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Tagblatt Online, 18. Juli 2012, 15:26 Uhr

Attacke auf inneren Machtzirkel des Regimes

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Regimetreue Truppen beziehen Position in einem der umkämpften Viertel von Damaskus. (Bild: Keystone / epa)

Der syrische Verteidigungsminister sowie der Schwager von Präsident Asad sind bei einem Anschlag in Damaskus getötet worden. Verletzt wurden der Innenminister und der Geheimdienstchef. Vor einem Gebäude der Sicherheitskräfte war ein Sprengsatz explodiert.


((sda/dpa/Reuters))

Nach ersten Informationen wurden durch die Explosion im al-Rawda-Viertel in Damaskus insgesamt fünf Personen getötet. In dem Gebäude habe gerade eine hochrangig besetzte Sitzung stattgefunden. Dabei sei Verteidigungsminister Dawud Rajiha ums Leben gekommen, wie das syrische Staatsfernsehen berichtete.

Verletzt worden sei auch Innenminister Mohammed Ibrahim as-Shaar und Geheimdienstchef General Hisham Ichtiar sowie zahlreiche weitere Angehörige der Sicherheitskräfte. Andere arabische TV-Stationen hatten zunächst den Tod des syrischen Innenministers gemeldet.

Auch der Schwager von Asad getötet

Unter den Todesopfern des schweren Anschlags in Damaskus befindet sich nach Angaben des staatlichen Fernsehens Syriens auch der Schwager von Präsident Bashar al-Asad, Assef Shawkat. Er gehörte Asads innerem Machtzirkel an und war mit Asads älterer Schwester Bushra verheiratet.

Bei dem Attentat wurde nach Informationen der Beobachtungsstelle für Menschenrechte in London ein dritter hoher Repräsentant der Führung in Damaskus tödlich getroffen worden. General Hassan Turkmani, der die Krisenzelle zur Zerschlagung der Rebellion leitete, sei seinen Verletzungen erlegen, teilte die in London ansässige Beobachtungsstelle am Mittwoch unter Berufung auf Quellen in der syrischen Hauptstadt mit.

Das Staatsfernsehen berichtete weiter, das Attentat sei das Werk eines Selbstmordattentäters. In den Sicherheitskreisen hiess es, der Anschlag sei von einem Leibwächter ausgeführt worden. Gleich zwei Gruppen bekannten sich zu dem Angriff: Die islamistische Rebellen-Organisation Liwa al-Islam erklärte auf ihrer Facebook-Seite, man habe das Krisenkontrollzentrum angegriffen. Die Freie Syrische Armee, in der Rebellen lose zusammengeschlossen sind, bekannte sich über einen Sprecher ebenfalls zu dem Anschlag. «Das ist der Vulkan, von dem wir gesprochen haben. Wir haben gerade erst begonnen.«

Im syrischen Fernsehen wurde kurz nach dem Angriff General Fahad Djassim al-Freidj zum neuen Verteidigungsminister ernannt. Das syrische Militär kündigte Vergeltung an. Man werde die «kriminellen Banden und Verbrecher» töten, hiess es in einer Erklärung.

Anschlag in stark abgesichertem Stadtteil

Das angegriffene Gebäude befindet sich im Zentrum der syrischen Hauptstadt in einem stark abgesicherten Viertel. Die Behörde für Nationale Sicherheit wird von General Hisham Ichtiar geleitet. Der 71-jährige General gilt als eine der treibenden Kräfte bei der Niederschlagung der syrischen Aufständischen, die seit dem März 2011 den Sturz der Führung um Präsident Asad anstreben.

Nach dem Bombenanschlag auf die syrische Führung berichteten Aufständische und Sicherheitskräfte übereinstimmend von schweren Kämpfen in Damaskus. Im staatlichen Fernsehen wurde erstmals von Gefechten in der Hauptstadt berichtet. Aufständische sprachen ihrerseits von einer Flut von Soldaten und regierungstreuer Milizen.

Schwerer Schlag gegen Asad

Experten sprachen in ersten Einschätzungen von einem schweren Schlag gegen Asad, sagten jedoch, dessen Sturz stehe wohl nicht unmittelbar bevor. Vermutlich werde sich die Lage nun weiter destabilisieren, erklärte Gala Riani von der Beratungsfirma Control Risks. «Aber ich glaube, es wird mehr als das nötig sein, um das Asad-Regime zu Fall zu bringen.» Anthony Skinner von Maplecroft erklärte, der Angriff könne hochrangige Syrer dazu bewegen, sich von der Regierung abzuwenden. Die Aufständischen seien dem Militär jedoch weiterhin deutlich unterlegen.



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