Direkte Links und Access Keys:

Tagblatt Online, 18. Juni 2012, 09:33 Uhr

Übersäuerung der Ozeane bedroht Meerestiere

Die Übersäuerung der Ozeane wird die Meeresorganismen an der Westküste der USA besonders in Mitleidenschaft ziehen. Zoom

Die Übersäuerung der Ozeane wird die Meeresorganismen an der Westküste der USA besonders in Mitleidenschaft ziehen. (Bild: Imago)

Die steigende CO2-Konzentration in der Atmosphäre erhöht den Säuregehalt der Ozeane. Forscher der ETH Zürich sagen in einer Simulation zum Westpazifik einen starken Anstieg der Übersäuerung bis 2050 vorher, der zahlreiche Meerestiere bedroht.


Die Westküste der USA ist bekannt für ihre Artenvielfalt. Der Nordwind sorgt dafür, dass die oberste Schicht des Meerwassers abgetragen wird. Dadurch gelangt das nährstoffreiche Wasser der tieferen Schichten in die Höhe, wo sich viele Meeresbewohner daran gütlich tun.

Das Wasser zeichnet sich auch durch einen tiefen pH-Wert aus. Das macht es allerdings besonders anfällig für das Phänomen der Ozeanübersäuerung.

Die Übersäuerung ist eine Folge der Kohlendioxidabsorption der Ozeane. Bis zu einem Drittel des von Menschen verursachten Kohlendioxids wird von den Weltmeeren aufgenommen. Damit sind sie eine wichtige Kohlendioxidsenke. Durch diese Abpufferung steigt aber auch der Säuregehalt des Wassers, was besonders Lebewesen gefährdet, die Kalkskelette bilden, wie zum Beispiel Schnecken und Korallen.

Entwicklung modelliert

Wissenschafter um Nicolas Gruber, Professor für Biogeochemie und Schadstoffdynamik an der ETH Zürich, wollten nun herausfinden, wie stark die Übersäuerung ausfallen wird. Dazu haben sie ein hochauflösendes Modell für die Region vor der Küste Kaliforniens entwickelt. Sie modellierten zunächst die Meeresströmungen und fügten dann dem Modell die erwarteten Kohlendioxid-Verhältnisse der nächsten zwanzig bis dreissig Jahre hinzu.

Sogar bei einer äusserst optimistischen Prognose mit geringem CO2-Anstieg werde sich die Verfügbarkeit von Kalkverbindungen für die Lebewesen deutlich verschlechtern, berichten die Forscher in der neuen Ausgabe des Fachblatts «Science».

Schmalerer Lebensraum

Die für Kalkverbindungen günstigste Wasserschicht hat heute eine Tiefe von rund 200 Metern. Die Forscher stellten fest, dass sich diese Schicht in dreissig Jahren auf rund 60 Meter Tiefe schmälern wird. Dies ist besonders problematisch, weil viele Organismen in den oberen 100 Metern des Meeres leben.

Die Simulationen zeigten auch, dass der Säuregehalt in weniger als zehn Kilometern Abstand zur Küste am deutlichsten steigen wird. Laut Gruber wird es deshalb im Ökosystem an der Westküste der USA beträchtliche Veränderungen geben.

Kritische Grenze bald erreicht

Wie diese genau aussähen, lasse sich derzeit nicht vorhersagen, da zu wenig über die Empfindlichkeiten der Organismen bekannt sei. Es sei jedoch denkbar, dass Muscheln mit ihren Kalkschalen am stärksten leiden würden.

Angesichts der wachsenden CO2-Emissionen erwartet Gruber, dass die kritische Grenze in zwanzig bis dreissig Jahren erreicht wird. «Unsere Studie ist ein Beispiel dafür, wie der Mensch die Grenzen dessen, was ein Ökosystem tolerieren kann, bereits ausgereizt hat», sagt Gruber in einer Mitteilung der ETH Zürich.



Kommentar schreiben

Um Beiträge schreiben zu können, müssen Sie eingeloggt sein.
Noch keinen Zugang? Jetzt kostenlos registrieren.



Leser-Kommentare:
1 Beitrag
Willi1937 (18. Juni 2012, 10:16)
Fragwürdige Energiepolitik

Und die Schweiz unternimmt alles, um die Übersäuerung zu beschleunigen. Anstelle von sauberen und sicheren, neuen AKW setzt der Bundesrat, unterstützt von den Linken und Grünen, auf CO2 Schleudern, den Gaskombikraftwerken.

Beitrag kommentieren

Anzeige:

tagblatt.ch / leserbilder

leserbilder.jpg