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Tagblatt Online, 30. Juni 2012, 21:03 Uhr

Ränkespiele in Plagiatsaffäre um Ministerpräsidenten

Rumäniens Ministerpräsident Ponta bei der Ankunft am EU-Gipfel in Brüssel. Zoom

Rumäniens Ministerpräsident Ponta bei der Ankunft am EU-Gipfel in Brüssel. (Bild: Keystone / AP)

Der rumänische Ministerpräsident Victor Ponta soll weite Teile seiner juristischen Doktorarbeit abgeschrieben haben, doch überprüfen lässt sich das vorerst nicht. Der Regierung gelang es, das zuständige Kontrollgremium kurzerhand zu entmachten.


(sda/dpa)

Eigentlich sollte der rumänische Nationalrat zur Anerkennung von Universitätsdiplomen (CNATDCU) Plagiatsvorwürfe gegen Ministerpräsident Victor Ponta überprüfen. Das Gremium wurde jedoch vom Unterrichtsminister Liviu Pop umstrukturiert und von 21 auf 45 Mitglieder erweitert.

Nach Einschätzung rumänischer Medien sind die Neumitglieder Ponta freundlich gesonnen. Mehrere Altmitglieder hatten erklärt, Pontas Doktorarbeit sei ein Plagiat.

Das Kontrollgremium berief dennoch eilig für Freitag zum Thema Ponta eine Sitzung in der alten Zusammensetzung ein – in der Hoffnung, dass der Ministerbeschluss noch nicht im amtlichen Gesetzesblatt Rumäniens erschienen ist. In diesem Fall wäre er noch nicht rechtskräftig gewesen.

Ponta reist zum EU-Gipfel

Doch prompt erschien Pops Beschluss am Morgen im Gesetzesblatt. Zwei Tage zuvor hatte Ponta per Eildekret verfügt, dass das Gesetzesblatt der Kontrolle des Abgeordnetenhauses entzogen und der Regierung unterstellt wird. Er selbst reiste zum EU-Gipfel in Brüssel.

Ponta hatte in der spanischen Zeitung «El País» angekündigt, er werde zurücktreten, sollten sich die Plagiatsvorwürfe als begründet herausstellen. Zahlreiche rumänische Kommentatoren meinten, Ponta habe dies nur versprochen, weil er sichergestellt habe, dass ihm die zuständigen Stellen in seinem Land kein Plagiat bescheinigen würden.

In Rumänien sind Gesetze, Verfassungsgerichtsurteile und sonstige Verfügungen mit Rechtskraft erst gültig, nachdem sie im Gesetzesblatt veröffentlicht worden sind. Von der Beschlussfassung bis zur Veröffentlichung kann es Wochen dauern, hierzu sind keine Terminvorgaben vorgesehen.



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Leser-Kommentare:
1 Beitrag
unangan (29. Juni 2012, 17:39)
grins.....................

Doktorarbeiten, ob abgeschrieben, oder erarbeitet, sind eh nur Momentaufnahmen einer akademischen Forschungsarbeit. Ob diese Dissertation von "Anderen" erarbeitet ist, oder selber erarbeitet ist.
Was der Herr, beziehungsweise auch Frau mit dem "ehrenwerten" Titel "Doktor" einer Fakultät nach erlangen dieses Titels an erwähnungswürdigen akademischen Leistungen erbringt.. oder eben nicht, hat keinen Einfluss auf der "tragen" des Titels "Doktor".
Noch lächerlicher ist die Partipation der Ehefrau an der ehemaligen "Doktorarbeit".
Scheint so, als sei der "Doktorgrad" eine Form von "Adelstitel".
Ehrlich, ich kenne in meiner langen Laufbahn als "Handwerker" viele "Meister" ihres Faches, die bestimmt mehr "Wissen" im Alltag anwenden, als ein Doktor. Mit oder ohne Plagiatsvorwürfe.

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