruck von Gleichberechtigung gemeinsame Nachnamen. Sikh-Frauen tragen den Nachnamen Kaur (Prinzessin) und Männer Singh (Löwe). Sie respektieren den Willen (hukam) der Schöpfung, der sich in den Naturgesetzen manifestiert.

Beim Sikhismus gilt der Grundsatz der Toleranz gegenüber anderen Religionen sowie die Gleichberechtigung aller Menschen und Geschlechter. Gläubige Sikhs leben nach strengen Vorschriften: Nikotin und Alkohol sind verboten, ebenso Ehebruch und sexuelle Beziehungen vor der Ehe.

Zu den Kennzeichen eines Gläubigen gehören unter anderem das ungeschnittene Haar mit Turban (für Spiritualität), ein kleines Schwert (für Mut und Selbstaufopferung) und ein stählernes Armband (für die Einheit mit Gott).



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